Die größten Störfälle im Pannenmeiler

Unfälle im belgischen AKW Tihange

Die größten Störfälle im Pannenmeiler

Das belgische Kernkraftwerk Tihange, rund 70 Kilometer von Aachen entfernt, gerät immer wieder in die Schlagzeilen. Erst in der Nacht zu Donnerstag (13.08.2015) hat sich Reaktor 3 automatisch heruntergefahren. Eine Chronologie der größten Pannen der letzten Jahre.

Das Kernkraftwerk Tihange, vom belgischen Unternehmen Electrabel betrieben, liegt rund 25 Kilometer südwestlich von Lüttich und etwa 70 Kilometer südwestlich von Aachen. Es besteht aus drei Blöcken mit Druckwasserreaktoren.

Tihange 1 wurde 1975 in Betrieb genommen, Tihange 2 im Jahr 1982, 1985 folgte Tihange 3. Alle drei Reaktoren haben eine Bruttoleistung von rund 1.000 MW.

Im EU-AKW-Stresstest schnitt Tihange wegen des fehlenden Hochwasserschutzes besonders schlecht ab. Im Juli 2012 entschied die belgische Regierung dennoch, Tihange 1 zehn Jahre länger als ursprünglich geplant bis 2025 weiter zu betreiben, um Stromengpässe zu vermeiden.

13.08.2015: Tihange 3 vorübergehend heruntergefahren

Bei der Vorbereitung von Wartungsarbeiten hat Reaktor Tihange 3 sich automatisch abgeschaltet. Ein Sprecher der Kernkraftwerk-Betreiberfirma Electrabel erklärte, es habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Mitarbeiter und die Umwelt bestanden. Wann der Reaktor wieder hochgefahren werden kann, steht noch nicht fest.

08.08.2015: Suspendierung von vier Mitarbeitern

Mitarbeiter des AKW Tihange haben mehrfach Sicherheitsregeln ignoriert. Der Vorwurf der Aufsichtsbehörde: "Schlamperei". Sie zieht vier Angestellte aus dem Verkehr - und verordnet der gesamten Belegschaft eine Nachschulung. Die belgische Atomaufsicht droht laut Nachrichtenagentur Belga zum ersten Mal damit, das AKW Tihange zu schließen. Allein in den vergangenen sechs Wochen soll es sechs Verstöße gegeben haben, die zum Teil von Electrabel selbst gemeldet wurden.

30.11.2014: Explosion in Tihange 3

Der Reaktorblock 3 schaltete sich um etwa 10.30 Uhr nach einer Explosion automatisch ab, einer der Transformatoren fing Feuer. Nach Angaben von Electrabel habe es außerhalb des nuklearen Bereichs des Reaktorblocks gebrannt. Das Feuer sei schnell gelöscht worden, alle Sicherheitsmaßnahmen sollen befolgt worden sein. Am 02.12.2014 wurde der Reaktor wieder angefahren.

2012: Entdeckung von Rissen im Reaktorblock 2

2012 wurden erstmals kleine Risse im Mantel von Tihange 2 festgestellt. Der Reaktor ging für ein Jahr vom Netz. 2013 lief er wieder, wurde wegen Sicherheitsmängeln aber ständig ein- und ausgeschaltet. In seinem inneren Kern wurden 2.000 Risse von bis zu neun Zentimetern gefunden. Untersuchungen zeigten, dass die ständige radioaktive Strahlung während des laufenden Betriebs den Stahl im Druckbehälter unerwartet brüchig gemacht hat. Dabei ist der Druckbehälter als Schutzhülle gedacht, falls es im Reaktor zu Explosionen kommen sollte.

04.10.2010: Säurehaltiges Wasser läuft in die Maas

Kurz nach 18.00 Uhr liefen rund 600 Liter säurehaltiges Wasser aus einem Graben in die Maas. Laut Angaben des Betreibers Electrabel trat bei dem Unfall kein radioaktives Material aus, die Säure soll sich im Flusswasser schnell neutralisiert haben.

2002: Druckabfall im Primärkreislauf

2002 ereignete sich der bisher gefährlichste Störfall im AKW Tihange. Aufgrund eines versehentlich geöffneten Ventils kam es zu einem Druckabfall im Primärkreislauf und zum Verdampfen von Kühlwasser. Glücklicherweise reagierten die Sicherheitssysteme und verhinderten so eine mögliche Kernschmelze. Der Unfall wurde auf der INES-Skala für nukleare Störfälle in der Stufe 2 als "Störfall" eingeordnet. Zum Vergleich: Die Atomunfälle von Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011) wurden auf der INES-Skala mit der Stufe 7 als "katastrophaler Unfall" bewertet.

Kernkraftwerk Tihange

Stand: 13.08.2015, 16:15