Social Bots

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Social Bots

Von Jörg Schieb

Facebook, Twitter, Google+ und Co: Soziale Netzwerke sind beliebt. Manche nutzen diese Kanäle, um zu informieren, aber auch um Falschinformationen zu streuen. Und nicht immer stecken echte Menschen hinter den Accounts - ein wachsendes Problem.

Freundschaftsanfrage auf Facebook - eine Falle?

Eine Freundschaftsanfrage auf Facebook. Von einer jungen Frau, die ich gar nicht kenne. Macht natürlich neugierig - doch wenn ich die Freundschaftsanfrage annehme, bin ich schon in die Falle getappt. Denn hinter dem Account steckt wahrscheinlich ein Bot: Ein Mini-Programm, das mir vorgaukelt, da wäre jemand, der sich für mich interessiert. In Wahrheit befreunde ich mich aber mit einer Maschine, die so tut, als wäre sie eine Frau.

Warum? Ganz einfach: Um an meine Daten zu kommen. Denn bei Facebook gibt es deutlich mehr Infos über einen User, wenn man mit ihm befreundet ist. Darum ist es das Ziel, möglichst viele Freundschaften zu schließen. Die erschlichenen Daten werden gesammelt, verwendet und so zu Geld gemacht.

Dramatische Anzahl an Fake-Accounts

Das Problem mit solchen Fake-Accounts nimmt gerade dramatisch zu: Es gibt immer mehr Bots und sie werden auch immer besser, lassen sich nur schwer erkennen und enttarnen. Facebook selbst schätzt, dass es mindestens 15 Millionen Facebook-Accounts gibt, hinter denen keine Menschen stecken, sondern Bots. Bei Twitter, Instagram und Tumblr sieht es ganz ähnlich aus. 10 Prozent der Accounts könnten schon Bots sein.

Big Ben Wetterinfo

Manche Bots sind sogar praktisch, sie versorgen uns mit Infos wie beispielsweise Wetterdaten – oder sind witzig. "Big Ben" in London zum Beispiel twittert jede Stunde seine Glockenschläge. Niedlich bis charmant. Problematisch sind die Accounts, die uns gezielt täuschen sollen – oder sogar manipulieren.

Manipulation von Abstimmungen oder Bewertungen

Es gibt Bots, die manipulieren gezielt Abstimmungen oder Bewertungen, etwa in Kaufportalen oder auf gut besuchten Bewertungsplattformen. Auch auf Dating-Seiten werden sie genutzt, um User in Gespräche zu verwickeln. Männer glauben, sie würden mit Frauen flirten. Das soll sie zum Beispiel zum Abschluss teurer Abos motivieren.

Bots werden auch eingesetzt, um politische Diskussionen mit Meinungen zu fluten und uns zu manipulieren. Bots können unermüdlich an vielen Stellen gleichzeitig posten und argumentieren. Das passiert derzeit vor allem auf Twitter, etwa zu Themen wie der russischen Außenpolitik oder dem Ukrainekonflikt. Das verfälscht das Meinungsbild enorm.

 Soziale Netzwerke Kommunikation Apps Soziale Dienste auf einem Handy

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Facebook, Twitter und Co. müssen das wachsende Problem schleunigst in den Griff bekommen. Und Social Robots den Stecker ziehen. Einfach wird das allerdings nicht. Denn die Bots werden immer besser, reagieren immer "menschlicher" – und sind deshalb sehr schwer zu enttarnen. Es gibt mittlerweile Wettkämpfe unter den Programmierern solcher Bots, wer es schafft, die meisten Menschen zu täuschen. Welcher Bot also tarnt sich am besten? Wer fällt kaum auf?

Dazu gehört: Nur zu bestimmten Zeiten Postings abzuschicken oder Tweets, weil der Bot ja schlafen muss und arbeiten geht. Die richtig guten Bots plaudern mit den Usern. Treten mit ihnen in Kontakt. Das wirkt auf den ersten Blick wirklich wie ein Mensch.

Methoden Bots zu durchschauen
Aber immerhin: Es gibt Methoden, Robots zu erkennen. Bei ganz simplen Fake-Accounts auf Facebook ist es noch einfach. Wenn es zum Beispiel nur ein Foto gibt, das wie vor einer Agentur wirkt. Wenn es kaum und eher belanglose Postings gibt. Wenn es keine biografischen Daten gibt, dann kann man sicher sein: Ein Fake-Account. Hier sollte man auf keinen Fall eine Freundschaft eingehen.

Es gibt mittlerweile Möglichkeiten zu überprüfen, ob ein Twitter-Account echt ist oder nicht. Zum Beispiel auf dieser Webseite: Bot or Not. Einfach Twitter-Namen eingeben – und Analyse abwarten. Hier wird gecheckt, wie das Netzwerk aussieht, außerdem wird das Verhalten analysiert. Am Ende gibt es eine Prognose, ob eher ein echter Mensch oder ein Roboter dahintersteckt.

Die Betreiber der Netzwerke müssten jedoch deutlich größere Anstrengungen unternehmen, um solche Bots auszusortieren.

Stand: 22.01.2016, 13:10

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