Das Konzept muss sich auf der Straße bewähren

Das Sicherheitskonzept zum Kölner Karneval. Köln ab Weiberfastnacht im doppelten Ausnahmezustand: Millionen Jecke - und so viele Sicherheitskräfte wie noch nie.

Sicherheit an Karneval in Köln

Das Konzept muss sich auf der Straße bewähren

Von Robert Franz

Über 2.000 Beamte im Kölner Karneval, mehr als doppelt so viele wie vergangenes Jahr. Das ist eine imposante Zahl, die am Montag (01.02.2016) präsentiert wurde. Doch ist das Konzept am Ende nicht nur eine Show?

1. Startpunkt

Sicherheit - das ist das Wort, das im Karneval in dieser Session besonders oft benutzt wird. Nach den Übergriffen in der Silvesternacht ist das Vertrauen in die Polizei erschüttert. Viele fragen sich, ob sie wie sonst überhaupt nach Köln kommen sollen, um dort zu feiern. Deshalb müssen Stadtverwaltung und Polizei alles auffahren, was sie haben: Müllwerker als Ansprechpartner, Polizei-Azubis als Hilfspolizisten. Nur mit einem massiven Aufgebot glauben die Verantwortlichen, ein Gefühl von Sicherheit geben zu können.

Dass bei einer Million Gästen an den tollen Tagen in Köln die Beamten absolute Sicherheit geben können, daran glaubt auch Kölns Oberbürgermeisterin nicht so recht: "Eine hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben", sagt Henriette Reker am Montagmittag (01.02.2016).

2. Verlorenes Vertrauen zurückgewinnen

Arnold Plickert, Chef der Polizeigewerkschaft in NRW, bestreitet, dass es bei dem Sicherheitskonzept nur um ein Gefühl von Sicherheit geht. Die Beamten würden auf den Straßen in Köln konkret für mehr Sicherheit sorgen. Auch das geplante zusätzliche Licht in der Stadt bewertet er positiv. Trotzdem spricht auch er vom Sicherheitsgefühl der Menschen, das einen Knacks bekommen habe. Das sehe er daran, dass Frauen sich in großer Zahl Pfefferspray gekauft haben. "An Karneval müssen wir verlorenes Vertrauen zurückgewinnen." Skeptisch ist er auch, was den Einsatz der Auszubildenden angeht. "Das war eine absolute Ausnahme, dass wir als Gewerkschaft da zugestimmt haben."

3. Anlaufpunkt für Frauen

Ein Security-Point, bahnhofsnah am Roncalliplatz mitten in der Stadt, soll ein weiterer Anlaufpunkt für Frauen sein, die Opfer sexueller Belästigungen und Übergriffe geworden sind. Mitglieder des Vereins Frauen helfen Frauen e.V. werden dort an den Tagen des Straßenkarnevals bereitstehen, um möglichen Opfern zu helfen und sie zu beraten. Auch Mirja Fehm vom Verein ist vom Sicherheitskonzept für Köln nicht restlos überzeugt, hält es aber für einen ersten Ansatz, der in die richtige Richtung geht. Sexuelle Übergriffe haben es bereits in der Vergangenheit beim Karneval gegeben, aber keine Anlaufstelle dafür. Es sollten in den kommenden Jahren weitere Security-Points hinzukommen.

4. Wie sieht es mit der Sicherheit außerhalb von Köln aus?

Kritik am Konzept der Polizei kommt von unseren Zuschauern. Auf der Facebook-Seite der Aktuellen Stunde wird die Sorge vor einer wachsenden Überwachung geäußert. Auch der Einsatz so vieler Beamter in Köln wirft Fragen auf. Auch bei Brigitte Laskowski, die sich fragt: "Wo kommen denn diese Polizisten alle her? Die werden aus anderen Städten abgezogen. Und wie sieht es dort mit der Sicherheit aus? Ich meine damit nicht nur die Sicherheit der Jecken, sondern auch die der Normalen."

Stand: 01.02.2016, 21:57

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