Nach Messerattacke in Jobcenter: Arbeitsagentur zeigt Onlinehetze an
Nach der tödlichen Messerattacke auf eine Jobcenter-Mitarbeiterin in Neuss (26.09.2012) erstattete die Agentur für Arbeit jetzt Strafanzeigen wegen Hetze im Internet. Zuvor erhob eine ehemalige Mitarbeiterin des Jobcenters massive Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber.
"Es ist ungeheuerlich, was wir da lesen müssen", sagte Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit, am Mittwoch (10.10.2012) in Nürnberg. Er bezog sich dabei auf Kommentare auf Facebook, Twitter und Youtube nach der tödlichen Messerattacke auf eine Mitarbeiterin der Agentur in Neuss. Im Netz sei die Tat gerechtfertigt und sogar zur Nachahmung aufgerufen woren. Deshalb stellte die Agentur jetzt rund 40 Strafanzeigen wegen der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten, Beleidigung, übler Nachrede und Volksverhetzung.
Diskussion um Zustände in Jobcentern
Auf der anderen Seite geht die Diskussion um die Arbeitsbedingungen in Jobcentern weiter: Eine ehemalige Mitarbeiterin des Neusser Jobcenters hat der Aktuellen Stunde eine Mail geschrieben. Darin erhebt sie gravierende Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber.
Hier finden Sie den Beitrag aus der Aktuellen Stunde:
Fünf Jahre lang arbeitete Brigitte F. als Sachbearbeiterin im Jobcenter in Neuss - vor einem Jahr ging sie vorzeitig in den Ruhestand - völlig ausgebrannt, wie sie erzählt: Am Empfang hätten "Kunden" sie beleidigt, ihren Kollegen sei Gewalt angedroht worden. Dabei seien sogar Glastüren zu Bruch gegangen - passiert sei aber nichts. In keinem einzigen Fall sei ein Hausverbot ausgesprochen worden. Statt dessen sei sogar eine Sicherheitskraft im Eingangsbereich abgezogen worden.
Studie bemängelt überhöhte Arbeitsbelastung
Für die ehemalige Jobcenter-Mitarbeiterin steht fest: Die Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeitern sei von den Vorgesetzten schwerwiegend verletzt worden. Darüber hinaus liegt der Aktuellen Stunde eine interne Studie vor, die auch Arbeitsminister Schneider bekannt ist. Dort bemängelt die Landesarbeitsgemeinschaft der Jobcenter NRW, in der zahlreiche Geschäftsführer der Jobcenter des Landes sitzen, dass unter anderem die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter in nahezu allen Jobcentern zu hoch sei. Das Neusser Joncenter gab zu den Vorwürfen bisher keine Stellungnahme ab.
Stand: 10.10.2012, 12.00 Uhr
- Tatverdächtiger von Polizei festgenommen: Jobcenter-Mitarbeiterin in Neuss erstochen (26.09.2012) [WDR]
- Tödliche Messerattacke in Jobcenter: Arbeitsvermittlerin war wohl "Ausweichsopfer" (27.09.2012) [WDR]
- WDR 2 Gespräch mit Christiane Schönefeld: "Keine hundertprozentige Sicherheit" (27.09.2012) [WDR 2]
- Tatort Jobcenter [Mediathek]
- Entsetzen und Trauer in Neusser Jobcenter: Gedenken an die getötete Mitarbeiterin (28.09.2012)

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