Katholische Kliniken in Köln Zweites Opfer einer Vergewaltigung abgewiesen

Die unzureichende Betreuung von Vergewaltigungsopfern in katholischen Kliniken in Köln ist kein Einzelfall. Eine zweite Studentin hat sich beim WDR gemeldet. Auch ihr wurde eine umfassende Betreuung nach der Tat verweigert. Erst vor wenigen Tagen war ein ähnlicher Vorfall bei einer anderen Studentin bekannt geworden.


Die Tat ereignete sich im vergangenen Herbst in der Nähe des Kölner Südbahnhofs. Das Opfer: eine 24 Jahre alte Studentin. Nach der Tat war sie von Polizisten in das katholische Krankenhaus der Augustinerinnen gebracht worden. Dort sicherten die Mediziner die Spuren der Tat. Anschließend aber schickten sie die Ärzte mit dem Hinweis weg, sie solle sich an ihre Gynäkologin wenden. Weder wurde der jungen Frau gesagt, wo sie die „Pille danach“ bekommen könnte, noch erhielt sie psychologische Hilfe. Das Krankenhaus gehört zur Stiftung der Cellitinnen und ist Lehrkrankenhaus der Universität zu Köln.

Für gynäkologische Versorgung ungeeignet?

Die Stiftung erklärte dem WDR auf Nachfrage, für gewöhnlich würden Vergewaltigungsopfer in der Klinik umfangreich betreut. Dem widerspricht die Studentin. Kritik an der katholischen Klinik übt auch der SPD-Gesundheitsexperte, Karl Lauterbach. Wenn die konfessionellen Krankenhäuser Vergewaltigungsopfer nicht umfassend versorgten, müsse hinterfragt werden, ob diese noch für die allgemeine gynäkologische Versorgung geeignet seien. Vor wenigen Tagen erst hatte eine anderen jungen Frau auf einen ähnlichen Vorfall aufmerksam gemacht. Sie war von den Ärzten zweier katholischer Krankenhäuser nach einer Vergewaltigung abgewiesen worden. Begründet wurde dies mit ethischen Richtlinien des Klinikbetreibers, ebenfalls der Stiftung der Cellitinnen.


Stand: 19.01.2013, 20.22 Uhr