Strompreise laut Grünen-Studie zu hoch Energiewende als Vorwand zum Kassieren?

Laut einer Studie für die Bundestagsfraktion der Grünen sind die Strompreise für private Kunden viel zu hoch. Die Konzerne kassierten trotz sinkender Einkaufspreise. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) rechnet jedoch mit noch höheren Preisen.


Die Diskussion um die Verbraucherpreise für Strom ist gelinde gesagt unübersichtlich: Seit längerem schon erwarten und begründen die großen Energiekonzerne steigende Strompreise mit der Energiewende: Der Wegfall der Atomenergie und der Ausbau der erneuerbaren Energien koste sie zu viel. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) erwartet laut einem Zeitungsinterview im Herbst erneut Strompreiserhöhungen. Daran sei vor allem die Förderung der Solarenergie schuld, die die Bundesregierung deshalb möglichst schnell beenden will.

20 Prozent niedrigere Einkaufspreise


Stromzähler
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Kleinverbraucher zahlen die höchsten Preise

Der Energieexperte Gunnar Harms vom Bund der Energieverbraucher macht jetzt in einer Studie im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion eine andere Rechnung auf: Laut seinen Berechnungen zahlten die deutschen Stromkunden drei Miliarden Euro zu viel für den von ihnen verbauchten Strom. Denn die Einkaufspreise für Strom seien für die Konzerne 2011 um 20 Prozent gefallen - die hätten diese Einsparungen jedoch nicht an ihre privaten Kunden weiter gegeben. Industrie-Großkunden hätten Preisnachlässe erhalten, die kleinen Kunden jedoch nicht.

Staatliche Abgaben als Preistreiber

Die großen Konzerne weisen die Vorwürfe zurück. "Der Strompreis an den Börsen schwankt sehr stark", betont RWE-Sprecher Michael Rosen. "Wir kaufen Strom sehr langfristig ein, auch um die Kunden vor diese Schwankungen zu schützen", behauptet Rosen. Zudem machten die staatlichen Abgaben inzwischen rund 50 Prozent des Strompreises aus. In Teilen bestätigt das Bundeskartellamt die Argumentation der Stromriesen: "Die Kosten für das, was die Unternehmen in der Hand haben, also Produktion und Vertrieb, sind seit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 insgesamt um vier bis fünf Prozent gestiegen", sagt Sprecher Kay Weidner. Die wahren Preistreiber seien die staatlichen Abgaben. Wie sich die Strompreise zusammensetzen, fügt Weidner hinzu, müssten die Unternehmen aber auch transparent machen.

Nach Einschätzung des WDR Energie-Experten Jürgen Döschner trägt die Politik eine Mitschuld an dieser Situation: Subventionen für die Einspeisung erneuerbarer Energien würden nämlich nur auf die privaten Verbaucher umgelegt, die Großverbraucher der Industrie würden davon ausgenommen.


RWE hat nach anderthalb Jahren zum 1. August erstmals wieder die Preise erhöht, um 6,5 Prozent. Das sei moderat, meint Konzernsprecher Rosen. Zum Vergleich: Die Inflationsrate lag in Deutschland im Juli 2012 bei 1,7 Prozent.

WDR Energie-Experte Jürgen Döschner zur Strompreis-Studie

Stichworte

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Wie sich der Strompreis zusammensetzt, hat die Bundesnetzagentur 2011 aufgelistet. Zugrunde liegt den Berechnungen ein Jahresverbrauch von 3.500 kWh, das entspricht dem durchschnittlichen Verbrauch einer vierköpfigen Familie.

Entgelt für die Nutzung der Netze: 19 Prozent

Kosten für Messungen, Steuereinrichtungen (Zähler etc.), Abrechnung und Ablesung: 2,7 Prozent

Staatliche Abgaben, zum Beispiel aus dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG): 20,4 Prozent

Steuern (Mehrwertsteuer, Stromsteuer): 24 Prozent

Kosten für Strombeschaffung und Vertrieb: 33 Prozent

Ein Stromzähler aus schrägem Winkel. Video Gutachten wirft Stromkonzernen zu hohe Preise vor (01:59 Min.) WDR aktuell vom 24.08.2012

Gutachten wirft Stromkonzernen zu hohe Preise vor


Stand: 24.08.2012, 11.30 Uhr