Strom-Experiment im Münsterland Wasch-Nacht in Saerbeck

Können Nutzer durch vernünftiges Verhalten Spitzen beim Stromverbrauch vermeiden? Die ARD-Wissenschaftssendung "Kopfball" hat Freitag Nacht in Saerbeck den Praxistest gemacht. Zusammen mit dem örtlichen Stromversorger und Saerbecker Familien wurde getestet, was passiert, wenn große Energieverbraucher nicht tagsüber, sondern abends oder nachts laufen. Was hat's gebracht?


Spülmaschine mit schmutzigem Geschirr
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Startzeit der Elektrogeräte in Saerbeck war nach 21 Uhr

Saerbeck im Kreis Steinfurt im nördlichen Münsterland hat 7.242 Einwohner. In hunderten Saerbecker Haushalten haben für das Experiment den ganzen Freitag über alle elektrischen Geräte still gestanden, während nach 21 Uhr die Zähler der Gemeinde brummten. Gemütlich ist so viel Haushaltslärm an einem Freitagabend nicht, aber viele Familien versuchen umweltfreundlich zu leben – und wollten ohnehin schon lange mal ausprobieren, wie sie Strom sparen können.

Stromspitzen zur Mittagszeit und am Abend


Screenshot "Kopfball"
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Kopfball-Frage: Können Privatverbraucher an Stromspitzen etwas ändern?

Normalerweise sind die Netze in Deutschland am stärksten um die Mittagszeit gegen 12.00 Uhr und am Abend gegen 20.00 Uhr ausgelastet. Würde man es schaffen, den Verbrauch konstanter über den Tag zu verteilen, müsste man die Netze nicht immer weiter ausbauen, Strom könnte langfristig billiger werden, so der Hintergedanke zu dem Experiment. Doch können die kleinen Haushalte ohne Mithilfe der großen Industrieanlagen überhaupt etwas ändern? Wir haben Dieter König, Elektroingenieur an der TU Dortmund und wissenschaftlicher Betreuer des Kopfball-Experiments, drei Fragen dazu gestellt:

Was hat das Experiment gezeigt?

"Die Aktion hat großen Anklang gefunden. Die Bürger in Saerbeck sind ein gutes Beispiel dafür, dass Aufklärung in der Bevölkerung sehr viel bewirken kann, dass man durchaus ein Umweltbewusstsein schaffen kann", bilanziert Elektroingenieur Dieter König. "Das Experiment hat aber auch gezeigt, dass die Privathaushalte die Auslastung der Netze nur zu einem geringen Teil beeinflussen können. Den größten Teil macht einfach die Industrie aus."

Welche Lehren könnte man für die Zukunft daraus ziehen?

"Die Lehre ist, dass man nicht nur bei den Verbrauchern ansetzen muss, sondern auch bei den großen Firmen", so König. "Das eine schließt aber das andere nicht aus. Und kleine Schritte können zusammen gesehen ja auch weiterbringen."

Was kann man den Verbrauchern raten?

"In der Zukunft wird man mehr auf Smart-Meta-Geräte setzen. Das sind intelligente Netze, die die Waschmaschine automatisch dann einschalten, wenn die Belastung der Netze gerade gering ist", prognostiziert König. "Bis es so weit ist, hilft aber auch schon ein cleverer Verbraucher. Wer Solarenergie bezieht, schaltet seinen Trockner also dann an, wenn die Sonne scheint. Wer Windenergie nutzt, wäscht dann, wenn es draußen kräftig weht."


Stand: 08.09.2012, 15.00 Uhr