Erkrankungswelle in Warstein Legionellen in Klimaanlage gefunden

Die Ursache für die Legionellen-Infektionen im sauerländischen Warstein ist anscheinend gefunden. In einer in der vergangenen Woche untersuchten Industrie-Kühlanlage seien die Bakterien entdeckt worden, teilte das Gesundheitsamt am Dienstag (27.08.2013) mit. Dennoch wollten die Behörden noch keine endgültige Entwarnung geben.

Die Behörden im Kreis Soest bleiben abwartend: Es dauere noch einige Tage, bis man sicher wisse, ob die Legionellen aus der Kühlanlage eines Röhrenherstellers identisch mit den Bakterien sind, die die massenhaften Legionellen-Infektionen ausgelöst hatten. Der Standort und Hauptwindrichtung passten allerdings zu den Wohnorten der meisten Erkrankten. Sie sollen durch Tröpfchenflug infiziert worden sein. Die Anlage sei nach der Proben-Entnahme am Mittwoch (21.08.2013) ausgeschaltet geblieben, so dass von ihr keine Gefahr mehr ausgehe.

Betroffene Klimaanlage wird gereinigt

"Wir haben jetzt eine konkrete Spur, aber noch nicht mit abschließender Sicherheit die Quelle", ordnet Dr. Frank Renken, Chef des Gesundheitsamts des Kreises, das vorläufige Untersuchungsergebnis ein. Die Probe eines Unternehmens war positiv, für weitere Standorte fiel das Ergebnis entweder negativ oder nach Einschätzung des Instituts unbedenklich aus. Für die mit Legionellen befallene Anlage gilt: "Sie wird jetzt von einem Fachunternehmen desinfiziert und in einen einwandfreien hygienischen Zustand gebracht", sagt Dr. Renken. Ein Wiedereinschalten komme erst dann in Frage, wenn auch die ausgewiesenen Experten vom Bonner Hygieneinstitut Grünes Licht gegeben haben.

111 Menschen mit Lungenentzündung


Seit dem 10. August waren mehr als 100 Menschen an einer Lungenentzündung erkrankt, zwei Männer starben. In acht der 111 Fälle gab es einen im Labor bestätigten Legionellen-Befund. Die Behörden vermuten, dass der Tod von zwei Männern in der vorletzten Woche mit der Krankheitswelle zusammenhängt. Einen dritten Todesfall mit ungeklärtem Hintergrund gab es am Montag. (26.08.2013).

Weitere Analyseergebnisse erwartet

Bereits in der vergangenen Woche waren als möglicher Auslöser der Infektionen spezielle Klimaanlagen genannt worden. Vermutet wird, dass die Legionellen durch diese sogenannten Rückkühl-Werke in die Umgebung gelangt sein könnten. Entsprechende Anlagen in der betroffenen Region waren in den vergangenen Tagen untersucht worden, weitere Analyseergebnisse werden für die kommenden Tage erwartet. Die Proben werden zehn Tage lang "bebrütet".

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Legionellen

Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien. Ihre Größe bewegt sich im Mikrometerbereich. Sie sind weltweit verbreitet, gedeihen in warmem Süßwasser und können die Lungen von Menschen befallen, wenn zerstäubtes Wasser eingeatmet wird. Infektionsquellen sind daher Klimaanlagen, Duschen, Whirlpools und andere Warmwassereinrichtungen, in denen Dampf oder Sprühnebel entstehen. Die Infektion beginnt meist mit Husten, Durchfall und Fieber. Später kann es zu schweren Lungen- und Rippenfellentzündungen kommen. Legionellen im Magen-Darm-Trakt sind dagegen in der Regel harmlos. Deswegen kann Trinkwasser weiter verwendet werden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist unmöglich. Bekämpft werden können Legionellen mit Antibiotika. Dennoch kann es zu Todesfällen kommen.

Ideale Wachstumsbedingungen finden Legionellen bei Temperaturen zwischen 25 Grad und 45 Grad. Erst bei Wassertemperaturen oberhalb von 55 Grad wird das Legionellen-Wachstum wirksam gehemmt. Oberhalb von 60 Grad kommt es zum Absterben der Keime. Das Robert-Koch-Institut hat 2012 in Deutschland 649 Legionellose-Fälle registriert. Die Dunkelziffer sei jedoch hoch. Es geht jährlich von etwa 15.000 bis 30.000 Fällen aus.

Quelle: Homepage des Robert-Koch-Instituts


Stand: 27.08.2013, 16.15 Uhr