Karstadt-Chef informiert Mitarbeiter: Karstadt baut 2.000 Stellen ab
Als "schmerzhaft, aber notwendig" bezeichnet Karstadt-Chef Andrew Jennings den Abbau von 2.000 Stellen, den der Konzern am Montagabend (16.07.2012) überraschend bekannt gab. Man setze dabei auf Sozialverträglichkeit, hieß es. Scharfe Kritik kommt von der Gewerkschaft Verdi.
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Video:
Karstadt plant Stellenabbau
(01:32 Min.)
WDR aktuell vom 17.07.2012
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Karstadt plant Stellenabbau
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In der Konzernzentrale in Essen sprach Karstadt-Chef Andrew Jennings am Dienstagvormittag (17.07.2012) in der Eingangshalle zu den Mitarbeitern. Sie verfolgten mit Spannung seine Rede, auf Treppen und Emporen war die Belegschaft auf zwei Etagen verteilt. "Wir machen das nicht, weil wir das wollen. Aber aus geschäftlicher Sicht haben wir keine andere Wahl", hörten die Mitarbeiter Jennings den Personalabbau verteidigen, der bereits am Montagabend bekannt geworden war. "Karstadt muss seine Organisation anpassen, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben", hatte Jennings in einer ersten Stellungnahme gesagt. Der Stellenabbau soll vor allem über Frühpensionierungen, die Nichtverlängerung von befristeten Verträgen sowie freiwilligen Austritt erfolgen. Er soll in zwei Phasen bis Ende 2014 abgeschlossen sein. Derzeit beschäftigt die Karstadt Warenhaus AG rund 25.000 Mitarbeiter.
Das Unternehmen verwies auf "herausfordernde Marktbedingungen" der Euro-Schuldenkrise. Man wolle seine Strukturen und Prozesse weiter vereinfachen und damit das Unternehmen langfristig auf die "passende Größe" bringen. Filialschließungen oder der Verkauf von Unternehmensanteilen seien derzeit nicht geplant, sagte Jennings der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagsausgabe, 17.07.2012).
Erst vor zwei Jahren von Berggruen übernommen
Karstadt war 2010 nach einer Bieterschlacht von dem Investor, dem deutsch-amerikanischen Milliardär Nicolas Berggruen, aus der Insolvenz übernommen worden. Seitdem seien 160 Millionen Euro in die Häuser, die Technik und die Infrastruktur investiert worden. Karstadt kündigte an, zum 1. September 2012 zum Flächentarifvertrag zurückzukehren. Ende August läuft ein Sanierungstarifvertrag aus. Die Rückkehr zum Flächentarifvertrag beschert dem Unternehmen jährlich zusätzliche Kosten von 50 Millionen Euro.
"Sowohl das Management als auch der Eigentümer sind fest entschlossen, Karstadt durch ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld zu steuern und bleiben dem Unternehmen langfristig verbunden", sagte Jennings.
Scharfe Kritik von Verdi
Die Gewerkschaft Verdi kritisierte den angekündigten Stellenabbau scharf: "Das ist ein völlig falsches Signal an die Belegschaft und die Kunden, sagte Verdi-Sprecher Christoph Schmitz am Montagabend. Die Karstadt-Beschäftigten hätten durch den Sanierungstarifvertrag bereits erheblich zum Umbau des Warenhauskonzerns beigetragen. Schmitz sagte, Karstadt brauche motivierte und engagierte Mitarbeiter, auch für die nötige fachliche Beratung. Statt Stellen zu streichen, müssten die Unternehmensführung und Investor Berggruen mehr Geld in die Modernisierung investieren.
Mit dem befristeten Verzicht auf Gehaltsbestandteile wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld hatten die Mitarbeiter damals einen Beitrag zum Erhalt des traditionsreichen Unternehmens geleistet. Einer möglichen Verlängerung der Kürzungen hatte die Gewerkschaft Verdi eine Absage erteilt. Einzelheiten zum Stellenabbau werden laut Jennings in Abstimmung mit den Betriebsräten festgelegt und voraussichtlich im Oktober bekannt gegeben.
Stand: 17.07.2012, 11.12 Uhr
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