Jahresrückblick 2012: Teil 1 Der Rücktritt, die Havarie und der Ehrenmord

Wieder ist ein Jahr vorbei - und es war wieder viel los. In ihrem Leben, in unserem, in dieser Sendung. Kurz vor dem Jahreswechsel blicken wir auf das, was war in den ersten Monaten des Jahres - zum Beispiel das Costa-Concordia-Unglück, Christian Wulffs Rücktritt und der Todesfall der Kurdin Arzu Ö.


Costa-Concordia: Das Kreuzfahrtschiff war 13. Januar 2012 zu nahe an die Insel Giglio herangefahren, hatte einen Felsen gerammt und war mit 4200 Passagieren und Crew-Mitgliedern an Bord gekentert. Bei dem Unglück kamen 32 Menschen ums Leben. Gegen insgesamt neun Offiziere des Schiffes und Vertreter der Reederei wurde ermittelt. Der Kapitän Francesco Schettino und die Reederei beschuldigen sich gegenseitig, für die Havarie verantwortlich zu sein. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen abgeschlossen. Dem zuständigen Gericht wurden etwa 50.000 Seiten Beweismaterial übergeben - darunter Zeugenaussagen, Berichte von Experten und Telefonmitschnitte von Gesprächen der italienischen Küstenwache mit dem Kapitän Francesco Schettino.


Kerzen zum Zeichen der Trauer vor der Bäckerei, in der Arzu Ö. gearbeitet hat
Bild 1 vergrößern +

Kerzen vor der Bäckerei, in der Arzu Ö. gearbeitet hat

Arzu Ö.: Seit Anfang November 2011 wurde die 18-jährige Kurdin aus Detmold vermisst, am 13. Januar 2012 fanden Ermittler dann ihre Leiche. Die 18-Jährige war von ihren Geschwistern aus der Wohnung ihres Freundes entführt und erschossen worden. Im Prozess um ihre Ermordung gestand einer ihrer Brüder später, die tödlichen Schüsse abgegeben zu haben. Er sagte, er sei durch die Provokation seiner Schwester "außer Kontrolle geraten". Der 22-Jährige wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.Hintergrund der Tat war offenbar die unerwünschte Beziehung Arzus zu einem Deutschen. Arzus Familie gehört der Glaubensgemeinschaft der Jesiden an. Jesiden dürfen nach ihren Regeln keine Beziehungen außerhalb der Gemeinschaft haben. Ab dem 28. Januar 2013 muss sich auch der Vater der getöteten Kurdin wegen Anstiftung zum Mord vor Gericht verantworten.


Christian Wulff: Als er am 17. Februar 2012 seinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten erklärte, hofften viele, sein Name möge aus den Schlagzeilen verschwinden. Schwer zu ertragen war am Ende die Causa Wulff, diese Affäre um Hauskredit und Urlaubsreisen, Mailbox-Anrufe und unzureichende öffentliche Erklärungen. Aber auch als Ex-Bundespräsident beschäftigt Wulff die Republik: der demütigende Große Zapfenstreich zu seiner Verabschiedung, die Debatte über seinen Ehrensold, das Buch seiner Frau Bettina und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die noch lange nicht abgeschlossen sind.


Stand: 26.12.2012, 18.17 Uhr