Diskussion um den Grippeschutz: Viele Fragen nach dem Impfstoff-Rückruf
Nach dem Rückruf hunderttausender von Impfdosen des Herstellers Novartis gibt es viele Fragen: Drohen noch Nebenwirkungen? Welche Rolle spielen die Rabattverträge der Krankenkassen? Die Aktuelle Stunde gibt die Antworten.
Am Freitagabend (26.10.2012) wurde leichte Entwarnung im Fall der fehlenden Impfdosen gegeben. Die Zulassungsbehörde hat den Weg für den Vertrieb von Mitteln anderer Impfmittel-Hersteller freigemacht. Das Paul-Ehrlich-Institut hat 620.000 bereits produzierte Impfdosen freigegeben, sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums. Diese Impfdosen kommen von den Herstellern GlaxoSmithKline und der Firma Abbott. Damit soll jetzt die Lücke geschlossen werden, die nach dem Rückruf für rund 750.000 Impfdosen der Pharmafirma Novartis entstanden war.
Hier finden Sie den Beitrag aus der Aktuellen Stunde
Welche Folgen kann eine Impfung mit dem problematischen Impfstoff für den Patienten haben?
"Wir haben die Freigabe widerrufen, für jene Chargen bei deren Zwischenprodukten Ausflockungen beobachtet wurden", sagt Professor Klaus Cichutek vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das für die Zulassung von Impfstoffen in Deutschland zuständig ist. "Das kann bedeuten, dass innerhalb von Stunden nach der Impfung schwere Nebenwirkungen auftreten, bis hin zum anaphylaktischen Schock - deswegen diese Vorsorgemaßnahme." Alle Geimpften, die solche Reaktionen nicht sofort erlebt haben, können laut PEI sicher sein, dass der Impfstoff sicher und wirksam ist.
Ich wurde schon gegen die Grippe geimpft. Woher weiß ich, welcher Impfstoff bei mir eingesetzt wurde?
Bei Impfungen und jeder Form von Immun-Therapie muss der behandelnde Arzt genau dokumentieren, was gespritzt wurde. "In meiner Praxis kommt ein kleiner Aufkleber vom Impf-Fläschchen in die Patientenakte oder auch in den Impfpass", sagt der Düsseldorfer Allgemeinmediziner und Allergologe Dr. Christian Hentschel. Ist die Patientenakte im Computer abgelegt, wird der Aufkleber eingescannt. So lässt sich jede Impfung genau zum Hersteller, zum Präparat und auch zur Charge zurückverfolgen: "Bei mir haben auch schon Patienten angefragt und wir haben nachgeschaut. Unsere Chargen sehen komplett normal aus."
Sind Arztpraxen in NRW von dem Rückruf der Impf-Chargen von Novartis betroffen?

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Novartis-Impfstoff "Begripal"
Noch gibt es dazu keine Angaben. "Wir keinen Überblick, wie viele Ärzte 'Begripal' von Novartis verwendet haben", sagt Karin Hamacher, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung NRW. Das zweite betroffene Präparat 'Fluad' enthält einen Wirkungsverstärker und ist speziell für ältere Menschen gedacht. Auch weil es sehr teuer sei, würde es selten eingesetzt. "Wir haben aber direkt alle Ärzte informiert, welche Chargen vom Paul-Ehrlich-Institut zurückgezogen wurden." Die Praxen können, soweit vorhanden, auf Impfstoffe anderer Hersteller ausweichen. Diese Grippe-Impfung lässt sich dann genauso mit der Krankenkasse abrechnen.
Hunderttausende Impf-Dosen sind sicherheitshalber vom Markt genommen worden, reicht der Rest zur Immunisierung gegen die saisonale Influenza aus?
Eine Impfstoffknappheit ist nicht auszuschließen. Der Marktanteil von Novartis liegt nach Schätzungen deutschlandweit bei knapp einem Viertel. In Deutschland sind aktuell 16 Grippeimpfstoffe zugelassen. Auch andere Pharmafirmen wie etwa GlaxoSmithKline und Sanofi Pasteur dürfen ihre Mittel auf dem deutschen Markt verkaufen. Es gibt also durchaus Alternativen. Eine Liste der zugelassenen Mittel findet sich auf der Internetseite des Paul-Ehrlich-Instituts.
Können Novartis und andere Hersteller nicht schnell nachproduzieren?
Nein, da die Produktion eines Grippe-Impfstoffs zum Teil mehrere Monate dauert. Die Virus-Vermehrung für die aktuell in Deutschland zugelassenen Impfstoffe geschieht in bebrüteten Hühnereiern. Diese Form der Produktion ist arbeitsintensiv und zeitaufwendig. Die Herstellung des Impfstoffes dauert etwa sechs Monate. Der fertige Impfstoff liegt dann im Frühsommer vor und wird jährlichen klinischen Studien unterzogen. "Eine Alternative bei Engpässen ist der Versuch, im europäischen Ausland Impfstoff zu besorgen", sagt Karin Hamacher von der Kassenärztlichen Vereinigung NRW. "Diese Präparate müssen natürlich auch eine Zulassung für Deutschland haben."
Welche Rolle spielen Rabattverträge der Krankenkassen mit den Pharma-Unternehmen?

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Kassen sparen durch Rabattverträge
Gesetzlich erwünscht ist es, dass Gesetzliche Krankenkassen Geld sparen, indem sie für Medikamente Rabattverträge mit nur einem Hersteller abschließen. Das erfolgt regional und in einem wenig transparenten Verfahren, um die Konkurrenz der Firmen zu fördern. Im Fall der Grippe-Impfstoffe bedeutet die Quasi-Monopolstellung eines Anbieters aber auch, dass andere Hersteller gar nicht erst größer in die Produktion eingestiegen sind. Kritik kommt unter anderem von der saarländischen Apothekerkammer. Deren Präsident Manfred Saar sieht die Versorgungssicherheit gefährdet.
Wie könnte die Politik gegensteuern?
Möglicherweise wird die Grippeimpfung für das kommende Jahr wieder aus dem Rabattsystem ausgeklammert. Das ist allerdings noch unsicher. Der Düsseldorfer Arzt Dr. Christian Hentschel zum Beispiel plädiert dafür, Festpreise für Medikamente und auch für Impfstoffe niedriger anzusetzen. Auch dadurch könnten Kassen sparen.
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Video:
Impfstoff wird knapp
(01:16 Min.)
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WDR aktuell vom 26.10.2012
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Impfstoff wird knapp
Stand: 26.10.2012, 13.00 Uhr
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