Stiftung Warentest zu Dispokrediten Verschleierungstaktik und teure Zinsen

Die Zinsen, welche die meisten deutschen Banken für das Überziehen des Girokontos erheben, sind sehr hoch. Aber das verschleiern viele Institute. Diesen Vorwurf erhebt die Stiftung Warentest in der neusten Ausgabe der Zeitschrift "Finanztest". Am Test beteiligt war Stephanie Pallasch. Die Aktuelle Stunde hat mit ihr gesprochen.


0,75 Prozent - auf diesen historischen Tiefststand hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins gesenkt, zu dem sich Banken Geld beschaffen können. Diese günstige Konditionen geben die Kreditinstitute allerdings nicht an die Kunden weiter, lautet der Vorwurf.

Hier finden Sie den Beitrag aus der Aktuellen Stunde

Viele Politiker dringen auf gesetzliche Zins-Obergrenzen für die Banken. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner lehnt diese aber ab. Nach einem Spitzentreffen mit der Bankenbranche und Verbraucherschützern Anfang Oktober hatte die CSU-Politikerin mitgeteilt, Banken und Sparkassen wollten in Zukunft transparenter über die anfallenden Kosten informieren.

Die neusten Ergebnisse der Stiftung Warentest bestätigen das nicht. Von 1.566 angefragten Banken und Sparkassen teilten lediglich 357 Institute ihre Konditionen freiwillig mit. Der ermittelte Höchstsatz für das Überziehen des Girokontos lag bei 15,32 Prozent - diese Zinsen berechnet die VR-Bank Aalen bestimmten Kunden.

Die Aktuelle Stunde hat mit Stephanie Pallasch, Projektleiterin Finanzdienstleistungen bei der Stiftung Warentest, über die Ergebnisse gesprochen.

Aktuelle Stunde: Viele Menschen haben ihr Konto schon mal überzogen – fast ein Drittel der Deutschen, schreiben Sie. Worauf sollten diese Menschen achten, damit es nicht zu teuer wird?

Pallasch: Zwei Dinge sind zu beachten: Zum einen sollte man sein Konto immer nur für einen möglichst kurzen Zeitraum überziehen. Außerdem sollte man die Summe, mit der man im Minus ist, in Grenzen halten. Dann halten sich die Folgen in Grenzen.

Aktuelle Stunde: Wem tun die Überziehungsgebühren weh?


Stephanie Pallasch
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Stephanie Pallasch

Pallasch: In der Summe verlieren die Kunden dadurch viel Geld - und die Banken verdienen ordentlich: Im Schnitt berechnen die von uns geprüften Banken und Sparkassen 11,76 Prozent Dispozinsen. Die Abrechnung erfolgt meistens vierteljährlich, so dass die Kunden in den ersten Monaten noch nichts von den Kosten merken.

Es lohnt sich zu vergleichen: Ein Kunde der Raiffeisenbank Fischenich-Kendenich in NRW, der sein Konto jetzt zum Beispiel ein halbes Jahr lang mit 2.000 Euro überzogen hat, landet - wegen des Zinssatzes von 14,25 Prozent - bei 142,50 Euro. Ein Kunde, der mit der gleichen Summe bei der Deutschen Skatbank im Minus ist, müsste für ein halbes Jahr nur 52,50 Euro zahlen.

Aktuelle Stunde: Welche Alternativen zum Dispokredit sollte ich in Betracht ziehen, wenn ich mein Konto regelmäßig überziehen muss?

Pallasch: Der Dispositionskredit ist der teuerste Kredit einer Bank. Günstiger ist zum Beispiel ein Ratenkredit - hier wird eine Summe in festen monatlichen Raten getilgt. Oder Sie entscheiden sich für einen Abrufkredit - der gleicht einem Dispokredit, ist aber unabhängig vom Girokonto und hat einen flexiblen Kreditrahmen.

Wenn man mit den Kosten für den Dispokredit nicht einverstanden ist, kann man aber natürlich auch einfach zu seiner Bank hingehen und die Kosten verhandeln - das sollte eigentlich der erste Schritt sein. Die Bank kann auf sie zugehen und ihren Zinssatz anpassen. Wenn Sie damit keinen Erfolg haben, sollten Sie über einen Wechsel der Bank nachdenken. Wichtig hierbei ist natürlich, dass nicht nur der Dispokredit, sondern das Gesamtpaket stimmt.

Aktuelle Stunde: Unterscheiden sich die Dispokredite, die eine Bank mir gewärht?

Pallasch: Ja, es gibt zum Beispiel Unterschiede je nach Kontomodell. Und auch die Bonität des Kunden wird von manchen Banken als Argument für den Zinssatz herangezogen. Ob die Bonität sich an der Höhe des Einkommens oder der Sparanlagen des Kunden richtet, entscheidet allein die Bank.

Aktuelle Stunde: Von 1.566 Banken haben Ihnen nur 357 freiwillig Auskunft erteilt. Warum fürchten die Banken Transparenz so sehr?


Karten in einer Geldbörse
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Ist mein Konto im Minus?

Pallasch: Die Vermutung liegt nahe, dass die Institute, die uns Informationen verweigert haben, besonders schlechte Konditionen anbieten. Nur 357 Banken und Sparkassen haben uns freiwillig Auskunft gegeben, bei 588 weiteren Instituten konnten wir die Daten per Internetrecherche ermitteln. Bei den meisten Banken, die in der Liste der teuersten Dispozinsen gelandet sind, haben wir Mitarbeiter in die Filialen vor Ort schicken müssen. Die Konditionen von 621 Instituten - das ist mehr als ein Drittel - blieben aber im Dunkeln.

Aktuelle Stunde: Wie wäre das Ergebnis mutmaßlich ausgefallen, wenn sich nicht so viele Banken verweigert hätten?

Pallasch: Wir gehen davon aus, dass der von uns ermittelte Durchschnitts-Zinssatz von 11,76 Prozent dann noch deutlich höher wäre.

Aktuelle Stunde: Sie nehmen die Dispokredite der Banken regelmäßig unter die Lupe. Haben die Institute, die schlechte Testergebnisse bekamen, inzwischen nachgebessert?

Pallasch: Ja, ungefähr die Hälfte der von uns vor einem Jahr kritisierten Institute hat ihre Zinsen gesenkt.


Stand: 16.10.2012, 13.34 Uhr