Angeklickt: Die automatisierte Gerüchteküche
Über Suchmaschinen wird gerade heftig diskutiert - nicht zuletzt wegen Bettina Wulff, die Google verklagt hat. Manipulieren Suchmaschinen oder werden sie manipuliert? Unser Netzexperte Jörg Schieb erklärt, wie sie funktionieren und wie schnell Gerüchte im Netz entstehen können.

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Autovervollständigung bei Google - Bettina Wulff kämpft um ihren Ruf
Bettina Wulff ist derzeit einer der am häufigsten eingetippten Suchbegriffe in Deutschland. Alle wollen wissen, was eigentlich passiert, wenn man Bettina Wulff ins Suchfeld eingibt. Die kritisierten, automatischen Vorschläge von Google kennt man ja bereits. Der erste echte Treffer hingegen: Ein seriöses Angebot. Ein Porträt in Wikipedia. Dass im Augenblick besonders oft nach "Bettina Wulff" gesucht wird, ist nicht etwa eine Vermutung, sondern lässt sich tatsächlich belegen. Google selbst liefert die Beweise dafür.
Google Trends
Google verrät nämlich auf Wunsch, was die aktuellen Trendbegriffe sind, nach welchen Begriffen die Menschen gerade besonders häufig suchen. "Google Trends" heißt diese Funktion. Und schon hier ist zu erkennen: Das Trendthema schlechthin ist Bettina Wulff. Google verrät sogar, wie sich die Popularität des Suchbegriffs über die Zeit verändert hat.
Suchanfragen explodieren
Man sieht deutlich, dass um die Jahreswende herum - also kurz vor und nach dem Rücktritt von Christian Wulff - besonders oft nach "Bettina Wulff" gesucht wurde. Danach kehrte Ruhe ein - und nun: Seit Bettina Wulff auf die Idee kam, Google anzugreifen und zu verklagen, explodieren die Suchanfragen regelrecht. Die Klage gegen Google hat also eindeutig dazu geführt, dass mehr Menschen die Suchbegriffe eingegeben haben als jemals zuvor. Man kann den Statistiken unglaublich viel entnehmen: Nicht nur, wie sich die Popularität eines Suchbegriffs entwickelt hat, sondern auch, wo der Begriff wie oft gesucht wurde. Wer möchte, kann sogar mehrere Begriffe kombinieren und vergleichen. Interessant: Google selbst nutzt diese Daten auch. Vor allem für die Autovervollständigungs-Funktion in der Sucheingabe. Wonach besonders oft gesucht wird, das erscheint dann als Vorschlag im Eingabefeld.
Die Kombi macht's
Nicht weil es im Web so viele Geschichten über die Gattin des Ex-Bundespräsidenten gibt, entstehen die Vorschläge bei Google, sondern auch, weil so viele Menschen nach ihrem Namen suchen – auch in Kombination mit anderen Begriffen. Übrigens: Alle reden ja von Google, als gäbe es keine anderen Suchmaschinen. Dabei gibt es die durchaus. Jede Menge sogar. Aber wir Deutschen suchen vor allem mit Google. Eine gute Alternative ist aber zum Beispiel Bing. Das ist die Suchmaschine von Microsoft, die sich in den letzten Jahren enorm gemacht hat, richtig gut geworden ist, sagt Jörg Schieb.
Bing ist eine Alternative
Auch Bing hat eine Autovervollständigungs-Funktion. Und auch hier gibt es im Fall Bettina Wulff mehr oder weniger dasselbe Problem: Es erscheinen ganz ähnliche Vorschläge wie bei Google. Nur redet keiner drüber. Suchmaschinen durchforsten nicht nur das Web, sondern speichern auch, wonach wir suchen – und was uns interessiert. Auf diese Weise entsteht, vollautomatisch, ein Wissensgeflecht, ein Netzwerk aus Fakten, Informationen und Anfragen. Moderne Suchmaschinen bringen das alles immer besser zusammen – wenn auch noch längst nicht immer perfekt.
Google, Bing und andere tüfteln an vielen Dingen. Suchmaschinen müssen sich auf Tablets zum Beispiel anders bedienen lassen. Wir können aber mittlerweile auch unsere Stimme benutzen, um Suchmaschinen zu befragen, etwa mit dem Handy. Oder wir können Fragen mit den Fingern aufschreiben. Und. Und. Und. Suchmaschinen verändern sich. Ständig.
Experiment: Kann 1Live Google beeinflussen?
Stand: 14.09.2012, 14.21 Uhr
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