Angeklickt Alternate Reality Games

Die Gamescom in Köln zeigt, wo es in Sachen Computer- und Videospiele hingeht: Spiele, die echte und virtuelle Welt verschmelzen. Unser Netzkenner Jörg Schieb zeigt, wie das funktioniert, und verrät, ob das überhaupt Spaß macht.

Angeklickt Video Alternate Reality Games (04:06 Min.) Aktuelle Stunde vom 23.08.2013

Alternate Reality Games

Sogenannte Alternate Reality oder Augmented Reality Spiele wie Ingress sind derzeit der absolute Renner und haben mittlerweile hunderttausende Fans in aller Welt. Gleich zu Beginn des Onlinespektakels erfährt der Spieler, worum es eigentlich geht: Es ist eine neuartige Form von Energie aufgetaucht, die sich überall in der Welt ausbreitet. Auch an Orten in der echten, realen Welt – direkt vor der eigenen Haustür. Gestartet ist das ungewöhnliche Spiel Ende vergangenen Jahres in den USA, mittlerweile kann man Ingress aber auch in Deutschland spielen.

Was braucht man um bei Ingress mitzumachen?

Wer mitmachen möchte, braucht eine Einladung, einen Invite. Wer keinen Freund oder Bekannten hat, der bereits bei Ingress mitmacht und eine Einladung verschicken kann, muss auf der Webseite eine Einladung anfordern. Diese bekommt man nach ein paar Stunden. Das Spiel ist sehr zeitintensiv, also nichts für zwischendurch. Außerdem braucht man zwingend ein Android-Smartphone, denn noch läuft Ingress nur auf Android-Geräten.

Wie spielt man Ingress?

Zuerst muss man sich entscheiden, auf welcher Seite man eigentlich spielen möchte: Es gibt die Erleuchteten, im Spiel grün dargestellt, die die Energie für die Menschheit nutzen wollen. Auf der anderen Seite gibt es den Widerstand, im Spiel blau, der verhindern will, dass noch mehr Energie auf die Erde gelangt.


Das Spielfeld von Ingress ist eine Onlinekarte. Dort sind die geheimen, nur für Spieler sichtbaren Orte eingetragen, die die Spieler besuchen können – mit dem Smartphone in der Hand. Jeder Punkt darauf ist ein Portal. Der Spieler muss sich also bewegen und die tatsächlichen Plätze und Orte besuchen, um im Spiel mitzumachen.

Man muss die Orte erkunden und überall nach Hinweisen suchen, auch im Netz. Ob Dokumente, Bilder oder Videos – überall können wichtige Hinweise oder Passwörter versteckt sein, die einen im Spiel weiterbringen. Ingress ist eine moderne Form von Puzzle und Schnitzeljagd in einem, die Online- und die echte Welt verschmelzen lässt.

Was kostet Ingress?

Anders als andere Onlinespiele ist Ingress komplett kostenlos. Man muss weder für das Spiel bezahlen, noch kann man virtuelle Güter kaufen, wie in anderen Onlinespielen üblich. Der Betreiber Google profitiert trotzdem. Zum einen sammelt Google Daten, etwa Bewegungsdaten. Zum anderen versucht Google, mit Werbung Geld zu verdienen. In der virtuellen Spielewelt von Ingress tauchen Logos auf, in den USA sind es Drogerieketten und Autovermieter, bei uns in Deutschland Mobilfunkanbieter. Einige davon haben sogar extra Prepaid-Tarife für Ingress-Spieler im Angebot. Wer diesen nutzt, kann nicht nur Ingress spielen, sondern verschafft sich sogar Vorteile im Spiel selbst.

Welche anderen Alternate Reality Games gibt es?


Weitere Alternate Reality Games

Ein anderes Beispiel für ein Alternate Reality Game ist Twinkomplex. Das Spiel wurde in Deutschland entwickelt und wird in Berlin gespielt. Auch hier verschmelzen echte und virtuelle Realität zu etwas Neuem. Die Spieler erkunden mit anderen die Stadt und finden im Netz Hinweise, wie es weiter geht. Eine Art Agententhriller zum Mitmachen.

Manche der Spiele sind zeitlich begrenzt und finden nur an bestimmten Tagen und Orten statt, erfordern oft auch eine Anmeldung. Andere Spiele entwickeln sich ständig weiter. Es werden Geschichten erzählt, verwoben mit dem eigenen Leben. Bei Ingress klappt das derzeit am besten, weil hier so viele Menschen mitmachen. Hier ist immer was los.



Stand: 23.08.2013, 09.26 Uhr