Wildes Ruhrgebiet

Luftaufnahme von einem Zechengelände, das von Pflanzen zurückerobert wurde.

Wildes Ruhrgebiet

Auf den ersten Blick wirkt die Landschaft an der Ruhr wie ein kleines Paradies. Doch nirgendwo sonst in Deutschland hat der Mensch die Natur so gründlich seinen Interessen geopfert. Tiere führten über Jahrhunderte ein Nischendasein. Doch seitdem Zechen und Schwerindustrie aufgegeben wurden, erobert die Natur, weitgehend ungestört, verlorenes Terrain zurück.

Großaufnahem: Ein Fuchs schaut zwischen Metallstreben hervor.

Rotfuchs: Er ist, wie kaum ein anderes Tier, dafür bekannt, Neuland zu erobern.

Birken wachsen in ehemaligen Möllerbunkern, der Fuchs zieht seine Jungen in einer alten Fabrikhalle groß, und der Steinmarder jagt Mäuse in einer stillgelegten Gießerei. Als einstiger Felsbewohner hat er im Lauf der Evolution gelernt, die Strukturen des Menschen für sich zu nutzen. Selbst dem Igel, der heutzutage in den aufgeräumten Vorstadtgärten kaum noch Unterschlupf findet, bietet ausgedienter Bergbauschrott ideale Plätze zum Verstecken und zur Jungenaufzucht.

Von Jägern und Gejagten

Stillgelegte Hüttenwerke und ein reichliches Beuteangebot ziehen einen Vogel magisch an, der durch schwindenden Lebensraum und DDT Vergiftung in Deutschland fast ausgestorben war: den Wanderfalken.

Großaufnahme: Der Kopf eines Wanderfalken. Um seinen Schnabel herum sind Fleischfetzen.

Wanderfalke: Mit großem Einsatz ist es Naturschützern gelungen, daß im Ruhrgebiet heute mehr der eleganten Flieger leben als irgendwo sonst in Deutschland.

Für ihn gilt vor allem: je höher desto besser. Ob natürliche Felswand oder künstliches Bauwerk ist weniger entscheidend. Nun brüten die Wanderfalken wieder im "Pott", auch dank zahlreicher von Naturschützern angebrachter Nisthilfen. Oft zum Kummer der alteingesessenen Brieftaubenzüchter, die so manchen ihrer Lieblinge an den Neuankömmling verlieren.

Verlockende Gewässer

Grauschwarze Abraumhalden beraubten einst die Landschaft jeglicher Lieblichkeit. Erstaunlicherweise zieht genau dieser harte, verdichtete Boden der immer grüner werdenden Tafelberge seltene Tiere an.

Nachtaufnahme: Eine Keruzkröte sitzt auf steinigem Untergrund.

Kreuzkröte: Auf den Halden zwischen Rhein und Ruhr leben heute mehr der bedrohten Kröten als irgendwo sonst in Nordrhein-Westfalen.

Kreuzkröten bevorzugen Laichgewässer, die so kurzlebig sind, dass sich keine gefräßigen Fische ansiedeln können. Nach Regenfällen bieten ihnen die großen Pfützen auf den zahlreichen Halden und Brachen genau das. Da sie nicht versickern, sind sie gerade so langlebig, dass die Kaulquappen sich entwickeln können. Eine weitere Seltenheit, die Ödlandschrecke, findet auf den heißen Schotterflächen ebenfalls ein ideales Terrain für ihre Balz. Das Ruhrgebiet ist die Bühne einer unglaublichen Verwandlung: vom Kohlenpott zur Heimat für tierische Spezialisten und Anpassungskünstler. Wer den Wandel zu nutzen versteht, für den ist das Land an der Ruhr noch heute ein ideales Revier.

Ein Film von Christian Baumeister

Redaktion: Gabriele Conze 

Stand: 02.12.2016, 15:33

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