Auch im Bienenhaus wurde nach Breidenbach gesucht

Mehrere Polizisten stehen vor einem Café in der Rheinaue , wo Breidenbach gesichtet worden sein soll

Fahndung in Bonn nach Straftäter

Auch im Bienenhaus wurde nach Breidenbach gesucht

Von Jürgen Kleikamp und Christoph Hensgen

Stundenlang kreiste ein Polizeihubschrauber über der Bonner Rheinaue, ungezählte Streifenwagen kreuzten in dem ehemaligen Gelände der Bundesgartenschau – alle auf der Suche nach dem Ausbrecher Peter Breidenbach. Die Polizei hat ihre Suche inzwischen erfolglos abgebrochen.

Der Hinweis des Joggers hatte sich präzise auf "unterhalb der Bonner Südbrücke" konzentriert. Die Polizei war recht schnell mit einem Großaufgebot und dem Hubschrauber "Hummel 12" zur Stelle. Immer wieder blieb der grün-weiße Helikopter über Bonns beliebtestem Freizeitgelände regelrecht stehen, um nach dem 58-jährigen Sexualstraftäter Ausschau zu halten.

Alles nutzte nichts. Dabei war der Hinweis des Joggers ziemlich deutlich gewesen. Er war nach WDR-Informationen an dem Mann vorbei gelaufen, hatte ihn aber nicht genau erkannt. Nach der ersten Schrecksekunde war der Jogger umgekehrt und noch einmal an dem Verdächtigen vorbei gelaufen. Danach hatte er die Polizei verständigt.

Gezielter Hinweis auf Bienenhaus

Dabei hatte es auch noch von einer zweiten Spaziergängerin, die mit ihrem Hund in der Rheinaue unterwegs war, einen weiteren Hinweis gegeben. Der bezog sich auf das Bienenhaus, das ziemlich im Zentrum des Parks steht, von einer Imker-Gemeinschaft betrieben wird und häufig von Schulklassen besucht wird. Zwei Polizeibeamte der Einsatzhundertschaft marschierten schnurstracks dorthin. Aber auch dort fanden sie Peter Breidenbach nicht.

Schwierige Suche auf 160-Hektar-Gelände

 Ein Polizeihubschrauber sucht nach dem flüchtigen Peter Breidenbach

Der Polizeihubschrauber "Hummel 12"

Der ehemalige Rheinland-Pfalz Pavillon, ein Überbleibsel der Bundesgartenschau von 1979, der heute gastronomisch genutzt wird, wurde ebenfalls von den Beamten aufgesucht. Auch hier: Fehlanzeige. Trotz Hubschrauber, trotz vieler Polizisten ist die Suche in der Rheinaue nach einer einzelnen Person wie die berühmte Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Das Gelände ist immerhin 160 Hektar groß, 125 Hektar sind davon auf der linksrheinischen Seite, 35 rechtsrheinisch.

Apotheken besonders gewarnt

Der Bonner Amtsapotheker ist die Fahndungsmaßnahmen mit einbezogen worden. Der Ausbrecher, der in der Justizvollzugsanstalt Aachen seine Strafe verbüßte, ist zuckerkrank. Er hatte zwar eine gewisse Ration an Insulin bei sich, doch die dürfte spätestens morgen aufgebracht sein. Dann ist Breidenbach auf Nachschub angewiesen. Darum erging eine Warnung an alle Apotheken in Bonn und Umgebung.

Straftäter gilt als sehr gefährlich

An der Bonner Südbrücke soll der flüchtige Peter Breidenbach gesichtet worden sein

Alle strategisch wichtigen Punkte wurden beobachtet

Der 58-jährige Breidenbach, der als extrem gefährlich gilt, war am Mittwoch beim Besuch des Kölner Brauhauses "Früh" in der Kölner City zwei Begleitern der Justizvollzugsanstalt Aachen entwischt. Der Sexualstraftäter war im "Früh" auf die Toilette gegangen, nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden begleitet von einem Beamten, der offenbar zeitgleich das Urinal des Brauhauses benutzt hatte.

Diese kurze Zeitspanne muss Breidenbach genutzt haben, um sich seinen beiden Bewachern zu entziehen. Angeblich sollen die beiden Aachener Justizbeamten die Flucht des zu neun Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilten Straftäters auch erst 35 Minuten nach dessen Verschwinden gemeldet haben. Das hatte die Fahndung erheblich verzögert.

Strafanzeige gegen zwei Justizbeamte

Nach der Flucht des verurteilten Vergewaltigers hat die JVA Aachen inzwischen Strafanzeige gegen zwei Justizvollzugsbeamte gestellt. Sie gründe sich auf den Verdacht, dass sie ihren Dienstpflichten nicht hinreichend nachgekommen seien, sagte ein Sprecher des NRW-Justizministeriums.

Die Leiterin der JVA Aachen Reina Blikslager

Erstattete Anzeige: Reina Blikslager

Es gehe dabei auch darum zu prüfen, ob möglicherweise der Straftatbestand der Gefangenenbefreiung erfüllt sei. "Letzten Endes muss es auch zum Schutz der Bediensteten aufgeklärt werden", sagte die Leiterin der JVA, Reina Blikslager. Die Staatsanwaltschaft Köln bestätigte den Eingang der Anzeige am Freitag. Nun werde geprüft, ob ein Anfangsverdacht vorliege.

Augenzeugen widersprechen ursprünglicher JVA-Aussage

Zuvor hatten unter anderem auch der WDR, sowie "Bild" und "Express" von Augenzeugen berichtet, die die Flucht des Vergewaltigers anders beschrieben, als bisher von den beiden Aufpassern geschildert. Nach Angaben der Augenzeugen war der 58-Jährige bei seinem von den Beamten bewachten Ausflug in ein Kölner Brauhaus ohne Begleitung auf die Toilette gegangen. Die JVA hatte bislang mit Verweis auf die Aussagen ihrer Mitarbeiter mitgeteilt, einer der beiden habe den Mann auf die Toilette begleitet. Erst dort habe er ihn aufgrund einer Unaufmerksamkeit aus den Augen verloren.

Stand: 22.01.2016, 15:15

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