Zwei Cent pro "Gefällt mir"

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Der Handel mit Facebook-Fans

Zwei Cent pro "Gefällt mir"

Von David Ohrndorf

Die Zahl der Facebook-Fans ist für manche Unternehmer offenbar mehr als nur eine Spielerei. Sie bezahlen Nutzer für einen Klick auf den "Gefällt mir"-Knopf. Mittlerweile gibt es regelrechte Marktplätze für den Verkauf von Fans.

"Wir verkaufen keine Fans" versucht Marlene Scott von der Plattform Fanslave gegenüber WDR.de klarzustellen. Ihrer Ansicht nach vermittelt der Dienst lediglich "Verbindungen im Social Network". Das liest sich auf der Homepage von Fanslave aber ganz anders. "Buy Facebook Fans" steht dort in großen Buchstaben. Das Geschäftsmodell von Fanslave ist eindeutig: Facebook-Nutzer bekommen eine gewisse Anzahl "Credits" gutgeschrieben, wenn sie Fan der Seiten werden, die Fanslave ihnen vorschlägt. Die "Credits" können, wenn ein Gegenwert von 15 Euro erreicht ist, in echtes Geld umgetauscht werden.

Damit Fanslave seinen Nutzern eine Seite vorschlägt, müssen die Betreiber dieser Seite vorher Geld überweisen. "1.000 echte Fans" kosten laut Homepage des Dienstes beispielsweise 103,20 Euro. Das macht für Fanslave zehn Cent pro vermittelten Fan. Die Auszahlung an die "falschen Freunde" liegt deutlich darunter. Zwischen 1,5 und 3,5 Cent bekommt ein bezahlter Fan für seinen Klick. Die vermittelten Fans stammen aus der ganzen Welt, gegen Aufpreis können Unternehmen die Herkunft ihrer Claqueure aber auch auswählen.

Wer kauft seine Fans?

Auch wenn die Fanslave-Sprecherin nicht von "verkauften Fans" sprechen will - manches Unternehmen formuliert das durchaus so. Rainer Schnell von einem Münchener Hypnose-Zentrum ist Kunde bei Fanslave. Er schreibt WDR.de: "Der Kauf von Facebook Fans hat Marketinggründe, die wir an dieser Stelle nicht weiter erörtern möchten." Außer dass die Zahl der angezeigten Fans auf der eigenen Facebookseite steigt, gibt es zunächst keinen Vorteil für die Käufer. Fabian Hickl, der für ein Afrika-Reiseportal Fans gekauft hat, glaubt aber an einen indirekten Nutzen. Der Kauf von Fans und der Anstieg der angezeigten Fans habe bei seiner Seite auch zu einem schnelleren Wachstum der "normalen Fans" geführt.

"Zombies" kommentieren nicht

Auch die Fan-Seite der Gütersloher Alta-Klinik ist bei Fanslave gelistet. Eine Sprecherin erklärte gegenüber WDR.de jedoch, die Klinik habe keinen Auftrag erteilt, Fans zu kaufen oder zu bezahlen. Zudem könne jeder bei Fanslave eine Seite in das System eintragen. Stellt sich aber die Frage, wieso ein Fremder für das Bewerben einer Seite Geld ausgeben sollte. Ein Blick auf die Fanseite der Klinik zeigt eines: Die mehr als 15.000 Fans schreiben kaum Kommentare und wenn sie etwas schreiben, tragen sie inhaltlich nichts bei. So wurde ein Artikel über Prostatakrebs von insgesamt vier Fans jeweils dumpf mit einem "good" kommentiert.

Wenig echte Interaktion sei ein typisches Zeichen gekaufter Fans, sagt Lukas Dopstadt von der Kölner Agentur Social Value, die Firmen bei Kampagnen im Netz berät. "Diese Zombies bringen einem Unternehmen gar nichts, weil sie sich nicht mit der jeweiligen Firma identifizieren." Den Handel mit Fans sieht Dopstadt sehr kritisch. Manches Unternehmen sehe die reine Anzahl der Fans möglicherweise als Erfolgsmesser einer Fanseite, dabei sei die Qualität und die Vernetzung der Fans viel entscheidender.

Mancher Fankauf geht daneben

Dass die "Qualität der Fans" nicht immer stimmt, schildert auch ein Frankfurter Makler. Er hatte 1.000 Fans gekauft. Die seien auch recht zügig auf seine Fanseite gekommen, "allerdings waren die alle aus Litauen." Für jemanden, der Wohnungen in Hessen an den Mieter bringen möchte, eine Fehlinvestition.

Neben Fanslave gibt es noch einige andere Fan-Händler und auch bei Ebay wird so ziemlich alles gehandelt, was man sich in sozialen Medien sonst "erarbeiten" muss: Follower bei Twitter, Blog-Besucher und auch Klicks bei Youtube. Der Besitzer eines Matratzenladens aus dem Ruhrgebiet hatte beispielsweise für 14,90 Euro "1.000 Klicks" auf sein Youtube-Video ersteigert. Erhofft hatte er sich einen Sprung in der Rangliste der besten Videos. "Das hat leider nicht geklappt, weil das Video zwar aufgerufen, aber nicht bewertet wurde."

Facebook hat keine Meinung

Von Facebook selbst gibt es "zurzeit kein Statement" zu den gekauften Fans. Dabei verstoßen alle Facebooknutzer, die Geld für ihren "Gefällt mir"-Klick bekommen, offensichtlich gegen die Nutzungsbestimmungen. Darin heißt es: "Du wirst dein persönliches Profil nicht für kommerzielle Zwecke verwenden." Auch wenn die Auszahlungen nicht hoch sind, der kommerzielle Zweck ist doch zu erkennen. Fanslave sieht das natürlich anders. Die Bezahlung sei keine Bezahlung, sondern eine Belohnung. Zudem sei Facebook bislang gegen keinen Fanverkäufer vorgegangen, "da wir genau dies machen, was auch in deren Interesse ist - Verbindungen herstellen und neue User/Firmen generieren", so Marlene Scott von Fanslave.

Vielleicht möchte Facebook auch vor dem anstehenden Börsengang lieber keine käuflichen Fans rauswerfen, denn auch für die Bewertung durch die Aktionäre wird die Zahl der Fans bzw. Nutzer, sicher eine Rolle spielen.

Stand: 24.06.2011, 06:00

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