Tödlicher Unfall doch nicht gefilmt

Videokamera

Videoüberwachung in Essen

Tödlicher Unfall doch nicht gefilmt

Ein tödlicher Unfall in Essen soll von Verkehrskameras der Evag aufgezeichnet worden sein. Die Polizei bittet um die Speicherung der Aufnahme. Doch es gibt nur einen Mitarbeiter der das kann - und der ist im Urlaub. Die Folge: Nach 72 Stunden wurden die Aufnahmen automatisch überspielt.

Kameras sollen für Sicherheit sorgen. Ob in Straßenbahnen oder an öffentlichen Plätzen. Doch bei der Evag werden die Aufnahmen nach 72 Stunden überspielt, wenn zuvor nicht eine dauerhafte Speicherung veranlasst wurde. Das sehen die geltenden Gesetze vor. Nach einem tödlichen Unfall in der Silvesternacht sollten die Aufzeichnungen aber gesichtert werden, die Polizei forderte das Verkehrsunternehmen dazu auf. Man ging zuerst davon aus, dass die Kameras auch den Bereich des Unfalls erfasst hätten. Das Problem: Nur ein Mitarbeiter im Unternehmen soll Zugriff auf den entsprechenden Server haben und der ist im Urlaub. Die Überschreibung der Dateien war so nicht zu verhindern, und die Aufzeichnungen sind deswegen verloren. In der Nacht war am Bahnhof Essen-Steele eine junge Frau von einem Polizeiwagen im Einsatz angefahren worden. Durch den Zusammenstoß erlitt die 23-Jährige laut Obduktion schwere Hirnverletzungen und organische Schäden, woran sie später starb.

Kameras haben Unfall doch nicht gefilmt

Anfangs ging die ermittelnde Staatsanwaltschaft Essen davon aus, dass die Videoaufnahmen der Evag viele Fragen hätten beantworten können, zum Beispiel, warum die Fußgängerin den Wagen trotz Blaulicht übersehen hat. "Die Löschung der Bilder ist sehr ärgerlich", sagte die ermittelnde Staatsanwältin Elke Hinterberg am Dienstag (05.01.2016). Umso wichtiger seien jetzt die Zeugenaussagen. Bei der Evag bedauert man den Vorfall und teilt mit, man überlege, dass eine Speicherung von Videomaterial zukünftig zu erleichtern. Bisher sei es nicht möglich gewesen, dass die Leitstelle des Unternehmens Kamerabilder sichert. Seit Mittwoch (06.01.2016) ist nun nach Ansicht des Nahverkehrsunternehmens Evag klar, dass die Kameras den Bereich des Unfalls gar nicht erfasst haben und deswegen auch den Unfall nicht aufgezeichnet haben. Trotzdem bleibt die Frage offen, warum die Polizei nicht hartnäckiger die Aufnahmen verlangt hat. Nachdem ein Fax an die Evag mit der Bitte um Speicherung geschickt wurde, geschah tagelang nichts.

Ermittlungen dauern an

Die Ermittlungen rund um den tödlichen Unfall hat aus Gründen der Neutralität die Polizei in Düsseldorf übernommen. Mehrere Zeugen haben sich demnach bereits gemeldet, einige konnten bereits vernommen werden. Doch bis alle Fragen und Umstände geklärt sind, wird es wohl noch dauern. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Essen müsse noch ein Gutachten erstellt werden, das den genauen Unfallhergang rekonstruiert. Beispielsweise, wie schnell der Streifenwagen mit dem Blaulicht unterwegs war. Fest steht nach Zeugenaussagen: Das Martinshorn war ausgeschaltet und das Unfallopfer machte keinen alkoholisierten Eindruck, als es die Straße überquerte.

Stand: 06.01.2016, 17:54