300 Passagiere saßen auf Kuba fest

Touristen warten am Flughafen

Ferienflieger hatte technische Probleme

300 Passagiere saßen auf Kuba fest

Von Christoph Hensgen

Es sollte ein Traumurlaub werden. Kubanische Sonne, Strand, Kyte-Surfen – einfach mal abschalten und entspannen. Der Traum-Urlaub ist zum Horror-Trip geworden: Drei Tage saß Philipp Höhnel in Varadero fest – und ist erst heute früh, 12.1.2016, wieder in Köln/Bonn gelandet. Mit fast 70-stündiger Verspätung – rekordverdächtig.

Ankunft statt Samstagmorgen erst Dienstag früh. Grund für das Chaos von "Flug 131" sind technische Probleme beim Eurowings-Ferienflieger. Die knapp 300 Passagiere, die bereits eingecheckt hatten, mussten den Flughafen schließlich wieder verlassen. Seit Tagen warteten sie in verschiedenen Hotels auf eine Ersatzmaschine.

Passagiere haben kein gültiges Visum mehr

"Unser Sohn Philipp berichtete von unhaltbaren Zuständen", sorgte sich Vater Dietger aus Bornheim. "Wir sind heilfroh, wenn er endlich wieder hier ist." In Mails und Kurznachrichten beschreibt der 35-Jährige was es vor Ort für Probleme gab: "Wir haben alle kein gültiges Visum mehr. Weil unsere Reisepässe bereits am 8. Januar, dem Tag des geplanten Rückfluges, als 'ausgereist' gestempelt wurden. Wir hatten ja schließlich schon eingecheckt, als dann plötzlich das erste Mal von technischen Problemen gesprochen wurde."

"Katastrophale Zustände in den Hotels"

Somit waren die Passagiere quasi illegal in Kuba. Eine Eurowings-Sprecherin sagte zwar gegenüber dem WDR, dass vor Ort Transit-Karten ausgegeben worden seien. "Aber die haben wir nie bekommen", so Philipp Höhnel. "Stattdessen wurden wir in verschiedene Hotels gebracht – die teilweise in katastrophalen Zuständen sind. Schimmel, Schädlinge, schlechtes Essen."

Betroffene berichten von Gewaltandrohungen

Eine Rechnung

Die Rechnung des Hotels

Die Situation vor Ort war offenbar sehr angespannt. Fabian Kippenberg, ein Freund von Philipp, schrieb dass etwa 50 der betroffenen Passagiere vom "Hotel Grand Memories Varadero" vor die Tür gesetzt wurden. Dieses Schicksal hätte beinahe auch Philipp Höhnel ereilt. "Mir wurde gestern von Angestellten des Hotels 'Meliá Las Américas' Gewalt angedroht. Ich wurde beschimpft und angeschrien. Ich sollte das Hotel verlassen. Dabei habe ich meine Kreditkarte hinterlegt und zahle hier pro Tag 300 US-Dollar."

Eurowings will für Kosten aufkommen

Eurowings hatte bereits angekündigt, für alle Kosten aufzukommen. Und die Fluglinie hat sich bei den Betroffenen entschuldigt. "In der Maschine, die unsere Fluggäste zurück nach Köln bringen sollte, gab es beim Landeanflug auf den Flughafen von Varadero eine Geruchsbelästigung. Daraufhin haben wir die Maschine untersuchen lassen. Erst von Technikern vor Ort, dann von unseren Fachleitern. Die mussten aber erst aus Frankfurt eingeflogen werden", so eine Eurowings-Sprecherin zum WDR. "Schließlich blieb uns leider nichts anderes übrig, als eine Ersatzmaschine zu schicken."

Häufig Verspätungen auf Langstrecken-Flügen

Eine Computer-Darstellung zeigt zwei Eurowings-Flugzeuge der künftigen Billigsparte der Lufthansa

Kein guter Start für Eurowings

Für den neuen Auslands-Billig-Flieger Eurowings ist die Strecke Kuba-Köln bisher ein echter Fehlstart. Erst vor elf Tagen kam der Airbus mit 37 Stunden Verspätung am Rhein an. Grund damals: Zwei Kapitäne meldeten sich krank, es musste Ersatz gefunden werden. Auf den Langstreckenflügen der neuen Eurowings komme es häufig zu großen Verspätungen, sagt der Dienstleister "Fairplane". Im November und Dezember 2015 hätten sich demnach 31 der insgesamt 126 Langstreckenflüge um mehr als 60 Minuten verspätet.

Chartermaschine aus Madrid soll Urlauber zurück bringen

Gestern Mittag startete eine geeignete Chartermaschine dann endlich aus Madrid, um die knapp 300 Passagiere abzuholen. Direkt zurück konnte es natürlich nicht gehen – die Crew muss die gesetzliche Ruhepause von zwölf Stunden einhalten. Auf Eurowings dürfte eine Welle von Schadenersatzforderungen zurollen. Daran denkt Vater Dietger Höhnel im Moment aber noch nicht. "Viel wichtiger ist es, dass Philipp wohlbehalten wieder zurückkommt. Alles andere sehen wir dann."

Stand: 12.01.2016, 09:11

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