Erste VW-Kunden klagen gegen Autohäuser

Ein VW-Logo spiegelt sich in einer Regenpfütze auf einem Mitarbeiterparkplatz am VW Werk

VW-Abgasaffäre vor Gericht  

Erste VW-Kunden klagen gegen Autohäuser

Von Ludger Vortmann

In Bochum klagen jetzt zwei VW-Besitzer gegen ihre Autohäuser wegen der Angabe falscher Abgaswerte. Es sind nach Gerichtsangaben die ersten Verhandlungen bundesweit, in denen sich VW-Besitzer in der Abgasaffäre juristisch gegen Autohäuser wehren.

Zwei VW-Kunden klagen vor dem Bochumer Landgericht: Sie bemängeln den Ausstoß der Schadstoffe an ihren VWs, weil sie nicht den Angaben in den Verkaufsprospekten entsprechen. Die beiden Käufer gehen voneinander unabhängig gegen ein Autohaus in Recklinghausen und eines in Bochum vor. Weil bei den betroffenen Fahrzeugen die zweijährige Gewährleistungsfrist noch nicht abgelaufen ist, richten sich die Klagen gegen die Autoverkäufer. Nach Ablauf dieser Frist hätten sie die Ansprüche gegen den Volkswagenkonzern als Hersteller richten müssen.

Langjähriger VW-Kunde klagt

Rechtsanwalt Dietrich Messler

Rechtsanwalt Dietrich Messler

Einer der beiden Kläger ist ein Hochschulprofessor aus Trier. Er war vor 15 Jahren von der Ruhr an die Mosel gezogen, hatte aber alle vier Jahre zum Teil hochwertige Neufahrzeuge bei einem großen Bochumer VW-Händler gekauft. Er wird vertreten von Rechtsanwalt Dietrich Messler aus Bochum: "Mein Mandant hatte selbst im Internet herausgefunden, dass auch sein Fahrzeug von der Abgasaffäre betroffen ist und war sehr erbost, dass ihn das Autohaus nicht direkt informiert hat. Er hat uns dann beauftragt."

"Der Hersteller arbeitet unter Hochdruck an einer Lösung."

Die Bochumer Kanzlei schrieb dann das Bochumer Autohaus an und bat um eine Stellungnahme. Diese kam prompt. In dem Antwortschreiben des VW-Händlers hieß es, der Volkswagen-Konzern arbeite unter Hochdruck an einer Lösung, mit der man sich auch zeitnah melden werde. Das akzeptierte die Kanzlei aber nicht, hatte doch Volkswagen öffentlich erklärt, dass die Entwicklung und Produktion von Software- und Hardware-Lösungen längere Zeit in Anspruch nehmen würde. "Damit war klar, dass eine zeitnahe Nachbesserung vom Autohaus überhaupt nicht angeboten werden konnte", fasst Rechtsanwalt Messler das Schreiben des Bochumer Autohauses zusammen. Sein Mandant forderte daraufhin im zweiten Schritt eine so genannte "Nachlieferung". Dabei bot er dem Verkäufer an, ein neues Fahrzeug zu kaufen und das bemängelte Fahrzeug unter Anrechnung der gefahrenen Kilometer zurückzugeben. Doch auch darauf erhielt der Kläger keine Antwort.  

Fristen abgelaufen

Landgericht Bochum

Die ersten VW-Prozesse starten in Bochum

Weil sich das Autohaus nicht innerhalb der gesetzten Frist zurück gemeldet hat, trat der Hochschulprofessor schließlich vom Kaufvertrag zurück. Man teilte dem Verkäufer mit, dass man das Fahrzeug zurückgebe und die Rückerstattung des Kaufpreises abzüglich der genutzten Kilometer erwarte. Auch darauf gibt es bis heute keine Rückmeldung. Für Rechtsanwalt Dietrich Messler und seinen Mandanten hat das Schweigen des Autohauses den Beigeschmack des Aussitzens. Deshalb ziehen sie jetzt mit ihren Forderungen vor Gericht. Am 2. März soll der Prozess beginnen.

Urteil mit Signalwirkung

Viele Autohäuser und betroffene Kunden werden das Urteil im Landgericht Bochum mit Spannung erwarten. Branchenkenner gehen davon aus, dass in Bochum noch nicht "das letzte Wort" gesprochen wird und sich höhere Instanzen mit dem Fall befassen müssen.

Stand: 01.02.2016, 17:32

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