Arnsberger Firma soll illegal Waffen exportiert haben

Ermittlungen gegen Umarex-Tochter

Arnsberger Firma soll illegal Waffen exportiert haben

Von Heinz Krischer

Hat ein Tochterunternehmen der Arnsberger Umarex-Gruppe illegal Waffen in das Bürgerkriegsland Kolumbien geliefert ? Wegen dieses Vorwurfes haben Rüstungsgegner die Firma angezeigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Firma äußert sich dazu derzeit nicht.

Dokumente, die dem WDR vorliegen, nähren den Verdacht, dass Waffen aus deutscher Produktion in Kolumbien im Umlauf sind. Seit Jahrzehnten tobt dort ein blutiger Bürgerkrieg. Polizei, Paramilitärs, Drogenmafia und Guerillagruppen kämpfen gegeneinander. Immer wieder gibt es Berichte über Massaker an der Zivilbevölkerung und andere schwere Menschenrechtsverletzungen.

In dieses Land sollen Waffen der Firma Carl Walther gelangt sein – und deshalb haben Rüstungsgegner der "Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel" die Firma angezeigt. Ihre Vorwürfe: Mehrfache Tötungsdelikte (begangen mit Walther-Waffen), Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Außenwirtschaftsgesetz. Im Kern werfen die Anzeige-Erstatter Carl Walther vor, die Waffen illegal in das Bürgerkriegsland exportiert zu haben.

Schusswaffen als Fensterdekoration

Fenster der Umarex-Zentrale

Seit über 20 Jahren gehört Carl Walther komplett zur Umarex-Gruppe aus Arnsberg. Im Ortsteil Neheim ist die Zentrale von Umarex und Walther. Von hier aus werden die Waffen von Walther in viele Länder der Welt verkauft. Nach Kolumbien allerdings ist der Export verboten. 

Keine Lieferungen nach Kolumbien genehmigt

Das bestätigt das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (BAFA) auf Anfrage des WDR: "Genehmigungen für Waffenlieferungen bzw. der Lieferung von Technologie zum Bau dieser Waffen nach Kolumbien sind seit 1993 nicht erteilt worden", erklärte das BAFA. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Zwar will die sich nicht zu Details äußern, doch zeigen Dokumente, dass offenbar tatsächlich Waffen von Walther in Kolumbien im Umlauf sind. So sind auf Preislisten des staatlichen kolumbianischen Rüstungskonzerns INDUMIL eine ganze Reihe von Walther-Waffen aufgeführt.

Walther-Waffen in Bogota angeboten

Und ein Waffenhändler aus Kolumbiens Hauptstadt Bogota bietet im Internet P22-Pistolen von Walther an, für Zivilisten und Militärs. Wie die Waffen dorthin gelangt sind, was die Firma zu den Vorwürfen sagt - unsere Fragen dazu blieben unbeantwortet. Ein Umarex-Sprecher teilte lediglich mit, wegen des laufenden Verfahrens der Staatsanwaltschaft wolle man sich nicht äußern.

Stand: 23.09.2015, 07:53