Naturschützer, Angler und Behörden schockiert

verunreinigtes Flusswasser

Düngemittel und Tiermast belasten die Emmer

Naturschützer, Angler und Behörden schockiert

  • Ursache: Düngemittel und Tiermast
  • Darauf lassen hohen Phosphat- und Nitratanteile schließen, so das Landesumweltamt (05.01.2016)
  • Dreharbeiten für die Lokalzeit OWL brachten die Öko-Katastrophe in der Emmer ans Licht
  • Alle Lebewesen in dem Gewässer auf anderthalb Kilometern verendet
  • Ein dicker Pilzteppich bedeckt das ansonsten tote Flußbett

Glibber auf den Steinen

Der Naturfilmer Ulrich Haufe

Ulrich Haufe, Naturfilmer

Die glibberige Masse auf den Steinen ist ein Abwasserpilz, der offenbar seit Monaten alles Lebendige abtötet. OWL-Naturfilmer Ulrich Haufe hatte ihn zufällig bei Dreharbeiten entdeckt, ist wütend: "Wieder einmal haben Einleitungen alles zunichte gemacht!"

Bild Volker Koch

Volker Koch, Hegegemeinschaft "Obere Emmer"

Volker Koch von der Hegegemeinschaft "Obere Emmer" ist sich sicher, dass die Verschmutzung des Flusses schon seit längerer Zeit im Gange sein muss, und Rainer Heinemann vom Fischereiverein Nieheim-Oeynhausen hat wegen der Verunreinigung des Gewässers Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Braune Brühe aus einem Bachlauf

verunreinigtes Flusswasser

Rechts das Wasser aus dem verunreinigten Flussabschnitt

Der Verein hat außerdem den Kreis Höxter als Untere Aufsichtsbehörde informiert. Der hat umgehend reagiert und bereits Wasserproben entnommen. Die Analyse ist noch nicht abgeschlossen, aber nach WDR-Informationen könnte Gülle von nahegelegenen landwirtschaftlichen Betrieben in den Fluss gelangt sein. Die Quelle des Übels ist offensichtlich ein kleiner Zufluss, ein Bach, aus dem eine dunkle Brühe in die Emmer fließt. Die vermischt sich an der Einmündung deutlich sichtbar mit dem klaren Wasser des Flusses.

Juristische Schritte absehbar

Einige Tonnen Stickstoff seien schon eingespült worden, schätzt der Mann von der Hegegemeinschaft. Nun ermitteln die Behörden. Der Kreis hat das Landesumweltamt eingeschaltet. Das werde weitere Proben nehmen, sagt Kathrin Weiß vom Kreis, die dann gerichtsfest untersucht würden. Inzwischen sagte ein Sprecher des Landesumweltamtes (05.01.2016), Düngemittel und Tiermast müssten als Ursache vermutet werden. Darauf ließen die hohen Phosphat- und Nitratanteile im Wasser schließen. Man werde in den nächsten Tagen weitere Proben nehmen, um den Verursacher einzugrenzen. Neben dem Fluss gibt es Hähchenmastbetriebe und Biogasanlagen.

Die Behörden bereiten sich auf juristische Schritte vor. Direkt an der Emmer liegen landwirtschaftliche Betriebe mit Biogasanlagen und Hähnchenmast. Versuche des WDR, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, blieben bisher erfolglos.

Einleitungen seit einem Vierteljahr

Rainer Heinemann

Rainer Heinemann, Fischereiverein

Nach ersten Erkenntnissen der Vereine werden die Verunreinigungen seit etwa drei Monaten eingeleitet. Ein Sachverständiger soll bald ein Gutachten über den Zustand der Emmer anfertigen. Er komme sich vor wie Don Quijote, der gegen Windmühlen kämpft, sagt Angler Rainer Heinemann. Es werde "vier oder fünf Jahre dauern, bis wir diesen Bach wieder zum Leben erweckt haben". Es sei eine Katastrophe. Man könnte heulen, fügt Volker Koch hinzu.

Die Naturfilmer hatten eigentlich vor allem Krebse und Egel aufnehmen wollen. Die Angler in Oeynhausen bei Nieheim sind traurig, frustriert und wütend: So viel Arbeit für den Naturschutz - vergeblich!

Stand: 05.01.2016, 14:27