Mehr Vertrauen in Förderschulen

Eine körperbehinderte Abiturientin mit Mitschülern im Klassenraum

Eltern mit Inklusion unzufrieden

Mehr Vertrauen in Förderschulen

Von Christiane Tovar

Kinder mit Behinderung sollen gemeinsam mit anderen Kindern lernen. So ist es per Gesetz vorgeschrieben. Doch viele Eltern wollen getrennte Schulen, denn im gemeinsamen Unterricht kämen behinderte Kinder zu kurz, würden nicht akzeptiert oder gar gemobbt.

Immer mehr Eltern schicken ihr Kind deshalb lieber auf eine Förderschule. Von den Kindern, die derzeit eine Förderschule des Landschaftsverband Westfalen-Lippe besuchen, war jedes dritte vorher auf einer Regelschule. So wie die elfjährige Lilli. Sie hat eine Sprachbehinderung und hat ihre ersten vier Schuljahre auf einer Förderschule verbracht. Dort lief es so gut, dass ihre Eltern sie nach der Grundschulzeit auf eine Regelschule schickten. Seit August 2014 hat jedes Kind mit einer Behinderung einen gesetzlichen Anspruch darauf.

"Sie war immer allein im Unterricht"

Eine behinderte Schülerin sitzt  im Gebäude einer Integrierten Gesamtschule in einem Rollstuhl

Immer wieder fühlen sich behinderte Kinder im gemeinsamen Unterricht allein gelassen.

Zwei Monate ging Lilli auf die Gesamtschule. Dann wollten ihre Eltern nicht mehr. Ihre Tochter litt, wurde immer trauriger, wollte nicht mehr in die Schule gehen, vor allem weil Lilli unter den Mitschülern keine Freunde fand, sagt ihre Mutter. "Sie waren nett zu ihr, haben sie aber nicht in die Gruppe gelassen. Sie war immer allein, im Unterricht, bei allem eigentlich. Es war niemand da, das war das Schlimmste." Die Familie entschied sich für den Weg zurück auf eine Förderschule. Seit einem Monat besucht Lilli jetzt die Martin-Buber Schule in Dortmund – eine Förderschule für Kinder mit Sprachbehinderung. Seitdem sei sie kaum wiederzuerkennen, sagt ihre Mutter. Endlich lache sie wieder und freue sich auf die Schule.

"Kinder blühen in der Förderschule auf"

Der Klassenraum einer inklusiven Grundschule

In einer Förderschule fühlen sich viele behinderte Kinder besser akzeptiert.

Lilli sei kein Einzelfall, meint Gudrun Heidkemper, die Rektorin der Martin-Buber Schule, in der Kinder mit Sprachdefiziten besonders gefördert werden. "Ganz oft hören wir von den Eltern, dass die Kinder mit ihrer Besonderheit nicht gut akzeptiert waren, zum Teil von den Mitschülern. Da spielt Mobbing auch oft eine Rolle und auch von den Lehrern sind sie nicht wirklich so beschult worden, dass sie sich da wohlgefühlt haben. Einige Kinder, die dann zu uns kommen, die blühen hier bei uns richtig auf und können wieder die Leistung bringen, zu der sie fähig sind."

Mehr Pädagogen für inklusiven Unterricht

Die Lehrergewerkschaft GEW macht zu wenig Personal für die Probleme bei der Inklusion verantwortlich. Und die Lehrer seien nicht dafür ausgebildet. Die Konsequenz: In ganz NRW sind laut einer GEW-Umfrage mittlerweile 2.000 Kinder von einer Regelschule zu einer Förderschule gewechselt. Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann hält dagegen. Man habe sehr viel Geld in Fortbildungen gesteckt und 1.200 zusätzliche Stellen für die Inklusion geschaffen, außerdem seien die Fortbildungen sehr erfolgreich.

Stand: 05.01.2016, 11:30