Die Musik als mahnendes Beispiel

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Kampf gegen illegale Buch-Downloads

Die Musik als mahnendes Beispiel

Von Peter Schneider

Elektronische Bücher verkaufen sich so gut wie nie zuvor. Doch fast ein Viertel aller E-Books wird illegal aus dem Netz geladen. Würden diese E-Books gekauft werden, hätten deutsche Verlage Mehreinnahmen von 32 Millionen Euro. Tendenz steigend. Die Branche wehrt sich.

Eigentlich kann die Buchbranche mit der Entwicklung des E-Book-Marktes sehr zufrieden sein. Die Zahlen sind gut und das Weihnachtsgeschäft läuft nach Plan. Doch das Phänomen E-Books bringt nicht nur Geld in die Kasse. Denn mit den Verkaufszahlen steigt auch die Zahl der illegalen Downloads von E-Books. In einer Studie zur Digitalen Content-Nutzung hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels herausgefunden, dass 76 Prozent der digital gespeicherten E-Books aus Online-Shops oder aus legalen kostenlosen Angeboten stammen. Bleiben 24 Prozent, die illegal aus dem Netz geladen wurden – bei einer geschätzten Menge von zwölf Millionen legaler Downloads in diesem Jahr, wären das knapp vier Millionen E-Books. Vereinfacht man diese Rechnung und legt den Durchschnittspreis von aktuell etwa acht Euro zugrunde, entgehen der Branche Einnahmen in Höhe von etwa 32 Millionen Euro - vorausgesetzt, diese E-Books würden auch wirklich gekauft werden. Das ist noch nicht existenzbedrohend, könnte es aber werden, wenn der Markt weiter so rasant wächst.

Deshalb geht die Branche verstärkt gegen Tauschbörsen und illegale Downloads vor. Die Mittel, die sie dazu nutzt, sind so bekannt wie umstritten: Digital Rights Management, Abmahnungen und Klagen. Umstritten nicht zuletzt deshalb, weil schon die Musikindustrie mit den gleichen Mitteln versucht hat, den Download von Musik einzudämmen. Durchschlagenden Erfolg hatten die Musikmanager mit dieser Strategie nicht. Die Verkaufszahlen brachen dramatisch ein, zahlreiche Labels mussten aufgeben. Droht dieses Szenario auch der Buchbranche?

"Das Beispiel der Musikindustrie ist uns natürlich immer gegenwärtig", so Anja Beckmann, Sprecherin der Regionalgeschäftsstelle NRW des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Doch auch innerhalb des Verbands, der sowohl Buchhändler als auch Verlage vertritt, gebe es keine einhellige Meinung, welche Lehren aus diesem Beispiel gezogen werden sollten.

DRM macht die Nutzung kompliziert

Die Verlage möchten "ihre Rechte so gut wie möglich schützen", erklärt Anja Bergmann. Konkret heißt das: Mit hartem DRM wird die Nutzung der E-Books in der Regel auf ein Endgerät oder eine bestimmte Nutzungsdauer begrenzt. Doch die Vielfalt dieser Geräte – vom Tablet-Computer über das Smartphone bis zum E-Reader – sorgt dafür, dass für den Kunden Kauf und Installation eines E-Books kompliziert werden. "Das wiederum stört die Händler, die den Kauf so einfach wie möglich gestalten wollen", so Bergmann.

Forderung nach mehr Komfort

Mehr Nutzerfreundlichkeit fordert auch Ronald Schild, Geschäftsführer der MVB, einer Tochter des Börsenvereins, die einen eigenen Onlineshop für E-Books betreibt. "Es gibt aktuell Piraterie und es wird sie immer geben", so seine Prognose. Mittel wie DRM könnten daran nichts ändern. "Der Kopierschutz wird immer wieder geknackt, einen wirksamen Schutz dagegen gibt es nicht", so Schild. Er plädiert für einen anderen Weg: "Wir müssen es dem Kunden schmackhaft machen, ein legales Angebot zu nutzen". Es müsse möglichst komfortabel sein, E-Books zu kaufen. Statt eines harten DRM favorisiert er daher das "Social DRM", bei dem der Name des Käufers als Wasserzeichen im E-Book hinterlegt ist - mal sichtbar, mal unsichtbar. "Das schreckt ab, den Titel auf einer illegalen Tauschbörse anzubieten, ermöglicht aber ansonsten eine freie Nutzung des Buchs auf mehreren Geräten", so Schild.

Seine Zuversicht, dass ein solches Modell Erfolg haben werde, zieht er aus dem Beispiel der Musikindustrie. Dort gibt es profitable Portale, die mit dem Verkauf von Musik im Netz Geld verdienen - trotz eines riesigen Kostenlosangebots. "Diese erfolgreichen Anbieter zeichnen sich allesamt dadurch aus, dass sie den Komfort und den Nutzen für den Kunden in den Vordergrund stellen." Hinzu komme, das auch die Zielgruppe der Buchbranche für einen Erfolg dieses Modells spreche: "Je älter und wohlhabender die Kunden, desto mehr Wert legen sie auf den Komfort", ist Schild überzeugt.

Mandat für die GVU

Ganz ohne rechtliche Schritte will aber auch die Buchbranche nicht auf potenziellen Umsatz verzichten. Der Verleger-Ausschuss des Börsenvereins hat eine Zusammenarbeit mit der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) geschlossen und der GVU damit das Mandat erteilt, in ihrem Namen strafrechtlich gegen Urheberrechtsverstöße vorzugehen. Die GVU vertritt im Übrigen auch die Musikindustrie.

Stand: 10.12.2012, 11:53