Polizei rückt mutmaßlichen Dieben auf die Pelle

Razzia in Düsseldorf

Großrazzia in Düsseldorf

Polizei rückt mutmaßlichen Dieben auf die Pelle

  • 300 Beamte durchsuchen 18 Lokale
  • 294 Personen werden überprüft
  • 40 vorläufig Festgenommene später wieder freigelassen

Rund 300 Beamte der Düsseldorfer Polizei, der Stadt und der Bundespolizei haben am Samstag (16.01.2016) insgesamt 18 Cafés, Shisha-Bars, Spielcasinos und Gaststätten im so genannten "Maghreb-Viertel" am Bahnhof durchsucht. Das Ziel sei ein Schlag gegen kriminelle Banden, die seit einigen Jahren verstärkt durch Taschen- und Gepäckdiebstahl, Straßenraub und Drogenhandel auffallen, hieß es bei der Polizei.

"Rund um den Bahnhof hat sich ein soziales, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum entwickelt, das Tätern als Rückzugsort dient", sagte ein Polizeisprecher dem WDR. Der Einsatz hatte am Samstagnachmittag gegen 17:30 Uhr begonnen. Neben der Durchsuchung der Lokale wurden auch die Personalien der Gäste und des Personals aufgenommen. Wer sich nicht ausweisen konnten, musste den Polizisten in ein eilig aufgebautes Vernehmungszelt folgen. Dort wurden die Angaben überprüft und gegebenenfalls Taschenkontrollen vorgenommen. Erst gegen Mitternacht war der Einsatz beendet.

Viele haben keine Aufenthaltserlaubnis

Insgesamt überprüften die Beamten 294 Personen, 40 von ihnen wurden vorläufig festgenommen. Bei 38 von ihnen bestehe der Verdacht des illegalen Aufenthalts, ein Mann sei bereits zur Abschiebung ausgeschrieben gewesen und ein weiterer sei wegen des Verdachts der Hehlerei festgenommen worden, teilte die Polizei am Sonntag mit. Hinzu kamen sieben Strafanzeigen wegen Drogendelikten sowie jeweils eine Anzeige wegen Diebstahls, Betrugs und eines Verstoßes gegen das Waffengesetz. Die Beamten stellten außerdem sechs Handys sicher, die offenbar gestohlen waren.

Szene steht lange unter Beobachtung

Razzia in Düsseldorf

Überprüfung im Vernehmungszelt

Die Polizei begründete den Großeinsatz mit den Ergebnissen des Analyseprojekts "Casablanca". Mehr als ein Jahr lang hatten Beamte einer Sonderkommission versucht, die kriminellen Strukturen hinter den Diebesbanden aufzudecken, die in der Düsseldorfer Altstadt und am Bahnhof seit Jahren verstärkt auf Beutezug gehen. Die Ermittlungen konzentrierten sich dabei auf rund 2.000 junge Männer, die zum größten Teil aus Marokko stammen. Aus diesem Personenkreis hätten sich in der Vergangenheit immer wieder kleine Gruppen formiert, die dann durch Trick- oder Taschendiebstählen aufgefallen seien. Die Bahnhofsgegend diene dem Täterkreis als Treffpunkt und Rückzugsort, hieß es in dem kürzlich vorgestellten Bericht.

Razzia diente der Prävention

"Casablanca" habe viele Einblicke in die Strukturen der Verdächtigen, über ihre Gewohnheiten, Aufenthaltsorte und Unterkünfte verschafft, sagte Einsatzleiter Frank Kubiki. Nun sei die Polizei fähig, "Orte aufzuklären, an denen solche Taten verabredet und vorbereitet werden, noch bevor sie geschehen". Die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht seien nicht der Anlass für die Razzia gewesen, betonte Kubiki. "Gleichwohl rechnen wir mit Erkenntnissen, die die Ermittlungen vorantreiben könnten."

Alle Festgenommenen wurden freigelassen

Nach der Großrazzia im Düsseldorfer Maghreb-Viertel hat die Polizei alle 40 Festgenommenen wieder freilassen müssen. Es hätten keine Haftgründe vorgelegen, sagte ein Polizeisprecher am Montag (18.01.2016). Gegen einen Verdächtigen werde wegen des Verdachts der Hehlerei ermittelt, weil bei ihm ein gestohlenes Laptop entdeckt worden sei. Die Polizei hatte bei der Razzia auch sechs gestohlene Handys entdeckt, sie aber niemandem zuordnen können. "Wie so oft in solchen Fällen wird so etwas dann in einer Ecke liegen gelassen", hieß es. Auch ein bereits zur Abschiebung ausgeschriebenen Mann habe nicht länger festgehalten werden können, weil er Asyl beantragt habe. 

Stand: 18.01.2016, 18:40