Ausnahmezustand wegen rechter Demo

Islamgegner in Düsseldorf

Ausnahmezustand wegen rechter Demo

Von Martin Teigeler

Erstmals gab es Montagabend (08.12.2014) in NRW eine Demonstration der "Patrioten Europas gegen Islamisierung des Abendlandes". Es war eine seltsame Truppe, die da vor dem Düsseldorfer Landtag aufmarschierte. Wenige Meter weiter protestierten zahlreiche Menschen friedlich gegen Rassismus.

Es ist gegen 17.00 Uhr an diesem Montag (08.12.2014), als die ersten Demonstranten unter der Rheinbrücke am Düsseldorfer Landtag Schutz vor dem eiskalten Nieselregen suchen. Es sind linke Studenten, grauhaarige Gewerkschafter und mittelalte Frauen mit bunten Wollmützen. Zwei getrennte Kundgebungen halten sie ab. Flüchtlingshilfe-Gruppen und Antifa-Initiativen machen den Anfang. Sie schalten Musik an und beschallen den Johannes-Rau-Platz neben der alten Staatskanzlei in der Villa Horion mit lauter Reggae-Musik. Eine halbe Stunde später beginnt die Kundgebung der sogenannten bürgerlichen Parteien: SPD, FDP, Grüne, Piraten - am Ende - nach anfänglichem Zögern - auch CDUler. Auch Kirchen und Gewerkschaften haben aufgerufen zu der Demo. Am Ende gehen laut Polizei 750 Menschen auf die Straße für Toleranz und gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit. Nach anderen Schätzungen sind es über 1.000.

Hass gegen Politiker und Presse

Auslöser der Antirassismus-Demo ist der erste Versuch der Gruppierung "Patrioten Europas gegen Islamisierung des Abendlandes" (Pegida), auch in Nordrhein-Westfalen Fuß zu fassen. In Düsseldorf läuft die Demo unter dem lokalen Kürzel "Dügida". Es ist eine sehr gegensätzlich zusammengesetzte Truppe, die da im Regen vor dem Parlament steht - umringt und abgeschirmt von einem insgesamt 1.300 Mann starken Polizei-Aufgebot. Das Regierungsviertel gleicht für einige Stunden einem Sperrgebiet. Erst einmal passiert gar nichts bei "Dügida". Statt der angemeldeten 1.500 bis 2.000 Teilnehmer sind nur rund 400 Personen dem Aufruf gefolgt. Es sind einige junge Männer dabei, die äußerlich dem Standardbild des Neonazis entsprechen: Kahlgeschorener Kopf, Bomber- oder Lederjacke. Ein Redner fordert die Demonstranten auf, nicht mit Journalisten zu sprechen. "Deutsche Presse auf die Fresse" skandieren die zum Teil der Neonazi-Szene angehörenden Demonstranten. Es sind aber auch Damen mittleren Alters im Pelzmantel dabei und auffallend viele ältere Männer.

Polizeipräsident vor Ort

Der Beginn der Kundgebung verzögert sich. Redner fehlen noch, wird via Lautsprecher durchgesagt. Angeblich werden auch noch Ordner gesucht. Düsseldorfs Polizeipräsident Norbert Wesseler steht mit einem Regenschirm vor dem Landtag. Er beobachtet die Lage. Vorsorglich hat er Wasserwerfer in Nebenstraßen abstellen lassen, falls es zu einer Eskalation kommt. Wesselers Chef ist Innenminister Ralf Jäger (SPD). Der Politiker hat frühzeitig seine Sorgen geäußert vor "Dügida", vor "rechtsextremistischen, rechtspopulistischen Strömungen". Offenbar will der Minister nach den brutalen Szenen bei der Hooligan-Demo Ende Oktober in Köln nicht erneut unter Verdacht geraten, die rechte Gefahr unterschätzt zu haben. Bis zum Abend bleibt es in Düsseldorf aber friedlich. Es gibt laut Polizei keine Festnahmen oder Verletzte.

Hooligans sind an diesem Abend auch anwesend in Düsseldorf. Einige Demo-Teilnehmer rufen "Deutschland den Deutschen". Immer wieder johlt die Menge "Wir sind das Volk". Dazu wehen Deutschland-Fahnen. In den Reden wird gegen alles Mögliche gewettert - gegen den Islam, gegen Brüssel, gegen die Politiker, gegen die Medien. Es ist eine aggressiv deutsche Stimmung, die von diesem Menschenauflauf ausgeht. Viele Teilnehmer beschimpfen die Journalisten, die sie beobachten. Still zieht die wütende, durchgenässte Gruppe am Rhein entlang, bevor die Kundgebung erneut am Landtag eintrifft und nach weiteren Reden beendet wird. Eine Sprecherin kündigt zum Schluss an, dass am kommenden Montag (15.12.2014) in Bonn eine weitere Demo stattfinden soll. Die Menge jubelt laut auf. Es klingt wie eine Drohung.

Stand: 08.12.2014, 21:24