Kundgebung für "gerechtere Verteilung"

Kundgebung in Essen - Karnap

Flüchtlinge in Essen

Kundgebung für "gerechtere Verteilung"

Nach dem Zoff in der Essener SPD um die Unterbringung von Flüchtlingen im Norden der Stadt hat die Bürgerinitiative "Carnaper Originale" eine Kundgebung organisiert. Lautstarke rechtsextreme Parolen blieben aus.

Eine Sorge hat sich immerhin nicht bestätigt: Laute Parolen von Rechtsextremen oder extremen Linken blieben aus, als in Essen-Karnap am Sonntag (14.02.2016) rund 500 Menschen auf die Straße gingen. Ihr Anliegen: Protest gegen die - aus ihrer Sicht - ungerechte Verteilung von Flüchtlingen. Der Essener Norden, so die Ansicht der Bürgerinitiative "Carnaper Originale", leide eh unter hoher Arbeitslosigkeit und werde nun durch den Zuzug von Flüchtlingen erneut über Gebühr belastet. "Wir sind weder links noch rechts. Wir sind ganz normale, besorgte Bürger", betont Wolfgang Sonnet von der Bürgerinitiative. Bisher hätten es die Karnaper immer geschafft, Menschen aller Nationalitäten zu integrieren. "Aber die Anzahl der Flüchtlinge, die uns jetzt zugewiesen werden, das sind einfach zu viele", meint er.

Kritik, weil es keinen Plan zur Integration gebe

Kundgebung in Essen - Karnap

Wie kann Integration gelingen?

Zu der Initiative gehören auch einige SPD-Mitglieder - obwohl man die Forderungen nicht auf den ersten Blick einer sozialdemokratischen Grundhaltung zuschreiben würde: Keine Flüchtlinge mehr in den Essener Norden. Es gebe nicht genügend Kitaplätze und Klassen an den Schulen. Die Ehrenamtler seien "am Ende ihrer Kräfte" und teilweise einfach überfordert, betont SPD-Ratsherr Guido Reil. "Die Politik hat keinen Plan, wie die Menschen integriert werden sollen", so lautet das Fazit der meisten Teilnehmer.

Ein weiteres Zeltdorf für rund 1.500 Flüchtlinge ist geplant, wieder im Essener Norden. "Die Menschen sind eingepfercht, ohne Perspektive", kritisieren die Protestierenden. "Bei uns in der Bürgerinitiative sind verschiedene Nationalitäten", sagt auch Tanja Van de Wardt von den "Carnaper Originalen". Türken, Iraker und Polen seien dabei, doch auch sie machen sich Sorgen, wie die Integration der vielen Menschen gelingen soll in einem Lager, "so wie jetzt von der Stadtverwaltung geplant".

Streit in der Essener SPD

Im Vorfeld der Kundgebung hatte es Streit auch innerhalb der Essener SPD gegeben. Ende Januar war eine Demonstration der SPD-Ortsvereine im Essener Norden abgesagt worden, weil die SPD-Oberen der Ruhrgebietsstadt befürchteten, dass so eine Veranstaltung Anhänger von AfD, Pegida und NPD anlocken könnte. Diese Befürchtung scheint sich nach der Kundgebung vom Sonntag nicht bewahrheitet zu haben.

Stand: 14.02.2016, 15:59