Brexit, Klimakrise, Erdogan: Soll Deutschland jetzt die Welt retten?

Brexit, Klimakrise, Erdogan: Soll Deutschland jetzt die Welt retten?

Die Eilmeldungen haben sich in den vergangenen Tagen überschlagen: In Großbritannien herrscht nach den Wahlen erst einmal Chaos: Es ist völlig unklar, wie es eine Regierungsmehrheit geben soll - und wer mit der EU den Brexit verhandelt. US-Präsident Donald Trump will aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen. Und die deutsch-türkische Krise schwelt ebenfalls weiter: Außenminister Gabriel konnte nach einem Treffen mit seinem türkischen Kollegen nur noch verkünden, dass die deutschen Soldaten aus dem türkischen Incirlik abgezogen werden.

Größere Verantwortung in der Welt?

Europas Zukunft ungewiss, der Klimavertrag geschwächt, die liberale Demokratie unter Druck. In dieser unübersichtlichen Weltlage, in der alte Allianzen in Frage stehen und sich immer neue Krisen entwickeln, wird der Ruf nach einer stärkeren Führungsrolle Deutschlands lauter. Das Land solle seinen Einfluss nutzen und mehr Verantwortung übernehmen. Auch die Mehrheit der Deutschen stimmt dem laut einer Befragung von Infratest dimap zu. 62 Prozent finden ein stärkeres Engagement Deutschlands bei internationalen Krisen grundsätzlich richtig. Noch mehr, nämlich 80 Prozent der Deutschen, meinen, dass die EU gemeinsam eine größere Verantwortung in der Welt übernehmen sollte.

Aber welche neue Führungsrolle soll - und kann - Deutschland überhaupt einnehmen: eine ökonomische, eine politische, eine militärische? Wie sollte diese neue Rolle konkret aussehen – und zu was ist das Land überhaupt realistisch in der Lage? Sollte Deutschland sich stärker an militärischen Interventionen beteiligen? Oder sollte es eher seinen Einfluss nutzen, um die EU zu stärken?

Stand: 09.06.2017, 15:31