Zurück ins Meer!

Georg Restle am 12.11.2015

Zurück ins Meer!

Von Georg Restle

Schweden macht dicht, Deutschland macht dicht. Slowenien packt den Stacheldraht aus. Europas Regierungen demonstrieren Härte, der Flüchtlingstross nach Europa wird ab sofort rückabgewickelt. Dies ist die traurige Bilanz der letzten Tage: Aus Angst vor dem Volkszorn wird jetzt mit Parolen Politik gemacht, die in ihrem martialischen Eifer die Hilflosigkeit der politischen Akteure nur verdeckt – oder glaubt irgendjemand ernsthaft daran, dass Menschen, die alles verloren haben, ab morgen im Nichts verharren? Zurückkehren in die Dürftigkeit ihrer Flüchtlingslager oder in die Trümmer ihrer Behausungen?

Stacheldraht auf EU Fahne

Europas Regierungen demonstrieren Härte

Die Logik der regierungsamtlichen Scharfmacher ist am Ende menschenverachtend. Sie versucht dem Leid von Krieg und Verfolgung ein noch größeres Elend gegenüberzustellen: Das Elend einer Flucht, die an den Felsen der europäischen Küsten zerschellt. Der Tod im Mittelmeer wird wieder Kalkül, als Alternative bleiben die Folterknäste Nordafrikas, finanziert mit Mitteln der EU, wie gerade in Valletta beschlossen.

Der große Irrtum dieser Politik wird sich in den nächsten Jahren noch bitter rächen. Wer meint, mit „Willkommenskultur“ sei nur ein gut gemeintes Kaffeekränzchen gemeint, verkennt, dass Integration eine Überlebensaufgabe ist - für dieses Land und für diesen Kontinent. Dies sollte allen klar sein: Eine Politik, die sich auf Abschottung fixiert und Millionen Zuwanderer zu Illegalen erklärt, kreiert damit zermürbende Verteilungskämpfe, die diese Gesellschaft zutiefst spalten werden. Sie schafft Armut, Gewalt und Extremismus – nicht irgendwo da draußen in der Welt, sondern mitten unter uns.

Stand: 12.11.2015, 16:30

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8 Kommentare

Neuester Kommentar von "Christiane Schmidt", 09.01.2016, 16:09 Uhr:

Wenn nicht über Jahre hinweg die Aufgaben der Ausländerbehörden wie Waisenkinder behandelt worden wären, wäre bereits vor Beginn der Flüchtlingswelle ein Erstaufnahmeverfahren entwickelt worden, welches den derzeitigen Erfordernissen hätte Stand halten können bzw. müssen. So werden die nach etlichen Sparmaßnahmen übrig gebliebenen Mitarbeiter der Situation nicht Herr. Abgesehen davon hätte ein 24-Stundendienst eingerichtet werden müssen und das 7 Tage die Woche, dann müssten die Menschen nicht unter härtesten Bedingungen Ihre Registrierung abwarten und in menschenunwürdigen Lagern hausen. Dann könnten auch Aussagen getroffen werden, wieviele Flüchtlinge bereits im Land wären und wo und der Bevölkerung ein Gefühl der Sicherheit gegeben werden. Aber wenn unter normalen Umständen ein Asylantrag erst nach Monaten beschieden wurde, wie lange soll es denn jetzt erst dauern, wo sich die Zahlen vervielfacht haben. Die Bevölkerung ist doch nur deshalb beunruhigt, weil bürgernahe Polit ...

Kommentar von "Miriam S", 20.11.2015, 14:44 Uhr:

ein Nachtrag an Renate E: Sind Sie nicht informiert darüber, dass man auch im Forum seine Meinung schreiben kann? meine finden Sie i. w. dort

Kommentar von "Miriam S", 20.11.2015, 14:36 Uhr:

@ Renate E: erst zielen dann abschießen; sie sollten erst meine Statements wirklich LESEN , vor allem mein Zitat des Staatsrechtlers Schachtschneider zur Begriffsklärung, dann wüssten Sie, dass Ihr Statement eine schlichte Unterstellung ist. aber Sie machen es sich eben "ein bisschen einfach"er und schießen gleich drauf los

Kommentar von "Otto Normalo", 19.11.2015, 23:02 Uhr:

Warum so polemisch? Diese Flüchtlinge sollen nicht ins Meer, sondern einfach in die Herkunftsländer zurück. Denn dort gibt es auch Regierungen, die zuallererst die Aufgabe haben, sich zu kümmern. Wie weit soll denn diese deutsche Gutmütigkeit gehen, bis zur Selbstaufgabe, denn die Naivität ist längst überschritten? Wenn es wirklich meine Nachbarvölker wären, dann hätte ich Verständnis, dass wir uns kümmern MÜSSEN. Aber es sind Menschen anderer Kontinente, anderer Kulturkreise. Die haben durchaus Chancen, im eigenen Kulturkreis neu anzufangen. Die kommen nur wegen der guten Sozialleistungen nach Europa, vorrangig Deutschland und nicht, weil die uns gut finden!

Kommentar von "Renate E.", 19.11.2015, 22:34 Uhr:

Miriam S.: Es sollen also Ihrer Meinung alle Syrer in Deutschland angesiedelt werden? Machen Sie es sich nicht etwas zu einfach mit allen Sozialromantikern bei Politik und Medien? Denn in Syrien ist nicht mehr überall Krieg, da könnte ein Teil der in den Lagern Befindlichen bereits zurück kehren. Doch es ist immer besser, in Untätigkeit zu verharren. Oder gleich ins gelobte Land Deutschland ausreisen, wo es Geld auch ohne Arbeit geben wird. Unbegrenzt. Und unsere Söhne werden nach Syrien geschickt, während sich deren Männer hier mit dem Smartphone beschäftigen, bis die Daueralimentierung genehmigt ist.

Kommentar von "Stromgegner", 17.11.2015, 22:39 Uhr:

Herr Restle, wenn Ihre Großeltern oder Urgroßeltern nicht in Deutschland geblieben wären mit allen Überlebenden dieses schrecklichen Krieges, hätte es da einen so großartigen Wiederaufbau gegeben? Vielleicht hätten die auch lieber das Weite gesucht, hatten jedoch keine Wahl. So schrecklich es war, es kam so zu einem Neubeginn, trotz Hunger, Trauer, Verzweiflung und Armut! Warum sollten Ihrer Meinung nach nun die verbliebenen Syrer ins Asyl gehen können, so ungefähr 15 Millionen nach Deutschland? Soll das Land als Trümmerwüste zurück bleiben, wenn es als Kriegsschauplatz ausgedient hat, sowie natürlich auch noch die Kämpfer nachkommen, da ja alle ihre Familien schon hier sind, facto zur Kur? Machen Sie sich das nicht etwas sehr einfach? Man muss bedenken, dass Syrien selbst mit viel Phantasie kein Nachbarland Deutschlands ist. Nicht mal annähernd die gleiche Kultur hat - warum sollen ausgerechnet wir uns da als Dauerkurheim der syrischen Bevölkerung zur Verfügung stellen? Zudem wi ...

Kommentar von "Trolljäger", 17.11.2015, 22:17 Uhr:

Was für eine polemische Überschrift! Wer verlangt denn dies? In die Herkunftsländer wäre wohl Ihrer gutmenschlich überzogenen Art nicht durchschlagend genug gewesen, aber ich finde, angebrachter und ehrlicher!

Kommentar von "Miriam S", 17.11.2015, 20:04 Uhr:

"Der Tod im Mittelmeer wird wieder Kalkül, als Alternative bleiben die Folterknäste Nordafrikas, finanziert mit Mitteln der EU, wie gerade in Valletta beschlossen." er war es von Anfang an und blieb es; die Folterknäste waren in Libyen schon unter Gaddafis Herrschaft massiv von der EU gestützt und finanziert. Gaddafi war Sarkosys intimer Freund ! er durfte mitten in Paris sein Beduinen-Zelt aufschlagen... alle jetzt gezeigten Beteuerungen der Solidarität einerseits, der Willkommenskultur andrerseits verfliegen in Windeseile bis die nächste Katastrophe geschieht und die chaotischen "Probierbewegungen der PolitKrake" von neuem in Bewegung kommen.