Wer ist hier der eigentliche Terrorist?

Georg Restle am 20.03.2017

Wer ist hier der eigentliche Terrorist?

Von Georg Restle

Da schäumen der türkische Präsident und seine Anhänger vor Wut, weil Zehntausende Kurden in Deutschland friedlich für ihre Rechte demonstrieren und ein paar Wenige das Bild des PKK-Führers Öcalan mit sich tragen.

Unterstützung einer Terrororganisation, lautet der Vorwurf an die Bundesregierung. Die Frage ist nur: Wer ist hier eigentlich der Terrorist?

Der Führer der PKK, der seit 18 Jahren streng bewacht in einem türkischen Knast gefangen gehalten wird - oder der Präsident der Türkei, der Zehntausende Oppositionelle verfolgen und inhaftieren lässt, darunter auch die Parlamentarier der prokurdischen Partei HDP?

Wer ist hier der eigentliche Terrorist? Der Mann, der schon vor Jahren einen Waffenstillstand und ein Ende des PKK-Terrors verkündet hatte - oder der türkische Präsident, der in den kurdischen Gebieten der Türkei einen mörderischen Krieg führen lässt, ohne Rücksicht auf Zivilisten?

Laut einem UN-Bericht wurden seit Juli 2015 über 350.000 Menschen von der türkischen Armee aus ihren Siedlungen vertrieben, viele ihrer Häuser systematisch zerstört. Tausende wurden demnach getötet, Frauen gefoltert und vergewaltigt.

Wer also ist hier der eigentliche Terrorist?

Nein, die PKK ist ganz sicher keine Organisation, die man blauäugig zu Friedensengeln erklären sollte. Dafür hat sie viel zu viel Blut an ihren Händen.

Aber längst schon geht es nicht mehr nur noch um die PKK, sondern um die gesamte Opposition in der Türkei. Ob Lehrer, Politiker oder Journalisten wie Deniz Yücel: Alle stehen sie unter Terrorismusverdacht - und das nur, weil sie der Abschaffung der Demokratie in der Türkei nicht schweigend zuschauen wollen.

Deshalb sollte die Bundesregierung endlich damit aufhören, sich von der türkischen Regierung diktieren zu lassen, wer hier in Deutschland als Terrorist zu gelten hat. Ansonsten macht sie sich zum geistigen Mittäter eines Regimes, das zur Durchsetzung seiner alleinigen Macht auch über Leichen geht.

Stand: 20.03.2017, 22:30

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38 Kommentare

Neuester Kommentar von "Free Kurdistan", 28.04.2017, 12:34 Uhr:

Für mich war die PKK nie eine terroristische Vereinung. Sie wurde wenn überhaupt dazu gemacht. Die Kurden sind ein unterdrücktes und terrorisiertes (das nennt dann "militärisches Vorgehen"...) Volk und bräuchten unser aller Unterstützung, anstatt Ihnen den Status "Terroristen" anzudichten.

Kommentar von "Isnogud", 01.04.2017, 13:13 Uhr:

Interessant ist ja das die Fahnen mit dem Bild von Öcalan erst Anfang März von unserem lieben Innenminister verboten wurde, ein Schelm der böses dabei denkt. Da hatte doch sicher die türkische Regierung ihre Finger im Spiel. Aber natürlich sind alle Kurden und PKK Sympathiesanten und Erdogankritiker usw, Terroristen. Das sagt zumindest Erdogan und der muß es ja wissen.

Kommentar von "Markus", 30.03.2017, 09:52 Uhr:

Der wiederholte Bückling Kanzlerin Merkels vor kriegsgeilen Irren und vor Antidemokraten, damals vor US-Präsident Bush Jr. mit seinem völkerrechtswidrigen Angrifsskrieg gegen den Irak mit hundertausenden Toten und noch mehr Sanktionstoten, vor dem islamistischen Kopf-ab-Regime Saudi-Arabiens, heute vor dem Islamisten Erdogan, ist absolut inakzeptabel und unwürdig für eine Regierungschefin! "Deeskalation" ist gerade dabei kontraproduktiv, es bedürfte vielmehr das Klarmachen von roten Linien, die alle vom türkischen Regierungs-Regime überschritten worden sind. Auch die EU (-Kommission) versagt hier völlig. Doppelpass: jetzt, im Bundestagswahljahr, fällt der CDU/CSU plötzlich auf, wie wenig hilfreich der Doppelpass ist, weil so aktive Unterstützer Erdogans und seines Regimes deutsche Staatsbürger werden konnten. Glaubwürdig ist diese plötzliche Erkenntnis nicht.

Kommentar von "Berechtigte Kritik an Bundesregierung", 27.03.2017, 12:57 Uhr:

Man kann nicht Beides haben, entweder sind die PKK Terroristen, dann hat man sie als Solche zu behandeln und darf ihre Symphatisanten nicht öffentlich demonstrieren lassen, ODER man hebt diesen Terrorismus-Status gegenüber der PKK auf, - Beides geht nicht ! Solange die Bundesregierung zwischen zwei Stühlen sitz wird sie regelmässig auf ihren Allerwertesten plumpsen.

Kommentar von "Friedlich Leben", 25.03.2017, 20:34 Uhr:

Anstatt sich in die inneren Angelegeheiten der Türkei einzumischen und versuchen das türkische Referendum zum eigenen Nutzen zu beeinflussen sollten sich unsere Politiker und deren meinungsmachende Journalisten dringend neutral verhalten. Wahlbeeinflussung fängt bei der Behinderung der Wahlberechtigten, um an Informationen zu kommen, an. In einer Demokratie hat jeder Wahlberechtigte hat das Recht sich von Politiker über den Sinn eines anstehenden Referendum informieren zu lassen. Wer die Informanten an ihren Auftritten behindert, der verhält sich wahlmanipulierend und undemokratisch. Immer wieder ein in sich vergleichbares schäbiges Theater, welches unsere derzeitigen Politiker und Journalisten spielen. Täglich werden wir Bürger mit Hetze gegen Putin, gegen Erdogan, gegen Trump, gegen Urban usw. meinungsmanipulierend berieselt. Wann werden sich unsere Politiker endlich bewusst dass sie im Unrecht sind. Man sollte nicht anderen ein mangelhaftes Demokratieverständnis vorwerfe ...

Kommentar von "Michael", 25.03.2017, 18:00 Uhr:

Hallo. Die letzten Worte ihrer Ausführung finde ich sehr treffend. USA,Deutschland, Großbritannien....... ja und die Türken. Bei denen darf man sich so eine Aussage noch erlauben...... Nur Mut, Herr Restle!

Kommentar von "Friedlich Leben", 24.03.2017, 15:07 Uhr:

Eigentlich ist es unverständlich dass sich so viele Politiker und Journalisten aufregen dass sich die bisherige semipräsidiale Regierung in der Türkei ein Präsidialsystem wünscht. Zumal dieser Akt in Form eines Volksentscheides geschehen soll. Warum haben unsere Politiker nicht schon seit Jahren ein Unbehagen darüber gespürt dass es zum Beispiel in den USA und vielen anderen Staaten der Erde ein Präsidialsysteme gibt. Auch in der EU gibt es zum Beispiel in Frankreich ein Präsidialsystem, ein Semipräsidialsystem, welches vergleichbar mit der bisherigen Staatsform in der Türkei identisch ist. Russland wird immer wieder vorgeworfen dass es die letzte Wahl in den USA in seinem Sinne beeinflusst hätte. Was ist mit unsereren Eliten? Für das anstehende Referendum in der Türkei werden doch von unseren Politikern und Journalisten alle Register gezogen um das Referendum zu Gunsten der Ideen unserer Politiker zu beeinflussen. Für unsere Politiker wie Journalisten scheint doch die Welt zus ...

Kommentar von "Kurdo an Miriam S .", 24.03.2017, 13:20 Uhr:

vielen dank miriam s. ...für die ergänzung dass der westen ebenso viel blut ( sogar mehr )an den händen trägt...diese sind ja mitverantwortlich für terrorismus. siehe deutsches unternehmen RHEINMETALL die nur profit schlagen möchte, aktuell dort in der Türkei Panzer bauen möchte, aus erdogans staatsterrorismus ...und dann schreiben einige dummschwätzer hier auch noch dass einem nichts angeht was dort passiert ...ja klar milliarden deals mit dem diktator einfädeln ( bundeswirtschaftsministerium ) und sich schön auf dem sofa hinsetzen und ein bierchen trinken ...den reichtum und wohlstand hier durch verkauf der panzer an den terrorstaat türkei finanzieren... während tausende ämter durch fehlplanungen und bürokratie geld verbrennen muss mann das geld ja wieder reinholen nicht wahr ihr 3er sofa dummschwätzer ...?

Kommentar von "Azad Roni", 24.03.2017, 13:17 Uhr:

Herr Georg Restle, hat sehr Gut Kommentiert, das ist auch meine Meinung. Dankeschön Herr Rastle!..

Kommentar von "M. jarahian", 24.03.2017, 13:06 Uhr:

Viele Türken und ihre Staatspräsident Erdogan behaupten, dass sie von Terror betroffen sind. Dabei vergessen sie oft, dass die türkische Regierung in Koalition mit Saudi-Arabien und einige andere internationale geheime Unterstutzer zusammen in syrien die vorgehen von IS Terror und der radikal islamische Kräfte in Syrien gegeh die Kurden unterstutzt haben. Es waren die Türken, die im Auseinandersetzung ziwschen den Kurden und IS, klar gegen die kurden und für IS und alnosra position bezogen haben und militärisch und politisch gegen kurden agiert haben. Dabei die Kurden waren als einzige ernstzunehmende Kraft gegen IS und die radikal islamische Kräfte in Syrien. Die türken nennen das natürlich Außenpolitik, dabei war es das Staats-Terror erster Ranges. Dazu war es die türkische Staatspräsident Erdogan selber, dass die Friedensabkommen mit der PKK torpediert und aufgekundigt hat oder mindestens darauf gewartet, dass die PKK eine Fehler macht um die ganze abkommen zu kippen. Der Grun ...

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