Wie erinnern an den Holocaust?

Georg Restle am 26.01.2017

Wie erinnern an den Holocaust?

Von Georg Restle

Tausende Schuhe von ermordeten Frauen, Männern und Kindern. Bläulich verfärbte Gaskammern, und ein Berg aus Erde und Asche – das sind meine Bilder von Majdanek, einem der schlimmsten ehemaligen Vernichtungslager des NS-Regimes.

Ich war 17 Jahre alt, als sich diese Bilder bei mir eingeprägt haben. Bilder, die ich seitdem nicht mehr losgeworden bin.

Drei Wochen war ich damals dort. Drei Wochen Erinnerungsarbeit, Schuhe putzen und konservieren – und jeder Schuh stand für einen Menschen, der in Majdanek ermordet wurde. Diese drei Wochen haben mein Leben verändert, meinen Blick auf die Menschen und auf dieses Land. Und sie haben einen Gedanken tief in mein Herz gepflanzt: Dass die Erinnerung an dieses Verbrechen niemals enden darf.

Bis heute bin ich überzeugt davon, dass es diese Art von Erinnerung ist, die Spuren hinterlässt. Eine unmittelbare Begegnung jenseits von Ritualen. Eine lebendige Erinnerungskultur, die aus Vielen, die sich auf eine solche Reise begeben –auch davon bin ich überzeugt - bessere Menschen macht.

Dass eine Partei wie die AfD in Baden-Württemberg jetzt Reisen von Kindern und Jugendlichen in solche Gedenkstätten einschränken will, weil hier kein positives Bild von Deutschland vermittelt werde. Dass sie Fördermittel für eine NS-Gedenkstätte im Ausland streichen will, weil dies nicht zu den „Kernaufgaben“ eines Landes gehöre. All das zeigt: Diese Partei will, dass die Erinnerung an das schlimmste Kapitel der deutschen Geschichte in unseren Köpfen verblasst.

Man mag über die AfD denken, was man will. Man kann ihre Vorstellungen zur Flüchtlingspolitik gut oder schlecht finden. Aber eine Partei, die für eine solche Politik steht und die einen Mann in ihrer Führungsriege duldet, der die Erinnerung an den Holocaust als lästig und lächerlich empfindet. Eine solche Partei darf in diesem Land keinen Erfolg haben. Das sind wir – jeder einzelne von uns - den Millionen Ermordeten von Auschwitz oder Treblinka, von Sobibor oder Majdanek schuldig.

Stand: 26.01.2017, 21:30

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42 Kommentare

Neuester Kommentar von "B", 08.06.2017, 10:57 Uhr:

Dieses Thema zur Diskussion zu stellen das ist ungehörig. In diesem Thema darf nicht diskutiert werden da es nur Meinungen und Antworten geben darf welche den Geboten unseres Staates entsprechen und in jedem Schulbuch nachzulesen sind. Lebten wir heute in der DDR und gäbe es noch die Stasi so wäre es vermutlich für fast jeden Bürger ersichtlich warum trotzdem hin und wieder solche Themen in Foren und Blogs zur Diskussion gestellt werden.

Kommentar von "Peter Ziegler", 23.05.2017, 08:26 Uhr:

Sehr geehrter Herr Restle, natürlich ist das ein Imperativ, diese scheuslichen Verbrechen aufzuarbeiten und NIEMALS zu vergessen! ABER: Es gibt noch "lebende" Menschen, die kämpfen immer noch um Ihr Recht was ihnen seit dem 2. Golfkrieg zusteht. Dieses Recht hat mir die Regierung der BRD der Jahre 2000 - 2003 (Schröder und AM Fischer) widerrechtlich gestohlen! Hunderte von Firmen in Deutschland wurden einfach um Ihren Schadensersatz-Anspruch betrogen !! nur damit Deutschland schon wieder in der Welt gut dealen konnte (UN-Sicherheits-Rat-Posten eingeschlossen!) UND : KEIN JOURNALIST - BIS HEUTE - GETRAUT SICH DIESE VERBRECHEN AUFZUKLÄREN - NUR, weil ich noch "lebe"??? KENNEN SIE EINEN ? Ich bin kein whistleblower ! ich habe als Kind gepfiffen - als wir im Wald unterwegswaren und wir Angst bekamen ! Grüße TAC Germany Peter Ziegler Rothenburg, 22.05.2017

Kommentar von "Miriam S", 07.05.2017, 18:29 Uhr:

noch eine Anmerkung zum Thema Israel und Gedenken an die Opfer des Holocaust man pocht auf die Einmaligkeit dieses furchtbaren Ereignisses in Israel und geht dann hin und lernt daraus wie es Rabin auf den Eroberungszügen ausdrückte, als er die grausamen Massaker an der einheimischen Bevölkerung sah... man treibt es weiter auf die Spitze: heute wurde bekannt, dass der arabischen Minderheit in Israel Ihre Sprache verboten wird: sie gilt nicht mehr in der Öffentlichkeit...Anfang weiteren Entzugs von Menschenrechten... Vertreibung ist nur erste Stufe des Genocids.

Kommentar von "MiriamS", 27.04.2017, 14:31 Uhr:

nur eine Anmerkung: Netanjahus Luftwaffe fliegt Angriffe gegen Damaskus...Hat Syrien etwa Israel angegriffen ? Wozu also dieser erneute VÖLKERRRECHTSBRUCH, Herr Netanjahu? Sie sind wie in vielen Staaten ein kriegstreiberischer DESPOT

Kommentar von "Miriam S", 25.04.2017, 17:43 Uhr:

sorry, hatte wohl etwas mit der Intelligenzfrage, die zur Identifizierung gestellt wird: der " Heilige" Nikolaus wurde nicht akzeptiert, gefragt war nach dem Nikolaus , das Programm hats nicht mit den Heiligen...und das ist mir auch sympathischer , im Ernst: Dank an den Moderator und bitte um Verzeihung für meine Ungeduld Miriam

Kommentar von "Miriam S", 24.04.2017, 15:07 Uhr:

"Der Bericht dokumentiert die Gewalt und Misshandlungen, denen alle Häftlinge ausgesetzt sind. So starben 210 palästinensische Inhaftierte in Folge der Bedingungen, fehlender medizinischer Versorgung und Gewalt. Erst im Februar erlag Muhammad al-Jallad seiner Schussverletzung, die er Monate zuvor durch israelische Besatzungstruppen erlitt. "Jeden Tag sind palästinensische Gefangene an jeglicher Form der quälenden Vernehmungen, nächtlichen Überfällen, der Einzelhaft und den unerbittlichen Angriffen auf ihre Rechte durch die israelischen Besatzungstruppen ausgesetzt. Diese Angriffe werden noch durch internationale und gemeinsame Komplizenschaften unterstützt und gefördert," heißt es in einer Erklärung der NGO Addameer vor rund einem Monat." aus einer Doku , veröffentlicht von der Vertretung Palästinas in Berlin. enttäuschend, dass man an diese Opfer hier offenbar nicht erinnern darf sondern der Beitrag gelöscht wird! neuer Versuch

Kommentar von "Miriam S", 24.04.2017, 14:53 Uhr:

Beides gehört zusammen: Erinnern an die Opfer im Holocaust, aber auch - so glaube ich - an die Opfer unter den Palästinensern , deren Leben sich vollständig änderte als Israel auf ihrem Land gegründet wurde:, sie wurden Opfer Israels ... denn die Landnahme ging mit Massakern furchtbarer Form vor sich...noch heute warten in israelischen Gefängnissen 6000 Gefangene auf ihre Freilassung oder zumindest auf ein faires Gerichtsverfahren: Derzeit befinden sich noch immer rund 6.500 Palästinenser in israelischer Haft. Unter ihnen sind 57 Frauen und 300 Kinder. Unter den momentan Inhaftierten sind auch 13 Mitglieder des Palästinensischen Legislativrates, darunter auch Sameera al-Halayqah. Das älteste Mitglied ist Marwan Barghouti. Er wurde 2002 festgenommen zu fünfmal lebenslänglich verurteilt. Seitdem ist er in israelischer Haft.

Kommentar von "Miriam S", 19.03.2017, 20:37 Uhr:

Erinnerung: zwei Chansons von J.J. Goldmann "Comme toi" und "né en 17 à Leidenstadt" ohne Kommentar

Kommentar von "abcd", 03.03.2017, 18:14 Uhr:

tztztz...Auf Helgoland scheint man eingeschlafen zu sein, denn hier ist die Rede von Erinnerungskultur, oder ?

Kommentar von "Helgoland", 02.03.2017, 19:34 Uhr:

Sorry - aber seid Ihr eingeschlafen? Weil ihr immer noch das Thema Abschiebung auf dem Bildschirm habt! Eine Bitte: Wenn das noch lange so anhält, wacht ja nicht in der Diktatur auf!

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