„Mehr Verantwortung in der Welt“? – Eine Antwort an den SPIEGEL

Georg Restle am 19.08.2014

„Mehr Verantwortung in der Welt“? – Eine Antwort an den SPIEGEL

Von Georg Restle

Das musste wohl kommen. Der SPIEGEL weist der deutschen Außenpolitik den Weg, fordert „mehr Verantwortung in der Welt“ und weniger Menschlichkeit gleich mit. Wörtlich: „Menschlichkeit ist ein Faktor der Außenpolitik, sollte jedoch nicht entscheidend sein. (…) Im deutschen Interesse ist eine stabile Welt.“

Friedensgespräche in der Villa Borsig, Berlin (v.l. die Außenminister , Laurent Fabius ( Frankreich),  Pavlo Klimkin (Ukraine),  Frank-Walter Steinmeier (Deutschland), Sergei Lavrov ( Rußland)

Friedensgespräche in der Villa Borsig, Berlin (v.l. die Außenminister , Laurent Fabius ( Frankreich), Pavlo Klimkin (Ukraine), Frank-Walter Steinmeier (Deutschland), Sergei Lavrov ( Rußland)

Klingt so provokant wie es meiner Meinung nach falsch ist. Was anderes außer Menschlichkeit sollte das vorrangige Ziel deutscher (Außen-)Politik sein? Nicht als rührseliger Kitsch sondern als humanistisches Postulat: Der Mensch im Zentrum allen Handelns und nicht ein abstrakter Ordnungsbegriff, der sich als seelenlose Hülle über alles stülpen lässt, was als globaler Störfaktor "im deutschen Interesse" (!) definiert wird.

Der SPIEGEL segelt im Fahrwasser des steinmeierschen Paradigmenwechsels – und treibt dabei ab in außenpolitische Untiefen, die mehr sind als reine Rhetorik. Wer sich von Menschlichkeit als DER Leitidee für politisches Handeln verabschiedet, wie hätte der in Ruanda für eine Intervention plädieren können? Zynisch gesprochen kann auch ein Völkermord mehr Stabilität schaffen; die perverse Idee „ethnischer Säuberungen“ zielt sogar darauf ab. Vor allem aber: Wer Menschlichkeit nur noch zu einem „Faktor“ unter anderem erklärt, verabschiedet sich damit auch vom Primat einer friedlichen Konfliktlösung, weil sich das Friedfertige vom Menschlichen eben nicht lösen lässt.

Militärische Lösungsszenarien müssen aber stets ultima ratio bleiben, soll Außenpolitik nicht zu einem weltpolizeilichen Instrumentarium degenerieren, in dem allgemeine Stabilitätserwägungen zur Generalklausel für deutsche Waffengänge werden. Um dabei nicht missverstanden zu werden: Es geht nicht um humanitäre Interventionen á la George W. Sondern um einen möglichst engen Erlaubniskorridor für militärisches Eingreifen. In dem nicht das außenpolitische Gewicht des Handelnden oder ordnungspolitische Erwägungen entscheidend sind, sondern die Not der Menschen und die Verhältnismäßigkeit der Mittel. In diesem Sinne hieße mehr Verantwortung dann vor allem: Mehr Zurückhaltung!

Georg Restle

Stand: 19.08.2014, 10:30

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29 Kommentare

Neuester Kommentar von "Friedlich Leben", 19.08.2017, 15:51 Uhr:

Politiker sowie Journalisten welche darauf drängen dass unser kleines Deutschland mehr Verantwortung in der Welt trägt, sollen zuerst einmal Verantwortung für ihre eigene fehlerhafte Politik übernehmen. Jeder Mensch trägt nur für sein eigenes Tun Verantwortung und nicht für das Handeln anderer Menschen. Warum sollen die Bürger unseres Landes Verantwortung für irgendwelche Diktatoren, Monarchen oder überhaupt Politiker anderer Länder übernehmen. Wir Bürger haben eine Eigenverantwortung für unser Handeln, erst recht weil unsere Politiker unter "mehr Verantwortung" verstehen dass wir in Kriege anderer Länder ziehen sollen welche wir in keiner Weise inszeniert haben. Wann verstehen deutsche Politiker endlich dass zu der ersten Aufgabe ihrer Verantwortung zählt unser Land aus Kriege herauszuhalten. Nie wieder soll jemand sagen dass wir ein kriegerisches Volk sind. Wir sind sind es nicht und wollen es nicht sein. Wir wollen im Gegensatz vieler Politiker und Journalisten Frieden.

Kommentar von "Friedlich Leben", 23.06.2017, 11:01 Uhr:

Derzeitig wurde begonnen Jodtabletten für einen atomaren Ernstfall auf Kreisebenen zu lagern. Wann halten sich unsere Politiker endlich aus Kriegen anderer Länder heraus? Durch die Politik von Politikern der NATO-Staaten wurden Kriege hervorgerufen und auch teils selbst begonnen. Die seit Jahren geführte Poitik lässt deutlich einen Willen unserer Politiker für einen atomaren Weltkrieg vermuten. Sei es in der Ukraine, in Syrien und auch vorher begonnene Kriege sowie inszenierte Unruhen wie in Libyen, Afghanistan, Irak, Georgien, Ägypten und so weiter. Diese von vielen unserer Politikern inszenierten "Farbigen Revolutionen" können dazugezählt werden, denn diese mündeten bisher auch immer wieder in Kriege. Wann kommen endlich wieder staatsmännisch, vernünftigere, humanere sowie friedlichere Politiker als derzeitige an die Regierungshebel? Politiker, welche unsere Welt potentiell in ein größeres Unglück stürzen als es die nationalen Sozialisten begannen brauchen wir nicht. Es g ...

Kommentar von "Friedlich Leben", 12.06.2017, 22:41 Uhr:

Unser Land sollte nicht mehr Verantwortung in der Welt übernehmen. Die Politiker und Journalisten welche es fordern sollten sich einen Rucksack packen und selbst in die Kriegsgebiete der Welt ziehen. Eine Rückfahrkarte könnten sie sich sparen denn niemand weiß so genau ob sie gesund zurück kommen. Die Länder welche immer wieder glauben eine Verantwortung in der Welt zu übernehmen, wie die USA, England und Frankreich haben der Welt genug Unheil gebracht, da braucht unser Deutschland nicht auch nicht mitzumischen. Und ich finde dass wir auch nicht immer wieder für das angerichtete Unheil der genannten Länder bezahlten sollten. Es ist doch grotesk, bestimmte Länder der Erde inszenieren zum eigenen Vorteil Unruhen, inszenieren Revolutionen und Regierungsstürze, treiben Länder in Kriege und übernehmen nach der Inszenierng dieser hässlichen Aktivitäten noch nicht einmal die gleiche Anzahl von Kriegsflüchtlinge wie es unser relativ friedliches Land Land macht. Obendrein bekommt unser ...

Kommentar von "Friedlich Leben", 05.06.2017, 21:26 Uhr:

Mit Sicherheit würde es fast allen Menschen der Erde besser gehen wenn die Politiker der Länder sich um die Probleme der eigenen Länder kümmern würden. Die beständigen Einmischungen in innere Angelegenheiten anderer Länder schaffen nur Probleme, auch wenn von Politiker das Einmischen in innere Angelegenheiten anderer Länder als "Mehr Verantwortung übernehmen" bezeichnet wird. Merkwürdigerweise lehnen Politiker ein Einmischen in innere Angelegenheiten des eigenen Landes durch Politiker fremder Staaten direkt und meist brüsk ab, jedoch selbst glauben sie ein Recht zu haben sich bei anderen Ländern einzumischen, mehr Verantwortung übernehmen zu müssen. Bei anderen Staaten sehen Politiker und Journalisten immer wieder Völkerrechtsbrüche, eigene Völkerrechtsbrüche scheinen sie nicht zu erkennen. Selbstkritik und Verantwortungsgefühl für ein eigenes Handeln scheint bei den Menschen mit dem Berufszweig Politiker eine sehr minderbegabte Eigenschaft zu sein.

Kommentar von "M.", 05.06.2017, 16:28 Uhr:

Unsere deutschen Politiker sollten mal anstatt "Mehr Verantwortung in der Welt" mehr Verantwirtung für Deutschland übernehmen, dazu haben viele eine Schur abgelegt. Sie sollten endlich mit dieser gegen Russland kriegstreibenden Politik und Hetze aufhören. Sie sollten ihre Volksvertreteraufgaben dahingegend nutzen um eine nachbarschaftliche Freundschaft und Wirtschaftsverbindung mit Russland aufzubauen. Unser Land sollte sich nach diesen verheerenden, vergangenen Kriegen endgültig aus allen Kriegen fernhalten. Es gibt eine große Mehrheit im Land welche keinen Krieg mehr und nicht ihr Leben für eine verfehlte Politik von hochnäsigen Politikern opfern wollen. Das was unser Land am wenigsten braucht ist ein Krieg mit Russland und China. Unsere Politiker drängen durch ihre Aggressionen russische Politiker geradezu sich mit China gegen den Westen zu verbünden; offensichtlich sprechen Zeichen dafür dass das auch in militärischer Hinsicht geschieht. Was würden unsere Politiker sagen w ...

Kommentar von "H.H.", 30.05.2017, 10:16 Uhr:

Der Fakt: Die Ukraine ist kein Bündnispartner der NATO und nicht Mitglied der EU. Die Ukraine hat, inzwischen schon ein paar Jahre wieder eine nach annähernd demokratischer Form gewählte Regierung, wenn wir mal von den wiederholenden Prügeleien in deren Parlament wegsehen (was mich immer wieder an verantwortungslose "Halbstarke" erinnert). Die Regierung in Kiew hat eine Verantwortung für alles was sie tut und nicht unsere, von uns Bürger in Deutschland gewählten Volksvertreter. Erst recht hat unsere Staatsgemeinschaft, haben wir Bürger keine Verantwortungs-Verpflichtung gegenüber dem Handeln von ukrainischen Politikern. Somit haben wir auch für keine politischen Fehler von ukrainischen Politiker "geradezustehen" oder die Verantwortung zu übernehmen. Dieses in meiner Meinung oberflächliche Geschwafel unserer Politiker dass unser Land "mehr Versntwortung in der Wekt übernehmen sollte soll" muss endlich beendet werden; denn mit der Verantwortung ist es in etwa vergleichbar wi ...

Kommentar von "M.", 20.05.2017, 19:35 Uhr:

Unser Land braucht nicht mehr Verantwortung in der Welt, jedenfalls nicht wenn unter mehr Verantwortung in der Welt verstanden wird dass unser Land Kriege gegen andere Staaten führt und/oder dass sich unser Land an Kriege und Revolutionen anderer Länder beteiligt. Seit diese Phrase mit mehr Verantwortung durch unser Land geistert und jeder der sich für wichtig hält diese n Spruch nachplappert, nimmt unser Land an möglichst vielen Kriegen teil. Das ist unvernünftig und gefährdet unser Land. Unsere Politiker ziehen durch solche Handlungen die Kriege in unser Land. Deutschland sollte sich nicht immer nur anderen Ländern wie die USA unterordnen. Deutsche Volksvertreter sollten die Interessen des deutschen Volkes vertreten und nicht die Interessen von Politiker, Wirtschaftsvertreter und Militär anderer Länder.

Kommentar von "Anonym", 23.02.2017, 15:34 Uhr:

Politiker und Journalisten scheinen ihrer Natur aus keine friedfertige Menschen zu sein. Zumindest wird einem der Eindruck erweckt wenn man das geräuschvolle Verhalten derer in den letzten Jahren beobachtet. Liest, sieht oder hört man etwas von diesen beiden Berufszweigen ist es fast ausschließlich aggressiv gegen irgendwelche andere Menschen gerichtet. Ob Libyen, Syrien, Ukraine, China oder Russland, immer wieder wird gehetzt, manipuliert und man spürt eine deutliche Einseitigkeit. Laut einzelner Zeitungen würden sich nun Journalisten einer bestimmten Nachrichtenzeitung eine atomare Aufrüstung Deutschlands wünschen. Es gibt doch derzeitig auf der Welt genügend Kriegskampfplätze. Politiker, welche sich immer wieder militärische Konfrontationen wünschen sollten sich doch mal überlegen sich an bisherig existierenden Kriegen teilzunehmen und nicht daran arbeiten dass zukünftig alle Menschen von einem Krieg überfallen werden. Wer einen Ritt auf der Rasierklinge will, der sollte ...

Kommentar von "Bernd Müller", 22.02.2017, 18:53 Uhr:

Der Außenminister hat recht mit seiner Meinung dass eine Erhöhung der deutschen Militärausgaben sich eventuell zukünftig für unser Land nachteilig auswirken könnten. Über viele Jahrzehnte versuchen unsere Nachbarländer unser Land klein und schwach zu halten. Würde nun unsere Bundeswehr durch höhere Militärausgaben erstarken könnten unsere Nachbarn argwöhnisch werden, ihre nationalistischen Tendenzen würden sich steigern und sie würden propagandischen Duck auf Deutschland ausüben. Zudem, ich vermute mal dass für die Rechnung der zwei Prozent zwischen den Staaten unterschiedliche Formeln genutzt werden. Ich habe so meine Zweifel ob die gesamten Kosten unserer Bundeswehr, auch die Kosten des Afghanistankrieges mit eingerechnet sind. Werden Politiker in Talksendungen danach gefragt weichen sie immer wieder durch Ablenkung des Themas aus.

Kommentar von "Bernd", 19.02.2017, 20:54 Uhr:

Gehört zu "mehr Verantwortung in der Welt übernehmen" auch dass Deutschland atomar aufrüsten soll? Laut Medien wird es von Journalisten einer Zeitung gefordert welche ihren derzeitigen Darstellungen nach stärker der links-grün-68er Ideologie zuzuordnen ist als einer anderen politischen Richtung. Bei den "Links-grün-68ern" scheint von einem gelebten Pazifismus nichts mehr übrig geblieben zu sein. Waren die früheren Einsätze von Aktivisten für Frieden auf der Erde nur Täuschung? Auffällig ist bei den Anhängern dieser politischen Richtung auch dass sie sich fast immer lautstark für kriegerische Auslandseinsätze unserer Bundeswehr einsetzten. Nur unseren Urgroßeltern, Großeltern und Eltern wird immer wieder vorgeworfen dass sie hätten den 2. Weltkrieg zugelassen. Nun, extrem radikal waren die Anhänger der 68er Bewegung immer schon, wenn ich an die Steine werfende Zeit vieler Aktivisten zurückdenke. Ihre heutige friedfertigere Seite scheint wohl doch nur Täuschung zu sein, oder?

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