Der brave Herr Höcke

Georg Restle am 19.10.2015

Der brave Herr Höcke

Von Georg Restle

Was für ein Auftritt – mit Deutschland-Flagge als Ärmelschoner und starrem Blick aufs tausendjährige Reich! Der brave Herr Höcke suchte bei Jauch sein Millionenpublikum und gibt sich am Ende der Lächerlichkeit preis. Das liberale Bürgertum gruselt sich ein bisschen und legt sich dann doch beruhigt schlafen. Also kein Grund zur Aufregung?

Björn Höcke

Björn Höcke mit Deutschland-Flagge bei Günther Jauch

Doch! Denn das Goebbels-Tremolo der Höckeschen Reden in Erfurt oder Magdeburg offenbart: Hier findet ein biederer Gröfatzke seinen gesellschaftlichen Resonanzboden, der zwar der deutschen Sprache nicht mächtig ist, aber das grunzende Gegröle eines Sportpalast-Publikums schon ganz gut drauf hat. Der Sound ist geklaut – und der Geschichtslehrer Höcke dürfte ziemlich genau wissen, wen er da täglich vor dem Spiegel imitiert. Die Verachtung der Parteiendemokratie, das nationalistisch überhöhte Opferpathos; die Hybris, alleine den Willen eines imaginären Volkes zu repräsentieren, die Drohung vor dem Untergang des deutschen Volkes: Alles schon mal dagewesen. Deshalb gilt: Wer den Anfängen wehren will, muss die Höckes dieser Welt in die Schranken weisen. Nicht mit Schaum vor dem Mund, sondern mit der schärfsten Waffe, die eine Demokratie zur Verfügung hat: Mit Argumenten.

Denn dies steht fest: Die Demokratie, der Rechtsstaat, die Republik: Sie sind nicht bedroht durch hundertausende Flüchtlinge, die zu uns kommen. Sondern durch die Brandstifter und Brandleger vom rechten Rand. Sie wollen dieses Land in Aufruhr bringen. Sie wollen, dass Deutschland scheitert. Sie wollen den Nährboden schaffen, auf dem ihre braune Saat aufgeht. Dabei haben sie nichts gelernt aus der größten Katastrophe dieses Landes. Im Gegenteil: Ihre Politik will dieses Land in Trümmern sehen, um daraus politisch Kapital zu schlagen.

Deshalb ist der Aufstand der Demokraten gerade jetzt so wichtig. Ein Aufstand all derer, die die Verfassungswerte dieser Republik verteidigen vor jenen, die wieder von einem „tausendjährigen Reich“ schwafeln, das vor 70 Jahren zurecht untergegangen ist.

Höckes Reden – Goebbels‘ Sound?

Auf den Facebook-Kommentar von MONITOR-Chef Georg Restle zu Björn Höckes Auftritt bei Günther Jauch gab es im Netz tausendfache Reaktionen. Vor allem am Vergleich zum „Goebbels-Tremolo“ seiner Reden in Erfurt und Magdeburg störten sich einige. Wir haben uns mal die Mühe gemacht und die Reden von Björn Höcke mit Reden von Joseph Goebbels verglichen. Urteilen Sie selbst! Quellen: Björn Höcke, Reden in Erfurt und Magdeburg vom September/Oktober 2015; Goebbels-Rede im Bewegtbild vom 10.02.1933, alles andere: Rede im Sportpalast zum „Totalen Krieg“ vom 18.02.1943.

Stand: 19.10.2015, 16:00

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21 Kommentare

Neuester Kommentar von "Nicht aus Dresden", 01.12.2015, 21:50 Uhr:

Schneiden Sie doch, der Einfachheit halber, Alfred Tetzlaff gegen die Aussagen der dunkeldeutschen Wandergesellen im Tal der Ahnungslosen. Wenn man das Affentheater in Dresden mit etwas Abstand betrachtet, dann erscheint es, wie aus dem Nachlass von Wolfgang Menge entnommen. Ich könnt´ sogar `ne Überschrift anbieten: "Deutschland die Geisterrepublik: Im Westen Angst vor Kommunisten, obwohl es dort keine gibt. Im Ost Angst vor Ausländern, obwohl es dort keine gibt." :)

Kommentar von "Stromgegner", 15.11.2015, 12:35 Uhr:

Der brave Herr Lucke hat "mehr Eier", wie jeder gut bestallte Journalist vom Öffentlich-Rechtlichen! Denn da wird nur nachgeplappert, was der Mainstream vorgibt... Über Spanien lacht die Sonne, über Deutschland die ganze Welt.

Kommentar von "Stefan Krefeld", 04.11.2015, 17:50 Uhr:

Von Lucke zu Höcke. Von Gehaltsgruppe C3 nach A14. Aber vielleicht erkennen Sie jetzt, dass der Zauberlehrling in Wirklichkeit nichts von Gruppendynamik versteht. Wie in den 1930ern haben Dummheit und Ignoranz der Rechtskonservativen den Rechtsextremen die Steigbügel gehalten - ohne das erkennen zu wollen.

Kommentar von "Ingo Frey", 01.11.2015, 11:30 Uhr:

Danke liebes Monitor-Team, der Vergleich zwischen Björn Höcke und Joseph Goebbels war wirklich spitze und zeigt welche braune Ideologie dieser Mann vertritt. Ein herzliches Deutschland verrecke Ingo Frey

Kommentar von "Michael Stein", 29.10.2015, 13:34 Uhr:

Ja liebe Monitore, so etwas kommt dann dabei heraus, wenn man den Kontext völlig außer Acht läßt. Da hinkt aber auch jeder Vergleich. Diese schiefen Transfers würde jeder gebildete Geschichtslehrer sofort abwürgen. 6 setzten.

Kommentar von "Gaby", 24.10.2015, 11:29 Uhr:

so sehr mich Zoff Talkrunden i.a. nerven, so richtig fand ich es, den afd Mann einzuladen, damit dieser sich selbst entlarvt! nicht jeder besucht pegida Demos.

Kommentar von "Miriam S", 23.10.2015, 10:29 Uhr:

noch etwas, was mir negativ aufstieß: einer der Experten meinte der Grund für die Angst und Panik in der Bevölkerung vor allem in den Ost-Länder wäre dort zu suchen, dass man nie mit Fremden konfrontiert gewesen sei: ich lernte einmal die DDR hätte ständig Menschen aus ihren "sozialistischen Bruderstaaten" zur Ausbildung vor Ort gehabt: also viele Afrikaner und Vietnamesen...in einer Zeit, in er man in der BRD noch nie solche Fremden sah...

Kommentar von "Miriam S", 23.10.2015, 10:16 Uhr:

"Wollte Jauch das?...." auch Illners Talk Show ließ Ausgewogenheit vermissen: die Einspielung von Höcke bevor die Vorsitzende der AfD auch nur ein Wort sagen konnte , musste man als Unterstellung auffassen für die Frau.Sie dann auffordern zur Distanz von Höcke ist ein Witz. Qui s´excuse, s´accuse ?? Laschet brachte mit seinem lärmenden dazwischenfahren die Situation zum Platzen...Warum merkt Illner auch nicht, dass Laschet die Schuld am Chaos von Merkel abwehrt und den echten Helfern zuschiebt..so von wegen Willkommenskultur und daraus resultierender Einladung...etc...etc...Illner dürfte als Ostdeutsche mehr an Einfühlung für die Sorgen der Mitläufer bei Pegida haben.

Kommentar von "Michael F.", 23.10.2015, 09:04 Uhr:

Die Rhetorik von Herrn Höcke ist der von Goebels schon sehr ähnlich. Als die AfD 2013 durch Herrn Lucke gegründet wurde, war sie noch für einige eine echte Alternative. Herr Lucke stellte den EURO in Frage, der aus meiner Sicht, tatsächlich eher ein Spaltpilz für Europa darstellt - siehe Griechenland. Nur leider hat sich diese Partei in eine falsche Richtung entwickelt, und ist somit meiner Meinung nach nicht mehr wählbar. Schade, denn Alternativen braucht es in diesem Land!

Kommentar von "Thomas", 22.10.2015, 15:00 Uhr:

Schämt ihr euch eigentlich für einen solchen Vergleich, monitor? Schaut mal in den Spiegel ihr Hetzer!

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