50 Jahre Monitor – und jetzt?

Georg Restle am 26.05.2015

50 Jahre Monitor – und jetzt?

Von Georg Restle

50 Jahre – im schnelllebigen Fernsehgeschäft klingt die Zahl schon wie ein paläontologischer Anachronismus: Vor einem halben Jahrhundert glotzte die Republik noch schwarz-weiß. Und alles, was gesendet wurde, war Gesprächsstoff für Millionen. Fernsehgeschichte – und kein Maßstab für heute.

Georg Restle

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Denn heute beherrschen ganz andere Mechanismen das Geschäft: Das Rauschen des Netzes vor allem, das in seiner aberwitzigen Beschleunigung sekündlich rülpst und piept und teilt, was irgendjemand für wichtig erachtet. Wer meint, die neue Unübersichtlichkeit stünde auch für neuen Pluralismus, der täuscht sich allerdings gewaltig. Denn längst schon bestimmen die Algorithmen von Google, Facebook & Co. darüber, was wir wissen und glauben sollen. Und bald werden die globalen Internetgiganten selbst zu Händlern von Informationen, die zuteilen, was sich vermarkten lässt. Relevanz? Gesellschaftlicher Nutzwert? Aufklärung? Schnee von gestern im globalen Info-Markt, in dem nur noch gehört wird, was Masse bringt – Werbebotschaften inklusive. Der schöne Traum von Demokratie und Meinungsvielfalt im Netz – ausgeträumt.

Gegenmodelle? Schwierig! Das öffentlich-rechtliche System: Wund geschossen ausgerechnet von denen, die Pluralismus und Unabhängigkeit fordern – nützliche Idioten wider Willen, die immer noch glauben, die Weiten des Netzes würden der Wahrheit von selbst zum Sieg verhelfen. Unabhängige Netzwerke? Alternativen zu Facebook? Schön wär’s - aber wohl kaum mehr als ein paar Spielwiesen für Überzeugungstäter.

50 Jahre gibt es Monitor. Wer will, dass diese Art von Journalismus weiter lebt, der muss den Kampf aufnehmen. Und erkennen, dass eine Debatte darüber, wie wir uns künftig informieren wollen, nicht nur was für Insider ist. Sondern uns alle angeht.

Stand: 26.05.2015, 20:04

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8 Kommentare

Neuester Kommentar von "Helmut Wrobel", 23.09.2015, 11:59 Uhr:

Sehr geehrter Herr Restle, Sie haben an anderer Stelle das Netz bereits schon einmal schlechter gemacht, als es womöglich ist, so meine Meinung. Sie sprachen an dieser Stelle u.a. darüber, dass man sich an das Netz wenden kann, dieses jedoch nicht zuhört und somit ganz offensichtlich nichts bewirkt. Ich habe u.a. Ihnen gegenüber zum wiederholten Male von einem regelrechtem Skandal in unserem Bundesland berichtet, in dem unsere demokratischen Grundwerte von einigen Politikern mit den Füßen getreten werden. Sie gehen mit keinem Wort auf diesen Skandal ein. Ich bleibe ganz offensichtlich ungehört. Fassen Sie sich doch bitte erst einmal an die eigene Nase, sehr geehrter Herr Restle, bevor Sie andere anprangern. Ich hege in mir die Hoffnung, dass der Bundesgerichtshof bezüglich des Einflusses der Politik auf die öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten weiterhin beschneiden wird.

Kommentar von "CCK", 28.08.2015, 08:54 Uhr:

Es ist höchste Zeit, über die Manipulation unserer Gesellschaft und die uns überall auferlegte Zensur bekannt zu machen. Wir und die nächsten Generationen werden um unser Leben, Bildung und Gesundheit betrogen. Hier mal zum Thema: Medienzensur in der Wissenschaft https://www.youtube.com/watch?v=aNwax-eMbOg

Kommentar von "Medienkritiker", 22.08.2015, 17:56 Uhr:

Nachtrag: Vielleicht sollte ich kurz anführen, wo ich mit meinem laienhaften Wissen (siehe alle "?" unten) Parallelen vom Ukraine-Konflikt zu WW2 sehe: Ukraine-Krise: 1) Rusland "annektiert" die Krim (nachdem evtl. die USA mit der Diplomatin Nuland für Unruhe in der Ukraine sorgten, siehe Obama Video "Obama im CNN-Interview: Wir überraschten Putin mit Deal zum Machttransfer in der Ukraine", Stratfor Video, Nuland-Mitschnitt "Fuck the EU...") 2) Evtl. muss noch ein Versorgungskorridor geschaffen werden. (betrifft demnächst evtl. noch Mariupol)? 3) Für die russische Position kämpfen Separatisten bzw. Soldaten "auf Urlaub". 4) Es wird ein Flugzeug (Flug MH17) abgeschossen. (war auf westlicher Seite evtl. die Radarsignatur eines BUK-Systems aufgefallen? Warum war der Luftkorridor nicht geschlossen? ...) WW2: 1) Zu Deutschland gehört das abgetrennte Ostpreu ...

Kommentar von "Medienkritiker", 22.08.2015, 12:32 Uhr:

Sehr geehrtes Monitor Team, warum wird nicht einmal der Versuch unternommen, zum früheren "langsamen" Qualitätsjournalismus zurückzukehren? Hitzige Wortwechsel a la Plasberg, Anne Will oder Maybritt Illner führen zu nichts im Vgl. zu einem 45 Min. Interview von z.B. ehemals eines Peter Scholl-Latour (rip). Bringen Sie doch mal um 21:45 ein 30 Minuten 4 Augen-Interview mit Herrn Willy Wimmer (ehem. Staatssekretär) zur Ukrainekrise und leiten Sie dieses mit dem Stratfor-Video (Rede von George Friedmann) ein. Ich denke, das könnte interessant werden. Evtl. könnte man dabei auch mögliche Parallelen zum Ausbruch des WW2 diskutieren.

Kommentar von "Lorellay Reggentin", 29.07.2015, 03:16 Uhr:

http://de.wikimannia.org/Jugendamt Sehr geehrte Damen und Herren Ob wohl man in Ihrem Job,weiß darüber was Jugendamt in Wahrheit geworden ist - ist ab und zu notwendig es zu lesen, um nicht zu vergessen und von dem Weg nicht zu weichen.So kann man den armen Kinder - die Erfahrung mit dem Jugendamt gemacht haben, besser helfen,mit all dem Kraft was man sammeln muss. So werden Sie auch mir helfen können und im erste Stelle meinem Sohn der leidet sehr unter den Trennung. MfG Lorellay Reggentin Sehr geehrter Damen und Heeren - Meine frage ist - Was bedenken Sie gegen das Jugendamt zu Unternehmen der Zerstört die ganze Familien und psychisch ruiniert nicht nur Kinder,sondern auch,die Eltern die sich bemühen,ohne einen Einsicht zur gewinnen,um eigene Kinder aus Krallen des Jugendamtes zu holen.Manche Kinder wie auch Eltern,bringen sich dabei um,weil sie nicht in die Lage sind solche psychische Terror des jugendamtes zu ertragen.Was bedenken Sie gegen dieser Maschin ...

Kommentar von "dr. Raimund Cerny", 03.07.2015, 14:11 Uhr:

Interressanter Beitrag gestern über die Visa Vergabe das gleiche wird auch in Narobi gemacht und hier gehts nur um Besuchsvisa est wirds abgeleht dann mit 200€ cash ist man dabei.

Kommentar von "Sabine Jockisch", 07.06.2015, 12:52 Uhr:

Sehr geehrtes Monitor-Team, die Diskussionsrunde zum 50. Geburtstag war interessant, blieb aber auch schnell wieder stecken durch die sehr unterschiedlichen Sichtweisen der Teilnehmer auf das Thema. Die Erkennungsmelodie in Frage zu stellen ist der (Wieder-)Erkennung abträglich. Qualität kann mit einer gut gemachten Melodie Jahrhunderte überstehen... Den Moderator in Frage zu stellen ist auch der Sache wenig dienlich. Die Inhalte sind wichtig, allerdings sollte die Präsentation die Tragweite der Auswirkungen der in den Berichten erfassten Fakten klar hervorheben... Die neue Herangehensweise an journalistische Berichterstattung im TV allerdings ist sehr wichtig zu hinterfragen. In einer sich immer stärker ausdifferenzierenden (Um-)Welt ist Klarheit ein essentieller Aspekt im menschlichen Leben. Die mögliche Fokussierung auf Wesentliches zu vereinfachen scheint mir enorm wichtig. Vor ca. 5 Wochen habe ich an die unterschiedlichsten Doku-Formate e-Mails versandt und darin aufgezeig ...

Kommentar von "Miriam S", 30.05.2015, 11:20 Uhr:

Förderung der Diskussionen hier und vor allem im Forum könnte man erreichen durch Beschleunigung der Veröffentlichung eingetragener Beiträge...und aus selbigen lassen sich vielleicht auch Erkenntnisse ziehen für die Berufs-Journalisten... auch einfache Bürger haben manchmal Erfahrungen gesammelt, die zu wertvollen Ideen führen.