Atomdeal: Gutes Geschäft für Atomkonzerne

Georg Restle am 27.04.2016

Atomdeal: Gutes Geschäft für Atomkonzerne

Von Georg Restle

Jetzt steht es also fest: Rund 23 Milliarden Euro sollen die Atomkonzerne für die Zwischen- und Endlagerung ihres Atommülls überweisen. Genau gerechnet 23,342 Milliarden - und keinen einzigen Cent mehr. Geld für die Endlagerung in Lagern, deren Endlichkeit heute niemand seriös vorhersagen kann.

Atommüllfässer

Eine Endlagerung, deren Endlichkeit niemand seriös vorhersagen kann.

23 Milliarden bei geschätzten realen Kosten von 50 Milliarden oder sogar deutlich mehr - je nachdem, wie man rechnet. Wenn das kein Superdeal für die Konzerne ist; und ein ziemlich mieser für den Steuerzahler, der die Mehrkosten am Ende alleine trägt. Kein Wunder, dass die Börsenkurse für Eon und RWE gleich mal kräftig nach oben schossen - ein deutlicheres Indiz dafür, wer sich heute die Hände reiben kann, gibt es wohl kaum.

Dreist ist allerdings die Reaktion der AKW-Betreiber, die jahrzehntelang Milliardengewinne mit Atomstrom machten und sich heute - wieder einmal - ein gutes Stück aus der Verantwortung stehlen konnten. Der Deal belaste die Konzerne "über ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hinaus". Und außerdem seien "die Zwischen- und Endlagerung in Deutschland operative Aufgabe des Staates, der hierfür auch die politische Verantwortung trägt", heißt es in der heutigen Pressemitteilung von RWE. Als sei die Beteiligung der Atomkonzerne an den Endlagerkosten ein finanzieller Gnadenakt gegenüber den Steuerzahlern. Als seien RWE & Co. nicht die Verursacher des endlos strahlenden Mülls, für dessen Lagerung nach dem Atomgesetz vor allem sie - und nicht der Staat - aufkommen müssten.

Der Deal von heute ist das vorerst letzte Kapitel in der Geschichte der Atomkraft, die jahrzehntelang nach dem immer gleichen Prinzip funktionierte: Die Gewinne privatisieren, die Lasten sozialisieren! Dass an diesem "Kompromiss" auch noch ein Vertreter jener Partei mitgemacht hat, für die der Kampf gegen die Macht der Atomkonzerne einmal Lebenselixier war, ist dabei mehr als eine Fußnote wert. Nicht nur ich bin gespannt darauf, wie die Grünen ihren Anhängern diesen miesen Deal verkaufen wollen.

Stand: 27.04.2016, 19:00

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7 Kommentare

Neuester Kommentar von "Helmut", 29.01.2017, 18:43 Uhr:

Die Grünen verhalten sich sichtbar genauso wie die Parteien welche sie früher bekämpften. Auch für Grüne scheint eine eigene Vorteilsgewinnung wichtiger zu sein als der Umweltschutz oder ein sozial lebensfähiges Leben anderer. Wann lesen wir mal etwas über eine grüne Meinung Betreff Atombombenlagerung in Deutschland? Warum haben die Grünen vor Jahren nicht gegen den Einsatz der Bundeswehr im Jugoslawienkrieg gestimmt? Warum begrüßten die Grünen bisher fast jeden militärischen Einsatz unserer Bundeswehr? Können auch die Grünen nicht begreifen dass Kriege, außer dass Menschen staatlich angeordnet geht'tel werden auch unvorstellbare Naturschäden mit verursachen?

Kommentar von "Anonym", 24.11.2016, 18:37 Uhr:

Wenn ich die uns Zuschauern gezeigten Bilder von atomaren Restmüll und deren Lagerung sehe wird mir immer wieder übel. Viele Milliarden von Euros kosten die atomaren Schott erzeugende Kraftwerke, Forschungsanlagen sowie andere Anlagen doch offensichtlich bleibt für eine umweltschonenende Zwischen-, Endlagerung nicht genügend Geld übrig. Warum lagert man diesen atomaren Restmüll nicht zum Beispiel in Edelstahlbehälter welche anschließend in bleihaltigem Kristallglas eingegossen werden. Auch dieses immer wieder im Fernsehen zu sehende ungeordnete Abkippen" der rostigen Fässer ist hochgradig verwerflich und gefährlich für Natur und Mensch.

Kommentar von "Sascha Weisbrod", 03.06.2016, 23:04 Uhr:

Ob dieses Verhalten der Politik sie wieder für den Bürger glaubwürdiger macht wage ich zu bezweifeln. Eine Lachnummer ohnegleichen - ich muss sofort Aktien der Konzerne kaufen. Wieder muss der Steuerzahler dafür herhalten, dass die Politik versagt und das sich die Konzern wieder bereichern und gänzlich aus der Verantwortung stehlen. Wieder ein Weg aus der Misere für die Konzerne, das kennen die Bürger schon von irgendwoher ... ach ja, die Banken, da war doch was. Liebe verantwortliche Politiker, macht weiter so ...

Kommentar von "Christof", 12.05.2016, 22:57 Uhr:

Die im Bericht gestellte Frage: Was passiert, wenn die Gewinne der Konzerne wieder steigen, lässt sich ja auch in die andere Richtung stellen. Ich finde, dass die Aussage von Herrn Trittin den Kompromiss schon ganz gut zusammenfasst: Die Wachtel in der Hand... In der Vergangenheit haben ja nicht nur die Konzerne sondern wie Hans-Joachim schon sehr schön geschrieben hat auch der Bund und die Länder vom billigen Atomstrom profitiert. Die Städte und Gemeinden haben reihenweise Aktien der Unternehmen gekauft und der Endverbraucher und die Wirtschaft haben von global gesehen, sehr günstigen Strompreisen profitiert. Das die eingesetzten Stoffe sehr gefährlich und langlebig sind, war dem halbwegs gebildeten Menschen auch schon damals bekannt. Es ist wie bei allen anderen wirklich wesentlichen Themen: die nachfolgenden Generationen, tragen die Verantwortung für die Fehler der Vergangenheit...

Kommentar von "Hans-joachim", 12.05.2016, 22:36 Uhr:

Wenn von Verursacherprinzip die Rede ist sollte nicht Verschwiegen werden, dass die Politik die Energieversorger mehr oder weniger in die Atomenergie getrieben hat. Auch ist die Politik in der Plicht Entlager zu finden, dieses noch nicht gelöste Problem verursacht bei den Energieversorger für die Zwischenlagerung zusätzliche Kosten. Auch der Hinweis auf das "viel verdiente Geld" Geld hilft nicht weiter, die Rückstellungen sind vorhanden (wie gesetzlich gefordert) oder wie würde ein privat Haushalt reagieren wenn plötzlich jemand sagt er hätte zu viel verdient und soll nun dieses (ausgegebene) Geld zurückzahlen. Auch solle nicht vergessen werden, dass auch Deutschland wirtschaftlich im Aufbau profitiert hat. Irrgendwann Sollte mal eine für alle tragbare Lösung gefunden werden.

Kommentar von "Gebhard Bock", 29.04.2016, 17:30 Uhr:

Die Herren auf der Chefetage lernen das in ihrer Ausbildung. Sie können/dürfen gar nicht anders agieren, sonst werden ihnen Unfähigkeit vorgeworfen und Boni gestrichen. Skrupel sind eine Schwäche, die man nutzen muss. Die Politiker brauchen Lösungen und lassen sich erpressen und das zahlende Volk wird mit über den Tisch gezogen. So ist es auch bei der Einführung der E-Autos. Zusagen müssen eingehalten werden und die Konzerne lassen sich die Einführung in den Markt bezahlen. Im Grunde ist dies alles eine Umschichtung von unten nach oben

Kommentar von "Hendrik", 28.04.2016, 22:06 Uhr:

Schön das Sie meinen Themenvorschlag wieder gefunden haben.