Afghanistans Opfer – Deutschlands Zynismus

Georg Restle am 31.05.2017

Afghanistans Opfer – Deutschlands Zynismus

Von Georg Restle

Dutzende Tote bei einem Anschlag in Kabul. Und plötzlich stoppt die Bundesregierung einen Abschiebeflieger, der heute Richtung Afghanistan abheben sollte. Nein, nicht wegen der evident unsicheren Lage in Kabul, sondern „aus Rücksicht auf Angehörige der deutschen Botschaft“, die von dem Anschlag betroffen seien. Als sei Gefahr für Leib und Leben in Afghanistan eine exklusiv deutsche Angelegenheit. Geht’s noch zynischer?

Archivbild: Abgelehnte Asylbewerber an einem Flughafen

Abschiebung afghanischer Flüchtlinge aus Deutschland

Seit Monaten nehmen die Anschläge in Afghanistan zu – im angeblich sicheren Kabul, im angeblich sicheren Masar-i-Sharif, im angeblich sicheren Kundus oder wo immer sonst der flächendeckende Terrorismus eines eskalierten Bürgerkriegs seine täglichen Opfer fordert. Fakt ist: Sicherheit gibt es nicht in Afghanistan, schon lange nicht mehr, für niemanden, nirgendwo.

Der fassungslos machende Satz des Bundesinnenministers, wonach es für die Flüchtlinge einen Unterschied mache, dass die Zivilbevölkerung zwar Opfer, aber nicht Ziel der Terroranschläge sei, verhöhnt nicht nur die Toten von heute, sondern alle zivilen Opfer dieses Krieges, der eben keinen Unterschied macht zwischen Kämpfern und Schafhirten, zwischen Botschaftsmitarbeitern und Flüchtlingen. Dies wurde uns heute erneut mit aller Brutalität vor Augen geführt.

Die Abschiebung der afghanischen Flüchtlinge aus Deutschland, die entgegen aller Zusagen der Bundesregierung dort sich selbst überlassen bleiben, keine Bleibe finden und keinen Frieden nirgendwo, muss spätestens heute endgültig gestoppt werden. Vielleicht waren die heutigen Opfer in Kabul dann wenigstens für irgendetwas gut. Und wer das jetzt zynisch findet, sollte nochmal in sich gehen.

Stand: 31.05.2017, 20:00

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12 Kommentare

Neuester Kommentar von "Ralf Dieter", 11.06.2017, 20:56 Uhr:

So wie nicht jeder Deutscher ein Nazi ist, genauso ist nicht jeder Moslem ein Terrorist. Auch ist nicht jeder Afghane ein Moslem. Einige haben eine andere Religion wie z. B. den Hinduismus, oder gehören einer anderen Volksgruppe wie z,.B. der Hazara an. Leider gibt es Politiker, besonders in Bayern, für die ist ein Flüchtling mit afghanischen Hintergrund eine ausreise pflichtige Person. Auch wenn diese Politiker, besonders die die sich christlich Nennen wissen, das die Taliban und die IS-Terroristen jeden töten, der nicht ihrer Idiologie gehorsam nach läufft. Egal, ob man Moslem oder Hindu ist, oder eine anderen Volksgruppe angehört.

Kommentar von "Pragmatiker", 04.06.2017, 20:06 Uhr:

So lange noch gewisse Spezies aus Prominenz und Politik Erlebnisreisen nach Afghanistan machen, bei denen besonders die Bacha-Bazi-Veranstaltungen beliebt sind, kann man den per rechtskräftigem Bescheid abzuschiebenden Afghanen auch zumuten, ihr Heimatland wieder zu sehen. Schließlich besteht Afghanistan nicht nur aus Kabul, genauso wenig, wie Syrien nur Aleppo war oder ist. Es ist ein Kreuz mit der Journalie, denn ihr haltet es mit den Politikern, die sich auch die Welt so machen, dass die ihrem Wunschbild entspricht und nicht der Realität.

Kommentar von "Anonym", 03.06.2017, 22:11 Uhr:

Kann man so oder so sehen. Alle Afghanen, die zurück geschickt werden, können hier keinen Schaden mehr anrichten. Denn wo steht geschrieben, dass eben gerade der Asylant, den ihr so großzügig vor der Rückreise nach Kabul bewahrt habt, nicht in den nächsten Wochen ein Attentat verüben wird, anstatt euch dankbar zu sein? Hatten wir vorher jemals solche Probleme? Gegen den IS, also generell dem Salafismus, ist doch die RAF eine Chorknabenvereinigung gewesen.

Kommentar von "F.M.", 03.06.2017, 19:25 Uhr:

Zur Leitüberschrift des Beitrages: Ist die für den Krieg in Afghanistan verantwortliche Regierung in den USA nicht schlimmer als unsere Regierung weil sie kaum Flüchtlinge aus den von Kriegen zerstörten Ländern (insbesondere auch von den USA zerstörten) aufnimmt? Die USA ist ein unendlich großes Land und hat sehr viele schwach besiedelte Landflächen, somit könnte sie weitaus besser den von Krieg vertriebene Menschen eine neue Heimat geben als unser relativ kleines Deutschland.

Kommentar von "Micha", 03.06.2017, 16:56 Uhr:

Geht's noch zynischer!?? Natürlich, da geht noch was. Wenn Merkel unsere "Freunde" in Saudi-Arabien besucht . Das ist definitiv heftiger. Oder ,wenn Anja Reschke ,Journalistin des Jahres wird. Austeilen aber nicht einstecken können. Frau Atai, ein Jahr vorher,muss doch für jeden ehrbaren Journalisten ,ein Schlag in die F ähh das Gesicht gewesen sein. Diese Dame schürt Hass! In Deutschland gibt es immer mehr Terror. Nicht mal hier sind die afghanischen Migranten sicher, DENN IHREN GLAUBENSBRÜDERN IST SCHEISSEGAL WEN SIE IN DIE LUFT JAGEN! P.s. Das " Maas" ist voll . Dieser Minister hat sich so was von verrannt....

Kommentar von "Religionskenner", 02.06.2017, 19:31 Uhr:

Oh, noch keine Kommentare! Seid ihr bereits ausgeflogen, ins feiertägliche Treiben? Lasst euch mal nicht zu Pfingstochsen aufhübschen, obwohl man es den Mediennutzern nicht verübeln könnte, euch als solche zu schmücken. Bei solchen irrsinnig gutmenschlich überhöhten Beiträgen. Wie hättet ihr es denn gern? Wollt ihr alle Ausländer, die per rechtskräftigen Abschiebebescheid des Aufenthaltes in Deutschland verlustig gegangen sind hier lassen, nur weil man in Kabul Botschaftsangehörige umbringen wollte? Dabei ist es doch möglich, dass sich darunter etliche Terroristen befinden, die sich hier damit beschäftigen wollen, wovor ihr sie im Ausland bewahren wollt. Sicher, ihr werdet nicht davon betroffen sein. Denn ihr seid ja gut geschützt. Warum sollten Salafisten auch die Migrantenhuldiger der Medien ins Weltall schicken wollen? Paradiesbomber sprengen nur die harmlose Zivilbevölkerung in die Luft, die wissen ja, dass die deutsche Prominenz Muslimenhätschelei betreibt. Eigentlich ist jede ...

Kommentar von "Georg Stamm", 02.06.2017, 15:49 Uhr:

Afghanistan ist gross und es explodieren nicht überall solche Bomben wie hier in Kabul. Deshalb lassen sich gewisse Rückschiebungen wohl rechtfertigen. Im Übrigen gab es kürzlich einen TV-Beitrag in einem D-Sender, der zeigte, wie heillos überfordert die D-Asylzentren und die sog. "Entscheider" (sie entscheiden über die Aufnahme oder Wegweisung) sind. Eine Folge von fast 1 Million in D zuströmender Asylanten vom Herbst 15 bis Frühjahr 16 wegen der sog. "Willkommenskultur".

Kommentar von "Jo Mossano", 02.06.2017, 11:22 Uhr:

Die de facto Vertreibung der Nato aus Afghanistan wurde als Sieg umgedeutet, wonach Afghanistan angeblich befriedet sei und deswegen sei man angeblich abgezogen. Als Folge dieser politisch motivierten Unwahheit, wurde behauptet, Afghanistan sei angeblich ein sicheres Land und man könne die Flüchtlinge zurückschieben. Politik ist per se zynisch und menschenverachtend.

Kommentar von "Tachelesredner", 01.06.2017, 19:15 Uhr:

Wenn es denn in Kabul, also GANZ AFGHANISTAN, so unsicher ist, müsst ihr eben die ganzen kriminellen Afghanen hier lassen. Damit diese armen Menschen nicht gefährdet werden, aber hier uns blöde Deutsche mit Allahs Unterstützung in die Luft jagen können. Der Spruch: "Deutschland ist ein Irrenhaus und in Berlin sitzt die Zentrale", sollte wegen Ihres persönlichen Zuspruches noch auf Ihr Redaktionsteam erweitert werden, Herr Restle.

Kommentar von "Realo Ost", 01.06.2017, 17:30 Uhr:

Was, Herr Restle? Afghanistan besteht neuerdings aus Kabul und Deutschland aus Hamburg... Oh, bitte nicht - da sei uns Gott vor! Stelle mir vor, allein die rote Flora wäre dann so groß, wie Brandenburg. Unmöglich sowas.. Also, was wollen Sie uns verklickern? Ich verstehe als ehemaliger Ossi diese Diskussion nicht. Es war zu Erichs Zeiten üblich, dass regimekritische Mitbürger aus Städten in die tiefste Provinz strafversetzt, also regelrecht umgesiedelt, wurden. Da gab es kein Gewese. Warum Sie nun kriminelle Afghanen, ja, eben vorrangig sind diese darunter, bedauern und es völlig unmöglich finden, wenn die nach Afghanistan sollen, das ja nun ziemlich groß ist und absolut nicht nur aus unsicheren Gebieten besteht, erschließt sich mir nicht. Wenn DDR-Bürger sowas klaglos ertragen mussten, dann kann ich als ehemaliger Ossi für kriminelle Afghanen keinerlei Mitleid empfinden. Finden Sie es besser, die bleiben hier und richten weiteren Schaden an?

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