Griechische Regierung übt heftige Kritik am Privatisierungs-Deal mit Fraport

Pressemeldung vom 23.07.2015

Griechische Regierung übt heftige Kritik am Privatisierungs-Deal mit Fraport

Die griechische Regierung übt heftige Kritik an der geplanten Privatisierung von 14 Flughäfen, für die die Frankfurter Fraport AG bereits unter der Vorgänger-Regierung den Zuschlag erhalten hat. Unter den Flughäfen befinden sich die beliebtesten Touristenziele des Landes.

Fraport-Logo

Das Logo des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport

Gegenüber MONITOR äußerte sich der zuständige griechische Infrastrukturminister Christos Spirtzis: „Bei dieser Privatisierung soll der griechische Staat 14 gewinnbringende Flughäfen verkaufen, und die anderen 30 Flughäfen, die keinen Gewinn machen und subventioniert werden müssen, bleiben beim griechischen Staat. Das ist ein Modell, das so noch nirgendwo in Europa angewandt wurde. Das passt eher zu einer Kolonie als zu einem EU-Mitgliedsland.“

Die Lufthansa Consulting, die den griechischen Privatisierungsfonds HRADF im Bieterprozess beraten hat, bestätigte gegenüber Monitor, dass bei dem Geschäft „sicherlich von einer wirtschaftlichen Lukrativität ausgegangen werden“ kann. Dafür sprechen auch die jüngsten Flug- und Passagierzahlen: So stieg die Zahl der Flüge an den 14 Flughäfen im letzten Jahr um knapp 14 Prozent, die der Passagiere um fast 20 Prozent, auf über 22 Millionen.

Vor einer Privatisierung unter Zeitdruck warnt Alexander Kritikos vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung gegenüber MONITOR: „Wenn es tatsächlich dazu kommt, dass diese staatlichen Unternehmen schnell verhökert werden, dann wird man sich darüber tatsächlich ärgern, denn derzeit sind sie nicht zu ihrem wirklichen Wert verkaufbar und wir werden in der Tat sehen, dass die nächste Regierung sich darüber ärgern wird, dass sie konzeptionslos in die Privatisierung reingegangen ist.“

Die deutsche Fraport AG, mehrheitlich im Besitz der Stadt Frankfurt und des Landes Hessen, hatte gemeinsam mit dem griechischen Partner Copelouzos Group im letzten Jahr den Bieterwettbewerb um die Konzession für den Betrieb der 14 wichtigsten griechischen Regionalflughäfen mit einem Gebot von 1,23 Milliarden Euro gewonnen. Der Vertrag ist zunächst auf 40 Jahre angelegt.

Der Erlös fließt in den griechischen Privatisierungsfonds, der insgesamt 50 Milliarden Euro erwirtschaften soll. Mit den Privatisierungserlösen soll der griechische Staat vor allem seine Schulden begleichen.

Stand: 23.07.2015, 08:00

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15 Kommentare

Neuester Kommentar von "Xenya", 30.07.2015, 12:13 Uhr:

Ist alles kein Problem!!Ich kaufe keinen VW mehr und auch keinen Siemens-Kuehlschrank!Und ich fliege dann auch nicht mehr ueber Korfou!Sollte es keine Moeglichkeit mehr geben, per Flug mein Ziel zu erreichen, nehme ich einfach mein Auto und versuche nur das noetigste in Deutschland zu tanken!Sollen doch die Oesterreicher lieber mein Geld bekommen!Alles ein Geben und ein Nehmen.

Kommentar von "Frank Biermann", 25.07.2015, 15:42 Uhr:

so ganz neu ist diese Information eigentlich auch nicht, die Fraport AG hatte den Deal schon in einer Pressemitteilung am 25..11.2014 (!) angekündigt http://www.fraport.de/content/fraport/de/misc/binaer/investor-relations/ad_hoc-meldungen/ad-hoc-meldung--kauf-griechische-flughaefen/jcr:content.file/fraport-ad-hoc-privatisierung-griechische-flughaefen-aundb.pdf

Kommentar von "Bernd", 24.07.2015, 16:40 Uhr:

Schorschi: Es gibt einen Unterschied, G ist PLEITE und D nicht. Das ist entscheidend, auch im normalen Leben. Jeder kann nur das verbrauchen, was er hat oder bekommt- niemand mit Vernunft wird G auch nur einen Cent leihen. Deshalb hat das Land keine Wahl, so bitter das ist.

Kommentar von "Ed Loder", 24.07.2015, 12:02 Uhr:

Natürlich war ich erst einmal geschockt, über dieses Heuschreckenverhalten. Aber dann erinnere ich mich an das Verhalten der Griechen in den EU Beitrittsverhandlungen und wie sie uns jährlich trotz riesiger Wiedervereinigungskosten wegen Nichteinhaltens der 3% Neuverschuldung immer vor der EU anzeigten, während sie selbst logen, das sich diese jetzige Katastrophe entwickelte. Da zweifelt man doch an der Ehrlichkeit der Griechen. Da muss doch eine Absicherung zur Schuldenrückzahlung erlaubt sein. Deshalb sind diese, von der Frapo "enteigneten", rentablen Flugplätze doch auch als eine Art garantierter Schuldenrückzahlungsanteil zu sehen? Glauben Sie eigentlich, dass nach dem bisherigen Verhalten griechischer Regierungen, was Finanzbetrügereien betrifft, das bisher von uns verliehene Geld, das ja immerhin aus unser aller Beiträge besteht und eigentlich für Hilfen hier und auch nachfolgenden Generationen fehlen wird, nicht einer Absicherung zur Zurückzahlung wert ist? Oder sind sie de ...

Kommentar von "Herzog", 24.07.2015, 10:59 Uhr:

Zunächst danke für diese ausgewogene Sendung an Monitor. Und an Karsten Borchert...sein Beitrag hat es genau auf den Punkt gebracht!Wenn man das Live miterlebt hat...die Treuhand,die Vermögen an Kriminelle,Spekulanten usw. verschleudert hat...längst steht fest,das schwerwiegende Fehler gemacht wurden...wieso dies wiederholen?!? Man kommt wirklich zu dem Schluss,aus Rache,Demütigung...in diesem Falle eines ganzen Volkes...diese "graue Eminenz" scheint sich zum ungekrönten Herrscher ganz Europas aufschwingen zu wollen...

Kommentar von "Thomas L.", 24.07.2015, 09:36 Uhr:

C.c.K.. Meinen sie etwa Krugman und Co mit den angesehenen wissenschaftlern? Die wollen, dass der deutsche Steuerzahler zahlt und die Banken, Hedgefonds ihre G-anleihen retten können. G hat schonmal in einer währungsunion geschummelt (Lat. Münzunion) und wurde ausgeschlossen- das sollte jetzt auch getan werden. G gehört NICHT in die Eurozone! Es gab genug Solidarität.

Kommentar von "Rainer", 24.07.2015, 06:55 Uhr:

Deutschland und Frankreich haben schon durch die Waffenlieferungen an Griechenland profitiert. Als sich die Krise in Griechenland zugespitzt hat, haben sich entsprechende Waffenhersteller (u.a. Siemens) aus Griechenland zurückgezogen, um in anderen Ländern ihren Profit zu machen. So lange die Kuh noch zu melken war wurde kräftig geliefert.

Kommentar von "C.C.K.", 24.07.2015, 00:54 Uhr:

Liebes Monitor-Team. Wie schön, bei Monitor einen Griechenland-Bericht zu sehen, der seriös und ausgewogen recherchiert ist, glaubte ich aufgrund der Reportagen aller Nachrichtensender (öffentlich-rechtlich) und der Printmedien, dass in Deutschland die Pressefreiheit abgeschafft wurde. Auffällig die Gleichartigkeit der Kommentare zu den bösen, faulen und verschwendungssüchtigen Griechen, die auch von den zu Talkshows geladenen Gästen zu 90 % verdammt wurden. Die gehörten sachverständigen Ökonome von der IFO oder Wirtschaftsverbänden untermauerten dann wirtschaftswissenschaftlich Schäubles GrexitBegehren. Dass angesehene Wissenschaftler weltweit eine genau gegenteilige These zum Schuldenabbau vertreten und die Austeritätspolitik ebenfalls weltweit als ernsthafter Fehler mit schlimmsten Folgen für das betroffene Land erkannt wurde, haben die deutschen Medien bis heute verschwiegen. Sie bilden in der Allgemeinheit ein Sprachrohr von Merkel/Schäuble, unkritisch nachäffend, wa ...

Kommentar von "Manfred U. Wessel", 24.07.2015, 00:43 Uhr:

Um zu beurteilen, ob ein Kaufpreis angemessen ist, wird bei Aktienexperten das Verhältnis zwischen dem Kaufpreis und den erwarteten Gewinnen betrachtet, das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Durchschnittlich haben die Dax-Aktien ein KGV von 15, das heißt der Kaufpreis beträgt den 15-fachen Jahresgewinn. Liegt der Kaufpreis wesentlich darunter, ist das gut für den Käufer; liegt es stark darüber, hat der Verkäufer ein gutes Geschäft gemacht. So könnte oder müsste man es auch bei der Privatisierung in Griechenland angehen!

Kommentar von "Gisi Roehl", 23.07.2015, 23:30 Uhr:

Ich schäme mich für unsere gierigen Politiker, die unter dem Deckmantel " Griechenlandhilfe ", sich enorm bereichern wollen, ja schon seit Jahren Milliarden an der Krise verdienen. Ist es nicht strafbar, ein Land zu unsinnigen, brutalen Sparmaßnamen zu zwingen, zu erpressen und dann als Schnäppchenjäger aufzutreten? Seit allen Troikas ist bewiesen, dass alles sparen die Schulden sogar noch erhöht haben. Hochrangige Wirtschaftsexperten haben der Physikerin Merkel schon lange erklärt, dass ihr Kurs völlig falsch ist und nur noch ein 4. "Hilfspaket " nach sich zieht. Leider war die Kanzlerin schon immer beratungsresistent und verschleudert unser Steuergeld , um die griechische Wirtschaft abzuschlachten zum Vorteil Deutschlands. Gerade sie hat doch zu den immensen Schulden beigetragen, indem massenweise auf Pump deutsche Rüstungsgüter liefern lies ( damals kein Wort von sparen ) und als die Kredite nicht mehr bezahlt werden konnten, kam die große Griechenlandretterin und hat erst ma ...

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