Offenbar sechs NRW-Kliniken betroffen

Hackerangriff auf Sony (Symbolbild)

Cyberattacken auf Krankenhäuser

Offenbar sechs NRW-Kliniken betroffen

Ein Virus hat seit Mittwoch (10.02.2016) das System des Lukaskrankenhauses in Neuss lahmgelegt. OPs mussten verschoben und schwere Notfälle in andere Kliniken delegiert werden. Offenbar ist das kein Einzelfall. Fünf weitere Häuser in NRW sollen in letzter Zeit Opfer von Cyberattacken gewesen sein.

Noch sind die Systeme im Lukaskrankenhaus in Neuss nicht wieder einsatzbereit. Es könne momentan auch keine sichere Prognose abgegeben werden, wann diese wieder hochfahren könnten, so eine Sprecherin des Krankenhauses. Momentan läuft vieles über Handbetrieb und LKA-Beamte sind in der Klinik auf Spurensuche.

Anscheinend ist der Angriff in Neuss kein Einzelfall. Die Sprecherin erklärte, sie habe Kenntnis über fünf weitere Krankenhäuser, die in der letzten Zeit Opfer solcher Attacken wurden oder sind. Dabei seien ein Haus in Neuss, Kleve, Mönchengladbach und zwei Kliniken im Kölner Raum.

Virus wurde per Mail verschickt

In Neuss war das Problem am vergangenen Mittwoch (10.02.2016) durch Fehlermeldungen und Verzögerungen aufgefallen. Das Virus ist in einem Anhang per E-Mail verschickt und vermutlich unbewusst von einem Krankenhaus-Mitarbeiter geöffnet worden. So könnte es auf die IT-Systeme des Hospitals gelangt sein. Die Computer des Hospitals seien daraufhin vorsorglich heruntergefahren worden, um sensible Patientendaten zu schützen.

Lukaskrankenhaus

Das Lukaskrankenhaus in Neuss

Der Sprecher des Lukaskrankenhauses, Dr. Andreas Kremer, erklärte: „Es handelt sich um Malware, einen schädlichen Virus, wie er in den vergangenen Tagen und Wochen gehäuft per Mail verschickt wurde. Jetzt hat es auch unser Krankenhaus getroffen. Es handelt sich aber nicht um eine gezielte Attacke.“

Ab heute werden auch wieder schwere Notfälle aufgenommen

Die Versorgung auf allen Stationen war jedoch gesichert. 80 Prozent der Operationen habe das Krankenhaus am Donnerstag (11.02.2016) plangemäß durchführen können. Andere, nicht dringliche OPs, sind allerdings verschoben worden. Die Notaufnahme war zwar geöffnet, schwerere Fälle wurden aber nicht aufgenommen sondern an andere Kliniken delegiert. Ab heute Nachmittag (12.02.2016) sollen auch wieder internistische Notfälle aufgenommen werden. Durch das Virus seien zwar alle Daten verschlüsselt und somit unbrauchbar. Da das Krankenhaus aber regelmäßige Back-ups seiner Systeme erstellt, seien alle gespeicherten Patientendaten gesichert und das Krankenhaus könne bald wieder darauf zurückgreifen, erklärt Dr. Kremer. Die Angreifer könnten aber mit den Daten nichts anfangen, das diese verschlüsselt seien.

Zahlencode

Weitere fünf Kliniken in NRW sollen betroffen sein

Lothar Kratz, Sprecher der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, erklärte, ihm sei nur eine Cyberattacke auf Krankenhäuser aus dem letzten halben Jahr bekannt. Im Sommer letzten Jahres habe es einen Angriff auf ein Krankenhaus in Oberhausen gegeben, der sogar mit einem Erpressungsversuch verbunden war. In diesem Fall waren die Systeme aber nur einen halben Tag heruntergefahren. Die Krankenhausgesellschaft arbeite an einem Informationsschreiben an alle NRW-Krankenhäuser, um sie für die Problematik zu sensibilisieren.

Meldepflicht für Cyberattacken

Darüber hinaus arbeiteten die Datenschutzbeauftragten der Länder an einer Verordnung für die sogenannten "sensiblen Bereiche der Daseinsversorgung", worunter auch Krankenhäuser fallen. Grundlage dafür ist das IT-Sicherheitsgesetz, das bereits in Kraft getreten ist. Nun müsse es in konkrete Verordnungen gegossen werden. So sollen Krankenhäuser mit Maximalversorgung ausfindig gemacht und ihnen eine Meldepflicht für Cyberattacken auferlegt werden. Angegriffene Krankenhäuser müssen dann die Attacke bei dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik melden. Dieses bewertet dann die entsprechenden Fälle und kann andere Kliniken warnen und gegebenenfalls gefährdete Häuser aufrüsten. Das Lukaskrankenhaus in Neuss ist bis jetzt das einzige der bislang bekannten betroffenen Krankenhäuser, das mit dem Angriff an die Öffentlichkeit gegangen ist.

Stand: 12.02.2016, 11:49

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