Schadsoftware verschlüsselt Patientendaten in Neuss

Lukaskrankenhaus

Schadsoftware verschlüsselt Patientendaten in Neuss

Von Hamzi Ismail

Das Lukaskrankenhaus in Neuss kann wegen eines Cyberangriffs nur eingeschränkt arbeiten. Die Patientendaten sollen aber sicher sein. Heute berieten Klinikleitung und Software-Experten, was zu tun ist. Unbekannte hatten das IT-System mit einer Schadsoftware infiziert.

Das Problem sei am Mittwoch (10.02.2016) einigen Mitarbeiter aufgefallen. Sie meldeten Verzögerungen und Fehlermeldungen im System. Das Virus war im Anhang per E-Mail verschickt und womöglich von einem Krankenhaus-Mitarbeiter unbewusst geöffnet worden. So könnte es auf die IT-Systeme des Hospitals gelangt sein. Die Computer des Hospitals seien daraufhin vorsorglich heruntergefahren worden, um sensible Patientendaten zu schützen.

Der Sprecher des Lukaskrankenhaus, Dr. Andreas Kremer, erklärte am Nachmittag: „Es handelt sich um Malware, einen schädlichen Virus, wie er in den vergangenen Tagen und Wochen gehäuft per Mail verschickt wurde. Jetzt hat es auch unser Krankenhaus getroffen. Es handelt sich aber nicht um eine gezielte Attacke.“

Krankenhaus ist auf Handbetrieb umgestellt

Die Versorgung auf allen Stationen sei jedoch gesichert. Man habe allerdings auf Handbetrieb umgestellt, solange die Computer infiziert sind. 80 Prozent der Operationen habe das Krankenhaus heute plangemäß durchführen können. Andere, nicht dringliche OPs, mussten allerdings bereits verschoben werden. Die Notaufnahme bleibe zwar geöffnet, schwerere Fälle würden derzeit aber nicht aufgenommen und an andere Kliniken delegiert, hieß es. „Wir würden aber natürlich niemanden nach Hause schicken, wenn er mit einem akuten Herzinfarkt vor der Türe stünde“, versichert Dr. Kremer.

Anti-Software soll Problem lösen

Computerkasten

Eine Anti-Software soll helfen

Derzeit arbeiten IT-Fachleute an einem Gegenprogramm, um die Schadsoftware auszuhebeln. Diese soll selektiv so angepasst werden, um auf die Malware zu reagieren. Ab heute Abend soll sie nach und nach auf den Computersystemen durchgeführt werden, um die Schadsoftware so zu beseitigen. „Es kann jedoch noch bis Ende dieser Woche dauern, bis der Betrieb wieder normal läuft“, so der Krankenhaussprecher.

Patientendaten sind sicher

Zahlencode

Die Daten der Patienten sind noch da

Durch das Virus seien zwar alle Daten verschlüsselt und somit unbrauchbar. Da das Krankenhaus aber regelmäßige Back-ups seiner Systeme erstellt, seien alle gespeicherten Patientendaten gesichert und das Krankenhaus könne bald wieder darauf zurückgreifen, erklärt Dr. Kremer. Die Angreifer könnten aber mit den Daten ohnehin nichts anfangen, das diese verschlüsselt seien. Laut des Landeskriminalamtes seien Cyberangriffe auf Krankenhäuser äußerst ungewöhnlich. Die Klinik hat angekündigt, Anzeige bei der Polizei zu erstatten.

Stand: 11.02.2016, 16:44

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