Chemikalienkauf in Pulheim

Baumarkt in Pulheim, bei dem die Chemikalien gekauft wurden

Doch kein terroristischer Hintergrund

Chemikalienkauf in Pulheim

  • Verdächtiger Chemikalienkäufer hatte keine terroristischen Absichten
  • Der Mann war in einem Baumarkt bei Köln aufgefallen
  • Der 44-Jährige hat der Polizei gesagt, er habe die Stoffe zur Herstellung von Betäubungsmitteln verwenden wollen

Der verdächtige Chemikalienkauf in einem Baumarkt in Pulheim bei Köln hatte keinen terroristischen Hintergrund. Ein entsprechender Anfangsverdacht gegen den 44-Jährigen Käufer habe sich nicht erhärtet, sagte am Mittwoch (27.01.2016) eine Sprecherin der Kölner Polizei. Zum Grund des Kaufs der Chemikalien habe er unterschiedliche Aussagen gemacht. Möglicherweise habe der Mann aus den Substanzen Drogen herstellen wollen. Zuletzt habe er jedenfalls eingeräumt, er habe aus den Stoffen Betäubungsmittel herstellen wollen.

Drogenfund in der Wohnung

"Aus den Ermittlungen zu seiner Person und seinem Lebensumfeld lassen sich keine Anhaltspunkte dafür ableiten, dass er die Chemikalien zu anderen Zwecken erworben hat", heißt es in einer Mitteilung der Polizei. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung seien zudem Drogen gefunden worden. Die Ermittlungen dazu dauerten noch an. Der Mann befinde sich deshalb auch noch weiter im Kölner Polizeipräsidium.

"Der gestrige Tag hat gezeigt, dass es wichtig ist, die Ruhe zu bewahren und uns vertrauensvoll mit allen abzustimmen, mit denen wir in Sicherheitsfragen Seite an Seite stehen", erkärte der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies am Mittwoch.

Baumarkt-Mitarbeiter informierte Polizei

Die Polizei hatte am Dienstag (26.01.2016) eine Fahndung nach dem Mann gestartet. Zuvor hatte ein Mitarbeiter eines Baumarktes in Pulheim bei Köln die Behörden darüber informiert, dass ein 45 bis 50 Jahre alter Mann am vergangenen Freitag (22.01.2016) Chemikalien gekauft habe, aus denen man eine Bombe herstellen könne. Um welche es ging, wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitteilen. Der Mix sei aber verdächtig.

Daraufhin wurde eine Fahndung mit Bildern einer Überwachungskamera aus dem Baumarkt eingeleitet. Die Behörden baten die Bevölkerung mit dem veröffentlichten Foto "dringend um Unterstützung bei der Fahndung". Am Dienstagabend meldete sich der Gesuchte bei der Polizei. Der Mann hatte sich gegen 20 Uhr auf der Wache in Pulheim gemeldet.

Festkomitee: "Kein Zusammenhang zu Karneval"

Bereits während der Fahndung wollte die Kölner Polizei ausdrücklich nicht von einem Terrorverdächtigen sprechen. Es gab zuvor Gerüchte, der Chemikalienkauf stehe möglicherweise im Zusammenhang mit einem geplanten Bombenanschlag während des Karnevals. Die Sprecherin des Festkomitees Kölner Karneval, Sigrid Krebs, stellte klar, dass der Rosenmontagszug aus ihrer Sicht nicht in Gefahr sei: "Wir haben keinen Grund, den Kölner Rosenmontagszug abzusagen." Es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Fahndung und dem Karneval. "Das bestätigt uns die Polizei."

Chemikalienverbots-Verordnung regelt Abgabe

Wer mit Chemikalien handelt, die als giftig oder sehr giftig gekennzeichnet sind, braucht eine behördliche Erlaubnis und muss über spezielles Fachwissen verfügen, um Kunden richtig informieren zu können. Bundesweit geregelt ist das in der Chemikalienverbots-Verordnung (ChemVerbotsV). Die Sachkunde kann nach Angaben des NRW-Arbeitsministeriums entweder durch die Teilnahme an einer Sachkundeprüfung oder etwa durch Approbation zum Apotheker oder den Abschluss einer Ausbildung als Drogist nachgewiesen werden. Nach der Chemikalienverbots-Verordnung dürfen etwa Stoffe und Zubereitungen, die mit den Gefahrensymbolen "T", "O" oder "F+" oder mit "R"-Sätzen gekennzeichnet sind, nur abgegeben werden, wenn der Verkäufer die Identität des Käufers festgestellt hat. Diese Stoffe dürfen deshalb im Einzelhandel auch nicht in (Selbstbedienungs-)Automaten verkauft werden.

Stand: 27.01.2016, 11:00

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