An der Basis rumort's

Reaktionen auf Laschet-Entscheidung

An der Basis rumort's

Bei der NRW-CDU bleiben Parteivorsitz und Fraktionsführung nun doch getrennt. Das Duo Laschet/Laumann soll's richten: Laumann als Fraktionsvorsitzender, Laschet als neuer Parteichef. An der Basis sind viele sauer. Es gibt aber auch Zustimmung.

Nach ihrem Wahldebakel will sich die NRW-CDU nun mit einer Doppelspitze eine neue Führung geben. Während Karl-Josef Laumann weiter als Chef der Landtagsfraktion vorgesehen ist, soll Armin Laschet Nachfolger für den Wahlverlierer und scheidenden Parteivorsitzenden Norbert Röttgen werden. Der Ex-Integrationsminister soll dann bei einem Sonderparteitag am 30. Juni gewählt werden. Laschet wollte bereits 2010 Landesparteichef werden, verlor aber damals gegen Röttgen.

Mehrere Kreisverbände beklagen jedoch, die Parteibasis sei bei der Entscheidung über die künftige personelle Einstellung nicht angemessen berücksichtigt worden. Eine Initiative innerhalb der Duisburger CDU schrieb in einem offenen Brief an den Landesvorstand, es sei eine Austrittswelle zu befürchten. Vorstandsmitglieder hätten sich ohne die Basis verständigt. "Es geht uns nicht darum, die Person Armin Laschet zu kritisieren, sondern die Art und Weise der Kandidatenfindung."

Kritik von Kreisvorsitzenden

Die Düsseldorfer Parteizentrale bestätigte am Freitag (25.05.2012), dass sich elf Kreisvorsitzende schriftlich über das Verfahren des Landesverbandes zur Bildung einer neuen Doppelspitze beklagt haben. Dazu gehören die Chefs der Kreisverbände Ennepe-Ruhr, Coesfeld, Höxter, Unna, Dortmund, Mönchengladbach, Viersen, Warendorf, Euskirchen, Borken und Münster.

Zumindest die Kreisvorsitzenden hätte man stellvertretend für die Basis befragen können. "Dann hätte man die gebündelte Kraft aller Kreisverbände gehabt", erklärt Helmut Krause, CDU-Kreisgeschäftsführer in Unna, gegenüber WDR.de. Ihm gehe es mehr um das Verfahren, losgelöst von der persönlichen Eignung der beiden Kandidaten Laschet oder Laumann. Dabei hätte sich der Kreisverband offenbar auch noch die Erweiterung des Kandidatenkreises vorstellen können. "Auch eine dritte Möglichkeit muss ja nicht ausgeschlossen werden", so Krause, ohne weitere potentielle Kandidaten zu nennen.

Als Reaktion darauf hat der CDU-Landesvorstand auf seiner Sitzung am Donnerstagabend (24.05.2012) angekündigt, noch vor dem Parteitag zu einer Kreisvorsitzendenkonferenz einzuladen. Dabei soll es um "eine erste Analyse des Wahlergebnisses" gehen, wie es auf der Homepage der Partei heißt. Laschet werde den 54 CDU-Kreisverbänden in den nächsten Wochen zur Verfügung stehen, um seine Ideen und sein Konzept vorzustellen.

Kein Kandidat aus Berlin

Einem möglichen dritten Kandidaten aus Berlin erteilt der CDU-Kreisverband Bielefeld eine klare Absage. "Derjenige, der die Landespartei führt, muss auch im Land stattfinden", erklärt Arnold Hildebrand, CDU-Kreisgeschäftsführer in Bielefeld. Der Vorteil von Laschet und Laumann sei, dass sie jeden Tag in Düsseldorf wären. "Die werden sich die Arbeit gut teilen", ist sich Hildebrand sicher.

Nicht einverstanden mit der Doppelspitze ist hingegen die Lüdenscheider CDU-Basis: Bei einem Bürgerstammtisch am Donnerstagabend wünschte eine große Mehrheit der Anwesenden einen Neustart mit neuem Personal. Laschet und Laumann seien zwar respektable Politiker, aber zu alt und abgenutzt für einen Neuanfang. "Hinterzimmer-Entscheidungen sind nicht zielführend, wenn man die NRW-CDU wieder auf Erfolgskurs bringen will", sagte auch der Vorsitzende der Kölner CDU, Bernd Petelkau, der "Rheinischen Post".

"Zwei kluge Köpfe"

Unterstützung für das derzeitige Verfahren und den Kandidaten Laschet kommt hingegen aus Aachen, dem Heimatverband Laschets. "Wir sind uns sicher, dass die NRW-CDU mit Armin Laschet solide neu anfangen kann", erklärt Elke Eschweiler, CDU-Bezirksbürgermeisterin in Aachen. Entsprechend begrüßt sie die künftige Arbeitsteilung mit Fraktionschef Karl-Josef Laumann. Es sei gut, dass "zwei kluge Köpfe mit unterschiedlichen Ansichten die Partei führen", so Eschweiler weiter.

Auch in Südwestfalen stehe die CDU-Basis geschlossen hinter de angepeilten Besetzung von Parteivorsitz und Fraktionsführung: "Das ist eine gute Entscheidung, die ich nachdrücklich begrüße", sagte Klaus Kaiser, Bezirksvorsitzender der CDU in Südwestfalen. Als Team anzutreten sei "das Beste für die Sache". Nach einer solchen Wahlniederlage müsse "Korpsgeist" gezeigt werden, so Kaiser.

Stand: 25.05.2012, 11:57

Mehr zum Thema