Caritas erklärt Flüchtlingen Karneval

"Don't be afraid - it's our tradition!"

Caritas erklärt Flüchtlingen Karneval

Von Sabine Tenta

Bützjer, Flirten, Schunkeln und nach fünf Tagen Feiern brennen menschengroße Puppen. Der Kölner Karneval ist erklärungsbedürftig. Insbesondere männliche Flüchtlinge lernten am Dienstag (02.02.2016) in Köln, was unbedingt an Weiberfastnacht zu tun und zu lassen ist.

"Wieso könnt ihr das schon so gut?" Sitzungspräsident Peter Schmitz von der Kölner Caritas ist irritiert: Kaum dass die Musik von der Kölner Band "Vill Brass" ertönte und die Blaskapelle in Clownskostümen in den Sitzungssaal einzog, da schunkelte schon der ganze Saal. Die Erläuterungen auf kölsch, arabisch und englisch – "take a left arm, take a right arm and – swing!" – hätte es fast nicht gebraucht, denn Schunkeln lernt man einfach durch Mitmachen. Anders ist es mit dem Trinken und Flirten, hier lauern schon eher kulturelle Missverständnisse. Um diesen vorzubeugen, veranstaltete die Kölner Caritas am Dienstag (02.02.2016) "Karneval für Anfänger", eine Karnevalssitzung mit viel Musik und einer Power-Point-Präsentation zu den wichtigsten Lektionen. Etwa 150 Flüchtlinge und Helfer waren gekommen.

Ein Flirt ist kein Heiratsversprechen

Peter Schmitz von der Kölner Caritas

Sitzungspräsident Peter Schmitz

Beim Trinken und beim Flirten riet die Caritas zur Mäßigung: "Flirten ist erlaubt – aber bitte mit Gefühl." Diese Botschaft war den Karnevals-Vermittlern so wichtig, dass sie zusätzlich auch noch ins Persische übersetzt wurde. "Das Flirten ist kein einklagbares Recht. Kein Heiratsversprechen. Keine Garantie." Nur besonders höfliche Männer seien vielleicht bei Frauen erfolgreich. Wer sich daran nicht halte, dem drohe "gewaltiger Ärger". Überhaupt stünden die Frauen an Weiberfastnacht im Mittelpunkt. An die Männer im Saal gewandt, erklärte Sitzungspräsident Peter Schmitz: "Wenn eure Frauen an Weiberfastnacht feiern gehen wollen, dann müsst ihr die Kinder hüten."

Mut zum Straßenkarneval gefunden

Sharon Mbabazi aus Uganda feiert Karneval

Sharon Mbabazi aus Uganda

Sambatrommler zeigen mit ihren südamerikanischen Rhythmen, wie international der Karneval ist. In der ersten Reihe klatscht Sharon Mbabazi begeistert mit. Sie kam vor sieben Monaten aus Uganda nach Köln und ist "sehr glücklich, hier zu sein." Karneval kennt sie auch aus ihrer Heimat, aber da werde nur einen Tag lang im Oktober gefeiert. "Aber hier ist ja ganz Köln davon erfasst, das ist schon sehr anders. Ich freue mich darauf, mitzumachen", sagt sie auf Englisch. Sharon Mbabazi ist eine Frohnatur und strahlt über das ganze Gesicht. Ungleich schüchterner ist Nathan Kyabu, ebenfalls aus Uganda. Er lebt schon seit sechs Jahren in Deutschland und kannte den Karneval bislang nur aus dem Fernsehen. "Jetzt kenne ich die Regeln und weiß, wie ich mich verhalten muss." Zum ersten Mal will er sich nun in den Straßenkarneval trauen.

"Mr. Carnival" wird brennen

Power-Point-Präsentation zu Karnevalsbräuchen

Power-Point-Präsentation

Und damit am Ende Nathan Kyabu und andere Flüchtlinge nicht verschreckt werden, kommt noch eine ganz wichtige Lektion: Die Kölner Neubürger werden darauf vorbereitet, dass kommenden Dienstag überall in der Stadt Feuer sind und menschengroße Puppen brennen. Der Nubbel - oder "Mister Carnival" wie er übersetzt wurde – stehe stellvertretend für die Sünden, die an Karneval begangen wurden. "Don’t be afraid – it’s our tradition", erklärt der Übersetzer.

Die Lektion für die Kölner

Ceyda Kürtoglu, Flüchtlingshelferin aus Köln

Ceyda Kürtoglu, Flüchtlingshelferin aus Köln

In der vorletzten Reihe sitzt Ceyda Kürtoglu, ein kölsches Mädchen. Sie lebt seit ihrer Geburt in Köln und feiert gerne Karneval. Die Studentin der Medienwissenschaft ist als Flüchtlingshelferin aktiv und gibt Deutschkurse. Das närrische Treiben ist für sie ganz klar eine Integrationshilfe: "Der Karneval verbindet Menschen miteinander, das ist ganz wunderbar." Das schätzt auch Masrur Nurmatov aus Tadschikistan: "Das ist hier sehr international, alle Menschen reden miteinander. Das ist gut, das ist sehr, sehr gut." Nach gut zwei Stunden ist die Sitzung zuende, die Band verlässt musizierend den Saal und Munef Alyousef schunkelt mit seinen Freunden. Er kommt aus Syrien und hat am Ende noch eine Lektion für die Kölner: "We can be very happy auch."

Stand: 02.02.2016, 14:45

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