"Opferschutz und Präsenz zeigen"

Polizeipräsenz

Erstes Treffen der Düsseldorfer "Bürgerwehr"

"Opferschutz und Präsenz zeigen"

Am Wochenende haben sich rund 50 Mitglieder der Facebook-Gruppe "Düsseldorf passt auf" zum ersten Mal in der Altstadt getroffen. In Kleingruppen patrouillierten sie durch die Straßen, um nach eigenen Angaben "Präsenz zu zeigen und potentielle Opfer zu schützen". Die Polizei sieht in der Gruppierung vor allem eine zusätzliche Arbeitsbelastung.

"Ich bin langsam der Meinung, dass die Polizei überfordert ist mit dem Schutz der Bürger. Deshalb will ich hier in der Altstadt Präsenz zeigen, sehen, wenn es irgendwo Ärger gibt, die Polizei rufen und deeskalierend eingreifen", sagt einer der Menschen, die sich am Samstag Abend vor dem Rathaus versammeln. So ähnlich beschreiben es viele, die zum ersten Treffen der Gruppe "Düsseldorf passt auf" in die Altstadt gekommen sind. Sie kommen nicht nur aus Düsseldorf, auch aus Neuss, Krefeld oder gar Bonn. Die Gruppierung hatte im sozialen Netzwerk Facebook in den vergangenen Tagen großen Zulauf erfahren und hat derzeit bereits über 13.000 Mitglieder.

Gruppe will auf Gewalt und Politik verzichten

Tofigh Hamid im Gespräch mit der Polizei

Tofigh Hamid im Gespräch mit der Polizei

Organisator Tofigh Hamid hat alle Hände voll zu tun. Der arbeitslose Leiharbeiter mit iranischen Wurzeln hat die Facebook-Gruppe gegründet. Er verteilt eine Erklärung an alle Teilnehmer, die sie vorab unterschreiben sollen. In diesem "Regelwerk" sollen mit ihrer Unterschrift erklären, auf Gewalt, Waffen, Alkohol und jedwede politische Äußerung zu verzichten. Zudem sei jeder Anweisung der Polizei bedingungslos Folge zu leisten. Danach werden Kleingruppen zu je sechs Personen eingeteilt, die in verschiedene Richtungen losziehen.

Polizei verhindert Auseinandersetzung

Die Polizei verfolgt das Treffen zunächst aus der Distanz, einige Male sprechen sie mit mehreren Beamten die Organisatoren an. "Diese Gruppierung ist für uns vor allem eine zusätzliche Arbeitsbelastung, gerade am Wochenende, wenn sowieso viel los ist", meint Polizeisprecherin Susanna Heusgen. Für die öffentliche Ordnung sei die Polizei zuständig, da brauche es keine "Bürgerwehr". Im Laufe des Abends müssen die Beamten Auseinandersetzungen mit Vertretern der linken Szene verhindern, die das Treffen beobachten. Vereinzelt wird laut Polizei Pfefferspray in Richtung der "Bürgerwehr" eingesetzt, bei einem Beobachter stellen die Beamten eine Holzlatte sicher.

Organisator: "Sind keine Bürgerwehr"

"Wie sehen uns nicht als Bürgerwehr, wir laufen ja nicht mit Fackeln und Mistgabeln durch die Stadt und wollen Leute verjagen", erklärt Organisator Hamid. "Wir sind nicht die Polizei!" In der Gruppe seien Menschen aus ganz verschiedenen Schichten, die helfen wollten. Er leugnet nicht, dass sich auch rechte Sympathisanten der Gruppe angeschlossen haben: "In diesem Fall sitzen wir aber alle im gleichen Boot. Diese Leute sollen ihre politische Haltung zu Hause lassen, sich benehmen und uns motiviert unterstützen."

Weitere Wochenend-Rundgänge geplant

Nach WDR-Informationen waren unter den Teilnehmern auch polizeibekannte Kleinkriminelle. Im Internet sollen sich Sympathisanten der "Hooligans gegen Salafisten" (HoGeSa) der Gruppe angeschlossen haben. Organisator Tofigh Hamid sieht das erste Treffen als "gute Übung" und will an den kommenden Wochenenden weitere Rundgänge durch die Altstadt organisieren, dann jeweils ab Mitternacht bis 6.00 Uhr am Morgen.

Stand: 11.01.2016, 10:17

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