Bürgerwehren organisieren sich in NRW

Facebook Gruppierung Düsseldorf

Nach Übergriffen in Köln

Bürgerwehren organisieren sich in NRW

  • Bürger organisieren sich nach Silvester-Übergriffen in Köln
  • Düsseldorfer Gruppe bekam plötzlich tausende neue Mitglieder
  • Die Polizei ist nicht begeistert von den Facebook-Gruppen

Tofigh Hamid und seine Mitstreiter wurden von der Resonanz schlicht überrollt. Mit 160 Mitgliedern hatte "Einer für alle, alle für einen... Düsseldorf passt auf" nach den Silvester-Übergriffen angefangen. Innerhalb von einem Tag stieg die Mitgliederzahl der Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook auf über 1.000, mittlerweile sind es über 9.000. Anlässlich der Ereignisse am Kölner Hauptbahnhof habe man beschlossen, sich in der Landeshauptstadt zu mobilisieren, "da so etwas auch in unserer schönen Stadt immer wieder der Fall ist und es sich leider in den vergangenen Monaten vermehrt hat", sagt Tofigh Hamid im Gespräch mit dem WDR.

Man wolle an Wochenenden oder belebten Veranstaltungstagen in der Stadt Präsenz zeigen, "wir wollen uns anständig verhalten und Hilfe anbieten", um die Stadt "für unsere Damen sicherer zu machen". Eigentlich hatten Hamid und seine Mitorganisatoren an 30 bis 40 Leute gedacht, die sich am Samstag (09.01.2016) auf dem Rathausplatz treffen sollten. Jetzt könnten es nach Schätzung des Gruppengründers 100 Mal so viele werden. "Wir setzen gerade alles daran, dass es nicht aus dem Ruder läuft."

Rechtsextreme Kommentare sollen gelöscht werden

Facebook Gruppierung Köln

Die "Kölner Bürgerwehr" sucht Türsteher und Kampfsportler

Die zweite Baustelle sind die Hetzkommentare und rassistischen Beiträge, die auf der Seite geschrieben werden. "Jeder darf seine Meinung äußern. Aber wer das nicht anständig macht, wird erst ermahnt und bei Wiederholung entfernt", sagt Tofigh Hamid, "selbst Ausländer", nach eigener Aussage weit von rechtsextremen Gedanken entfernt und betont immer wieder den gewaltlosen Ansatz: "Es ist traurig, wie versucht wird, uns in den rechten Sumpf zu ziehen."

Wie groß die Gruppe wirklich ist, lässt sich durch die Mitgliederzahl indes nicht belegen. Facebook-Nutzer können mit einfachem Hinzufügen durch ihre Kontakte zu Mitgliedern werden, wenn sie eine erforderliche Zustimmung in ihren Einstellungen deaktiviert haben. "Manchmal bemerkt man eine Gruppenzugehörigkeit gar nicht, weil die Beiträge mangels Interesse im eigenen Profil nicht angezeigt werden", sagt WDR-Digitalexperte Dennis Horn. Gruppengründer Tofigh Hamid sagt, er habe alle aufgefordert, bei Nicht-Interesse auszutreten.

"Kölner Bürgerwehr" will auf Patrouille gehen

Guardian Angels Bürgerwehr

In den USA gibt es uniformierte Bürgerwehren wie diese

Konkreter lässt sich die Zustimmung zur "Kölner Bürgerwehr" messen, die bis Freitagmittag mehr als 1.000 "Gefällt mir"-Klicks gesammelt hatte. Anders als bei der Düsseldorfer Gruppe haben die Organisatoren eine Seite als "Öffentliche Gemeinschaft" im sozialen Netzwerk angelegt. "Dazu wird man per Nachricht eingeladen und muss aktiv werden, um teilzunehmen", sagt Facebook-Experte Dennis Horn. So wie es auch Unternehmen oder Medien wie der WDR mit seinen verschiedenen Formaten macht. Die "Gefällt mir"-Zahl ist also ein durchaus tauglicher Gradmesser für Sympathie und Zustimmung.

Allerdings klingen die Beiträge der "Kölner Bürgerwehr" sehr viel martialischer, gesucht werden Kampfsportler, Türsteher und Bodybuilder. Organisator Martin Latsch spricht von "Patrouillen", um die Straßen sicherer zu machen. Man wolle Ehrenamtliche gewinnen für Organisation und Verwaltung, geplant seien Spendenaktionen für Flugblätter, T-Shirts und Ausrüstung der möglichen Sicherheitsleute. Das Ziel: "Unsere Frauen und Kinder vor Übergriffen schützen." Von Zusammenarbeit mit Ordnungsamt und Polizei ist auch die Rede, aber in den Kommentaren auf der Seite bleiben solche Aussagen ungelöscht: "Wir kommen. Wir schlagen die Asylanten KO! Und die ganzen Ausländerparasiten gleich mit. Wir setzen ein Zeichen."

Polizei ist nicht begeistert von diesen Organisationen

Die Düsseldorfer Organisatoren um Tofigh Hamid distanzieren sich derweil deutlich vom Begriff Bürgerwehr: "Wir laufen nicht mit Mistgabeln und Fackeln rum, um jemanden zu verjagen." Im Grunde gehe es angesichts der jüngsten Ereignisse darum, ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln, Hilfe anzubieten und nicht wegzuschauen.

Hilfreich zu sein ist eigentlich ganz im Sinne der Polizei, bestätigt ein Düsseldorfer Polizei-Sprecher. Er schränkt aber ein: "Wir brauchen wachsame und hilfsbereite Menschen, die bei Bedarf die 110 wählen. Von Begriffen wie Patrouillen und Bürgerwehr sind wir aber überhaupt nicht begeistert." Die Beamten seien entsprechend sensibilisiert. Möglicherweise müssen sie das demnächst auch in Krefeld sein: Nach WDR-Informationen steht dort eine ähnliche Organisation vor der Gründung, diese beobachtet aber zunächst die Entwicklung in anderen Städten.

Stand: 09.01.2016, 06:00