Nicht nur Brandstiftung - sondern Mordversuch

Schild "Brandstelle beschlagnahmt"

Gericht zu Brandanschlag in Altena

Nicht nur Brandstiftung - sondern Mordversuch

Im Oktober 2015 wurde Feuer in einem Haus in Altena gelegt. Dort war kurz zuvor eine syrische Flüchtlingsfamilie eingezogen. Die Staatsanwaltschaft sieht in dem Anschlag lediglich gefährliche Brandstiftung. Es war wohl eher ein Mordversuch, hat nun eine Gerichtskammer festgestellt.

Am 3. Oktober 2015 schwelt ein Brand im Dachstuhl eines Wohnhauses in Altena im Sauerland. Gerade erst sind in dem Haus sieben Asylbewerber aus Syrien eingezogen. Nachbarn, die den Syrern beim Einzug geholfen hatten, bemerken das Feuer zuerst und bringen die Flüchtlinge in Sicherheit. Der Brand kann rasch gelöscht werden.

Die Täter haben offenbar eine Kellertür aufgebrochen. Ein Brandsachverständiger wird später feststellen, dass sie auf dem Dachboden an zwei Stellen Feuer legen und dabei einen Brandbeschleuniger, wahrscheinlich Benzin, einsetzen. Im Gebälk entsteht ein Schwelbrand. Ein Kabel an der Außenwand des Hauses ist durchtrennt worden, deshalb kann der Brandmelder nicht funktionieren.

Kein Haftbefehl

Wenige Tage nach der Tat werden zwei Verdächtige festgenommen. Einer der beiden, der mutmaßliche Haupttäter, ist Feuerwehrmann. Die 23 und 25 Jahre alten Männer aus Altena legen Geständnisse ab. Die zuständige Staatsanwaltschaft am Landgericht Hagen beantragt keine Untersuchungshaft. Die Tatverdächtigen gehörten nicht der rechtsradikalen Szene an, es handele sich um "ganz normale" Menschen. Sie hätten lediglich gewollt, dass die Syrer "verschwinden".

Die Flüchtlings-Unterkunft in Altena

Die betroffene Flüchtlings-Unterkunft

Nach WDR-Recherchen teilte der Hauptverdächtige auf seiner Facebook-Seite mehrere rechtspopulistische Einträge. Mindestens einer davon stammte von der Seite einer rechtsradikalen Gruppierung. Politiker der Grünen werfen der Ermittlungsbehörde vor, die Tat zu verharmlosen. Die Staatsanwaltschaft bleibt jedoch bei ihrer Einschätzung und erhebt schließlich Anklage wegen gemeinschaftlicher schwerer Brandstiftung.

"Versuchter Mord wahrscheinlicher"

Gerichtssprecher Jens Berndt vor WDR-Kamera

Gerichtssprecher Jens Berndt

Die 4. Große Strafkammer des Landgerichts Hagen holt ein Ergänzungsgutachten des Brandsachverständigen ein. "Nach akribischer Auswertung aller Ermittlungsergebnisse" kommt die Kammer zu dem Schluss, dass wahrscheinlicher als ein Urteil wegen Brandstiftung "eine Verurteilung der Angeschuldigten wegen gemeinschaftlichen versuchten Mordes" sei. Das gibt die Pressestelle des Gerichts am Donnerstag (28.01.2016) bekannt. Über eine Verhandlung wegen Mordversuches ist damit noch nicht entschieden. Denn zuvor muss eine andere Kammer des Gerichtes, das Schwurgericht, entscheiden, ob es zuständig ist und das Hauptverfahren eröffnen will. Klar ist dagegen schon jetzt, dass die Hagener Staatsanwaltschaft eine schwere Klatsche kassiert hat.

Stand: 28.01.2016, 11:46