Tihange 1 vom Netz genommen

Brand im umstrittenen belgischen AKW

Tihange 1 vom Netz genommen

  • Nächtlicher Brand im nicht-nuklearen Bereich des AKW Tihange
  • Laut Betreiber keine Auswirkungen auf Arbeiter, Bevölkerung und Umwelt
  • Umweltministerium drängt Bundesregierung zu Gesprächen mit Belgien

Der Brand war Freitagnacht (18.12.2015) gegen 22.35 Uhr auf dem Gelände des umstrittenen Kraftwerks Tihange ausgebrochen. Betroffen war der nicht-nukleare Bereich des Reaktorblocks 1. Der Block habe sich Medienberichten zufolge daraufhin automatisch abgeschaltet, die Feuerwehr habe das Feuer 20 Minuten später unter Kontrolle gehabt. Die Betreiberfirma Electrabel betonte, dass der Zwischenfall keine Auswirkungen auf die Arbeiter, die Bevölkerung oder die Umwelt habe. Weil die Brandursache noch nicht geklärt ist, ist nicht sicher, ob der Block wie geplant Dienstagnacht (22.12.2015) wieder ans Netz geht.

"Bröckel-Reaktor" in der Kritik

Die Anlage rund 70 Kilometer westlich von Aachen wird schon seit Jahren heftig kritisiert. Der Reaktorblock 2 etwa wurde im März 2014 abgeschaltet: An den Reaktorbehältern waren Tausende kleinster Risse entdeckt worden. Anfang der Woche (14.12.2015) wurde der "Bröckel-Reaktor", wie ihn NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Die Grünen) nannte, wieder ans Netz genommen, nachdem die Inbetriebnahme mehrmals verschoben worden war - trotz massiver Proteste von NRW-Politikern.

Remmel verlangt die Stilllegung aller belgischen AKW

Remmel sieht sich durch den jüngsten Vorfall "vollkommen bestätigt", so ein Ministeriumssprecher gegenüber dem WDR: "Der Standort ist eine Bedrohung für Nordrhein-Westfalen." NRW verlangt deswegen nicht nur die Abschaltung der Anlage in Tihange, sondern aller belgischen AKW, und erwartet von der Bundesregierung, dass sie Gespräche mit der belgischen Regierung aufnimmt. "Wir haben alles getan, was in NRW rechtlich möglich ist", so der Sprecher, "jetzt muss die Bundesregierung handeln".

Unterstützung bekam Remmel von der Bundespartei. Der Brand in der Anlage sei ein "drastischer Beweis, dass die Laufzeitverlängerung für diesen klapprigen Uraltmeiler eine miserable, gefährliche Idee ist", sagte Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen. Auch der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) fordert eine sofortige Stilllegung von Tihange und die Rücknahme aller Betriebsgenehmigungen. Der Verband will am Sonntag (20.12.2015) in Ahaus gegen Atommülltransprote und gegen AKW demonstrieren.

Risse, Brände, streikende Wasserpumpen

In Tihange 1 hatte es schon vor dem jüngsten Brand immer wieder technische Probleme gegeben, zuletzt im September, als eine Wasserpumpe streikte. Außerdem brannte es 2014 in Reaktorblock 3. Das Land NRW hat die Kommunen in der Region östlich der Grenze aufgefordert, einen Katastrophenschutzplan zu erarbeiten, in Aachen wurde ein Störfall inklusive Verteilung von Jodtabletten simuliert.

Stand: 19.12.2015, 12:36