Schwimmbad-Verbot für Flüchtlinge

Mehrere Personen sitzen auf Bänken in einerm großen Zelt und vor ihnen steht ein Mann im anzug und einem Mikrofon.

Bornheim will nach Übergriffen aufklären

Schwimmbad-Verbot für Flüchtlinge

Von Anne Burghard

Die Stadt Bornheim will nichts unter den Teppich kehren. Gegen einen Flüchtling einer Bornheimer Unterkunft wird wegen sexueller Belästigung ermittelt. Außerdem soll es verbale Übergriffe gegen Frauen im städtischen Hallenbad gegeben haben. Das hat jetzt Konsequenzen.

Es ist 11 Uhr am Morgen, und das Gemeinschaftszelt der Bornheimer Notunterkunft für Flüchtlinge füllt sich zusehends. Es sind vorwiegend Männer, die kommen, junge und alte. Sie kommen zu einer Informationsveranstaltung der Stadt. Das Thema: sexuelle Belästigung von Frauen. Viele zeigen sich geschockt. "Ich schäme mich für meine Glaubensbrüder. So etwas darf nicht passieren", sagt ein junger Syrer in gebrochenem Deutsch. Seinen Namen will er nicht nennen. Er sei bereits als "Salafist" und "Terrorist" beschimpft worden. Nun will er nicht auch noch mit sexuellen Übergriffen in Verbindung gebracht werden.

Eine Frau zeigte sexuelle Belästigung an

Davon gab es in Bornheim nur wenige, aber die haben für Schlagzeilen gesorgt. Ein 18-jähriger Flüchtling nötigte zudem eine 54 Jahre alte Frau auf offener Straße. "Hier ist ein herbeigerufenes Ehepaar dazwischen gegangen und hat verhindert, dass es vielleicht noch zu Schlimmerem gekommen ist", so der Erste Beigeordnete der Stadt Bornheim, Markus Schnapka. Das sei der einzige Fall, der als Anzeige aktenkundig sei. Im städtischen Schwimmbad habe es auch Belästigungen geben, "verbaler Art", so Schnapka.

Stadt spricht Schwimmbad-Verbot aus

Mehrere Personen sitzen auf Bänken in einerm großen Zelt und vor ihnen steht ein Mann im anzug und einem Mikrofon.

Viele Flüchtlinge sind zur Informationsveranstaltung gekommen

"Ich habe daraufhin veranlasst, dass die erwachsenen männlichen Flüchtlinge erst einmal nicht mehr in das Schwimmbad dürfen", erklärt der Erste Beigeordnete. "Ich weiß, dass ich damit den allermeisten Unrecht tue, aber ich sehe auch keine andere Möglichkeit als dieses deutliche Zeichen zu setzen." Er will nicht die Unschuldigen dauerhaft unter den Taten der wenigen leiden lassen. Daher geht er selbst in die Flüchtlingsunterkünfte und veranstaltet Informationstage. Dort wird alles in drei Sprachen übersetzt, damit es jeder versteht.

Verständliche Informationen für Flüchtlinge

Bei den Info-Tagen in den Flüchtlingsheimen geht es vor allem um das westliche Frauenbild. Markus Schnapka: "Wir sagen da ganz klar: Unser Wertverständnis zur Geschlechtergleichtheit in Deutschland steht nicht zur Diskussion." Jeden Übergriff und jede Belästigung werde die Stadt sofort ahnden. Das Schwimmbad-Verbot soll aber keine Dauerlösung sein. "Wenn diese Information hier und heute ankommt und ich den Eindruck habe, dass vor allem die männlichen Bewohner das verstanden haben, werde ich den Zugang zum Schwimmbad wieder öffnen." Dazu wollen er und seine Sozialarbeiter auch Einzelgespräche mit jungen Männern führen.

Eines ist der Stadt Bornheim aber auch wichtig: Sie will rechtsgerichteten Parolen sofort einen Riegel vorschieben. Es habe bereits fremdenfeindliche Aktionen in Bornheim gegeben. "Dem setzen wir ein klares Nein entgegen", betont der Erste Beigeordnete.

Stand: 14.01.2016, 13:45

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