Einsatz für die NATO

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Einsatz für die NATO

Von Jürgen Kleikamp

Nach der Grundsatzentscheidung für einen Einsatz in der Flüchtlingskrise schickt die Nato sofort einen Marineverband in die Ägäis. Für die Mission eingesetzt wird die Stehende Nato-Marinegruppe 2. Diese wird zur Zeit vom deutschen Versorgungsschiff "Bonn" geführt, dem "Patenkind" der Bundestadt. Es befindet sich noch in der Nähe von Zypern.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärt den Auftrag des Einsatzgruppenversorgers (EGV) "Bonn" so: "Die Aufgabe besteht in Aufklärung und Überwachung des Seegebiets vor der türkischen Küste, von wo aus sich täglich tausende Flüchtlinge auf den Weg in die EU machen. Die Informationen werden dann an die nationalen Küstenwachen und die EU-Grenzschutzbehörde Frontex weitergegeben. Ein direktes Eingreifen der Nato-Schiffe ist nicht vorgesehen."

Im Notfall werden auch Flüchtlinge gerettet

Auch eine Seenotrettung ist anders als bei einer ähnlichen EU-Mission vor Libyen nicht das Ziel. In Notfällen seien jedoch auch die Nato-Schiffe wie die "Bonn" verpflichtet, Flüchtlinge zu retten, sagte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Es sei mit Ankara "fest verabredet", dass diese Flüchtlinge dann "zurück in die Türkei gebracht werden".

Vielfältiges Aufgabengebiet für das Riesenschiff

Ein Militschiff im Hafen.

Die "Bonn" kurz vor ihrer Jungfernfahrt

Einsatzgruppenversorger haben üblicherweise den Auftrag, Einsatzverbände in See logistisch und sanitätsdienstlich zu unterstützen. Dazu gehört unter anderem der Transport von Proviant, Wasser, Munition und Kraftstoffen und deren Umschlag auf andere Marineschiffe sowie das umweltverträgliche Entsorgen anfallender Abwasser und Abfälle. Die sanitätsdienstliche Unterstützung erfolgt durch das auf einem zweistöckigen Containersystem basierende Marineeinsatzrettungszentrum (MERZ). Im Verbund mit dem Schifflazarett des EGV können so mehr als 40 Patienten behandelt werden. Auch chirurgische Eingriffe sind möglich. Darüber hinaus können auf dem EGV bis zu zwei Bordhubschrauber stationiert werden.

Verband kann 45 Tage autark versorgt werden

Der Einsatzgruppenversorger "Bonn" zählt zu den größten Schiffen der deutschen Marine. Der schwimmende Koloss bringt 20.000 Tonnen auf die Waage, misst 174 Meter von Bug bis Heck und bietet mehr als 230 Besatzungsmitgliedern Platz. "Die Einsatzgruppenversorger“, so sagte es der damalige Marine-Inspekteur Axel Schimpf bei der Schiffstaufe der "Bonn" 2012, "sind die Arbeitspferde der deutschen Flotte". Das Schiff trägt wesentlich dazu bei, dass ein Marineverband über 45 Tage völlig autark mit Brennstoffen, Lebensmitteln, Ersatzteilen und Munition versorgt werden - und damit an fast jeden Ort der Welt gelangen kann.

Schiff wird der internationalen Verpflichtung gerecht

Der damalige Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete die "Bonn" 2012 als "Botschafter eines Deutschlands, das seiner internationalen Verantwortung umfassend gerecht wird". Und Thomas Kossendey, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung hatte bei der Indienststellung ergänzt: "Mit Bonn verbindet sich auch ein wichtiger Teil der Geschichte der Bundeswehr. Als langjähriger Sitz des Inspekteurs der Marine ist Bonn gewissermaßen der Geburtsort aller EGV."

Eigener Freundeskreis für das "Dickschiff"

Die Bonn hat in ihrer Patenstadt sogar einen eigenen Freundeskreis, der den Kontakt zur Besatzung des "Dickschiffs". Die Soldatinnen und Soldaten des Versorgungsschiffes sind in der Stadt auch seit Jahren vor allem in der Weihnachtszeit für den guten Zweck unterwegs. Die Erlöse, die durch diverse Aktivitäten der Marine eingesammelt werden, kommen je zur Hälfte der Stadt Wilhelmshaven und der Bundesstadt zugute. In Wilhelmshaven hat die "Bonn" ihren Heimathafen. In Bonn geht das Geld an die Katholische Kirchengemeinde St. Martin zur Förderung der St. Martinstradition in der Bonner City.

Pläne für das Beethovenjahr

Drei Männer in Kapitänsuniformen reichen sich die Hände.

Fregattenkapitän Jobst Berg (links) übernimmt den Einsatzgruppenversorger "Bonn"

Natürlich hoffen alle, dass die Besatzung der "Bonn" wohlbehalten von ihrem auch diplomatisch schwierigen Einsatz in der Ägäis zurückkommt. Natürlich nicht nur deshalb, weil der Freundeskreises des Schiffs und die Stadt mit ihrem Patenkind schon wichtige Zukunftspläne haben. So soll die Bonn auch im Beethovenjahr 2020 einen Beitrag leisten. Freundeskreis-Präsident Bodo Buhse und der Kommandant des Versorgers, Fregattenkapitän Jobst Berg, hatten bei ihrem letzten Besuch in der Bundesstadt versprochen: "Da lassen wir uns etwas einfallen."

Die "Bonn" in Zahlen

  • Länge über alles 173,7 m
  • Breite 24 m
  • Verdrängung 20 240 t
  • Geschwindigkeit 20 kn
  • Fahrmotoren 2 x 7200 kW
  • Generatoren 4 x 920 kW
  • Stammbesatzung 151 Personen
  • maximale Besatzung 239 Personen
  • Bordhubschrauber 2 x Sea King MK41
  • Bordkrane 2 x Bordkran mit je 24 t Nutzlast

Stand: 11.02.2016, 15:00