Bilanz: Stürmischer Rosenmontag im Rheinland

Kölner Schull- und Veedelszöch

Bilanz: Stürmischer Rosenmontag im Rheinland

  • Wegen Sturms kein Rosenmontagszug in Düsseldorf und anderen Städten
  • Karnevalisten in Köln ziehen Umzug mit Einschränkungen durch
  • Verschärfte Sicherheitslage nach Übergriffen in Kölner Silvesternacht

Eine Sturmwarnung hat vielen Narren an Rosenmontag (08.02.2016) erstmals seit 25 Jahren einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aus Sorge vor orkanartigen Böen des Sturmtiefs "Ruzica" (Röschen) sagten Hochburgen wie Düsseldorf und Mainz die traditionellen Umzüge schweren Herzens ab. Dagegen setzte sich in Köln pünktlich um 10.00 Uhr der größte deutsche Karnevalszug in Bewegung, allerdings ohne die sonst üblichen 500 Pferde. Der Umzug war laut Zugleiter Christoph Kuckelkorn so gut besucht "wie sonst auch". Bis zum späten Nachmittag blieb es meist friedlich. Tausende Polizisten waren in den rheinischen Karnevalshochburgen im Einsatz.

Sturm, Schauer, zuglose Wagen

Während in Köln das Wetter mitspielte, kam es in Düsseldorf zu heftigen Sturmböen und Schauern. Trotz Zugabsage und Wetterkapriolen feierten zahlreiche Narren in der Altstadt. Es war an der "längsten Theke der Welt" aber nicht so voll wie sonst an Rosenmontagen.

Düsseldorfer Rosenmontagszug abgesagt

Auch ohne Zug wurden die satirischen Wagen-Motive in Düsseldorf präsentiert

Die "zuglosen" Düsseldorfer konnten sich vor dem Rathaus die Wagen zumindest ansehen. Auch diesmal blieb Figurengestalter Jacques Tilly seinem Ruf als besonders scharfer Satiriker treu. So thematisierten Wagen die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht. Ebenfalls satirisch aufgespießt: Kanzlerin Angela Merkel, über die eine Flüchtlingswelle schwappt. Oder der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der mit einem IS-Terroristen auf den blutigen Kampf gegen die Kurden anstößt. Der abgesagte Düsseldorfer Rosenmontagszug soll jetzt am 13. März stattfinden - ein Sonntag mitten in der Fastenzeit.

Polizei im Karnevalszug

Polizei beim Karneval

Sind die Rosenmontagszüge zurecht wegen Sturms abgesagt worden? Die Meteorologen sind sich nicht einig. ARD-Wettermann Karsten Schwanke kritisierte die Düsseldorfer Entscheidung: "Absage #Düsseldorf - für mich ein Rätsel", schrieb er am Montag auf Twitter. Die stärksten Böen seien schließlich erst am Nachmittag oder Abend zu erwarten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) verwies darauf, dass die Ausgangslage für Köln und Düsseldorf unterschiedlich sei: "Köln ist durch die Eifel geschützt", sagte ein DWD-Meteorologe.

Tausende Polizisten im Einsatz

Aufgrund der Übergriffe in der Kölner Silvesternacht wollte die Polizei in NRW mit deutlich mehr Beamten als in den Vorjahren für Sicherheit im Straßenkarneval sorgen. Tausende Polizisten waren im Einsatz. Allein in Köln waren es nach offiziellen Angaben 1.850 Beamte. Der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies hat sich hochzufrieden über den Einsatzverlauf an den Karnevalstagen geäußert. "Die Polizei hat schon ganz toll gearbeitet", sagte er am Dienstag (09.02.2016) im WDR.

Seine Bilanz: Es seien im Kölner und Leverkusener Stadtgebiet 99 Personen festgenommen und 432 in Gewahrsam genommen worden. Zudem seien 1.369 Unruhestiftern Platzverweise erteilt worden. Bislang habe es 673 Strafanzeigen gegeben., davon seien bislang 55 Sexualdelikte. Diese hätten von sexueller Beleidigung bis zur Vergewaltigung gereicht. Das sei viel, habe aber eben auch damit zu tun, dass die Polizei diesmal sehr konsequent eingeschritten sei. "Dieses Konzept, das hat eindeutig gegriffen", sagte Mathies.

Versuchter Totschlag in Gladbeck

Polizei im Karnevalszug

Zahlreiche Beamte sorgten für Sicherheit

Während der Karnevalsfeiern in Gladbeck (Kreis Recklinghausen) verletzte ein 19-Jähriger zwei Menschen mit einem Messer schwer. Am Rande des sogenannten Schubkarrenumzugs am Sonntagnachmittag habe es eine erste Auseinandersetzung gegeben. Ein 30-Jähriger habe den 19-Jährigen mit einer Flasche am Kopf verletzt, berichtete die Polizei Recklinghausen. Wenige Minuten später habe der 19-Jährige dann mehrfach auf den 30-Jährigen und einen anderen, 36 Jahre alten Mann eingestochen. Beide Männer wurden lebensgefährlich verletzt. Der 19-jährige Tatverdächtige wurde noch am Sonntagabend festgenommen, anschließend wurde Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen.

Körperverletzung und Belästigungen

"Unruhiger als im vorigen Jahr" verliefen die Karnevalsfeiern auch im Oberbergischen Kreis. Demnach belästigte laut Polizei ein 27-jähriger Mann in Gummersbach "auf penetrante Art und Weise mehrere weibliche Gäste". Bei der Aufnahme eines Körperverletzungsdeliktes in Radevormwald stellten die Beamten bei dem Tatverdächtigen eine Softairpistole sicher. In Troisdorf (Rhein-Sieg-Kreis) berichtete die Polizei von einer sexuellen Belästigung an einer Gaststätte. In Düsseldorf wurden am Rosenmontag mehrere Platzverweise gegen meist angetrunkene Karnevalisten ausgesprochen.

Die Aachener Polizei vermeldete einen überwiegend "friedlichen Verlauf" des örtlichen Umzugs. In Münster sank laut Polizei die Zahl der Straftaten und Ingewahrsamnahmen im Vergleich zum Vorjahr. Ruhig verliefen auch die verbliebenen zwei Umzüge im Kreis Kleve.

Nach einer Schlägerei im Kneipenviertel von Leverkusen-Opladen ist ein Tatverdächtiger festgenommen worden, vier weitere kamen in Gewahrsam. Wie die Polizei am Dienstag (09.02.2016) berichtete, war eine Gruppe Asylsuchender auf Leverkusener Karnevalisten getroffen. Laut Zeugenaussagen waren bis zu 15 Menschen an der Schlägerei beteiligt. Auslöser für den Streit soll die Belästigung einer jungen Frau gewesen sein.

Letzte Absage 1991

Neben Düsseldorf und Mainz sagten viele andere Städte ihre Züge wegen Sturmwarnungen ebenfalls ab. Darunter waren Bocholt, Bottrop, Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Hilden, Mülheim an der Ruhr, Münster, Krefeld, Ratingen, Recklinghausen und Solingen. Zuletzt waren Rosenmontagszüge 1991 wegen des Golfkrieges abgesagt worden.

Stand: 11.02.2016, 11:34

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