Tour de France soll in Düsseldorf starten

Stadtrat Düsseldorf entscheidet über Tour de France-Bewerbung

Rat stimmt für Bewerbung

Tour de France soll in Düsseldorf starten

Von Peter Hild

In zwei Jahren soll das große Radrennen in Düsseldorf starten. Der Stadtrat hat sich am Donnerstagabend hauchdünn mit 40 zu 39 Stimmen für eine Bewerbung ausgesprochen. Doch die Freude bei den Befürwortern währte nur kurz.

Die Anspannung war Oberbürgermeister Thomas Geisel kurz vor der Abstimmung deutlich anzumerken. Mehr als zwei Stunden hatte die zum Teil hoch emotionale Debatte bereits gedauert, in der SPD, Grüne und Thomas Geisel eindringlich für eine Tour-Bewerbung geworben hatten. CDU, FDP und Linke lehnten die Pläne jedoch mit Blick auf die hohen Kosten ab. Die Erleichterung über den hauchdünnen Sieg wich dann schnell der Nachdenklichkeit - denn offenbar ist die Mehrheit nur mit Stimmen der AfD und der Republikaner zustande gekommen.

Weitere Schritte nur mit breiterer Mehrheit

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Viele Düsseldorfer befürchten hohe Kosten

"Die Bewerbung haben wir jetzt beschlossen, aber die Tour können wir mit einer solchen Mehrheit nicht durchsetzen", erklärte SPD-Fraktionschef Markus Raub kurz nach der Abstimmung. Und auch Oberbürgermeister Geisel machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: "Das ist sicher keine Basis, mit der man auf Dauer die Bewerbung erfolgreich vorantreiben kann." SPD und Grüne wollen deshalb in den nächsten Wochen vor allem bei CDU und FDP um Unterstützung werben. Denn spätestens, wenn städtische Gelder für die Tour eingeplant werden müssten, solle dies von einer breiteren Mehrheit getragen werden, so Geisel.

Widerstand der Opposition

CDU, FDP und Linke führten vor allem die hohen Kosten für die Stadt ins Feld. "Angesichts dringend notwendiger Schulsanierungen können wir nicht für so etwas sechs Millionen Euro ausgeben", meinte FDP-Fraktionschefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Die CDU sprach sich zwar grundsätzlich für Großevents aus. Doch wegen der angespannten Haushaltslage sei dies aktuell schlichtweg zu teuer, so der CDU-Fraktionsvorsitzende Rüdiger Gutt. Die insgesamt kalkulierten Kosten von elf Millionen Euro für die Stadt seien "sicher noch nicht das Ende".

Geisel: Auf Dauer mehr Nutzen als Kosten

Oberbürgermeister Thomas Geisel warb dagegen vehement für eine Zustimmung: "Der langfristige Nutzen übersteigt die Kosten deutlich", sagte er und führte eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte an. Der Profit für die lokale Wirtschaft durch das viertägige Event mit Mannschaftsvorstellung, Prolog und Start der ersten Etappe wird danach auf fast 60 Millionen Euro geschätzt, insbesondere für Hotels und Gastronomie. Den so genannten Mediawert eines Tour-Starts beziffert Deloitte durch die weltweite mediale Aufmerksamkeit auf etwa 30 Millionen Euro. Dazu soll der Anteil des Fahrradverkehrs mittelfristig von aktuell 14 auf 25 Prozent steigen.

"Viele potentielle Sponsoren haben bereits positive Signale gegeben", gab sich Geisel zuversichtlich, der damit den städtischen Zuschuss so weit wie möglich senken will. Doch jetzt muss die Stadt erst einmal ihre Bewerbung bei der Veranstalterorganisation in Paris einreichen.

Stand: 06.11.2015, 07:19